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Soweit die Hufe tragen – Der Atlantik-Ritt
Go West

„Pferde sind zum Laufen und Tragen da“, dachte sich Gisela Morlock-Rahn, sattelte ihre Araberstute Nefratis und ritt nach La Rochelle um ihre Schwester zu besuchen. Mit dem Wander-Ritt an den Atlantik erfüllte sich die 58-Jährige Architektin aus dem Stuttgarter Osten einen Jugendtraum.

Zehn Jahre lang haben sich Ross und Reiter gemeinsam vorbereitet und dabei einige ausgetretene Pfade verlassen: „Ich habe regelmäßig die Distanzen erhöht und mit Nefratis für Pferde ungewohnte Situationen geübt. Wir passierten Straßenbahn-Übergänge, sind auf glatten Flächen gelaufen und sie wurde mit Mottoradfahrern konfrontiert. Wenn sich zudem die Kleidung der Fahrer vom Wind aufplustert ist das für Nefratis ja ein brüllendes Ungeheuer. Es hat lange gedauert, bis sie nicht mehr gescheut hat.“ erinnert sich die Reiterin.

Zwei größere Reisen scheiterten zuerst einmal – Eine Darmkolik, die Vogelgrippe und heftiger Schneefall zwangen das Duo zum Abbruch. Im Frühjar 2006 war es aber soweit und obwohl sich Gisela Morlock-Rahn alle notwendigen Landkarten eingeprägt hatte, wurden die beiden auf ihrer Reise des öfteren überrascht. Treppen zum Beispiel sind auf keiner Karte eingezeichnet. „Einmal weigerte sich Nefratis partout eine steile Böschung hinunter zu gehen, da blieb mir nichts anderes übrig, als auf den Autobahn-Zubringer auszuweichen“, so Morlock-Rahn. Das sei schon eine brenzlige Situation gewesen.

Im Gepäck hatte die Stuttgarterin nur das Allernötigste: Ein Messer, Schlafsack und Notzelt, Papiere und Ersatzkarten sowie andere Kleinigkeiten die man auf Reisen dringend braucht. Gefressen hat Nefratis auf französischen Wiesen, offene Supermärkte waren allerdings gar nicht so leicht zu finden. Geschlafen wurde meistens in Ställen und Scheunen. „Randbedingung war eben immer, ein Dach über dem Kopf zu haben. Aber: Es gibt kein besseres Bett als Strohballen“, seufzt Gisela Morlock-Rahn selbst 2500 Kilometer und einige Erfahrungen später.

Seit ihrem achten Lebensjahr reitet die Pferdefreundin, trotzdem zeigte auch ihr sattel-erprobtes Sitzfleisch Grenzen. „Wenn mir der Hintern weh getan hat, kam meine Stunde: Ich stieg ab, nahm die Zügel und lief vor meinem Pferd her bis es wieder besser ging.“ Das erinnerte sie an unzählige Spaziergänge im Wald, die sie schon als Jugendliche genossen hat. Damals trainierte Gisela Morlock-Rahn sogar Rennpferde und besuchte ihren Tanzpartner mit dem Pferd statt mit Bus und Bahn.

Auch die vielen Stürze hat sie nicht mitgezählt. Das kommt beim Reiten eben vor. Um so erfreulicher, dass sie ihren ersten 180-Tage-Ritt unbeschadet überstanden hat. „Pferde sind ein Kulturgut und wir dürfen nicht zulassen, dass Sie aus dem Stadtbild verschwinden“, resümiert Gisela Morlock-Rahn und träumt einen neuen Traum: Ein regelmäßiger Teetanten-Tratschritt darf es sein. „Der Wanderritt erlebt derzeit eine Renaissance“, weiß Morlock-Rahn und hofft, bald viele Gleichgesinnte für tagelange Ausritte rund um Stuttgart zu finden.

Gisela Morlock-Rahn, Ostendstr. 12, 70190 Stuttgart, Tel. 262 56 40, giselamorlock@yahoo.com.

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