morning sun

„Morning Sun“ – Beim Chinesen um die Ecke
Eine fotografische Reise durch Beijing und Shanghai

Beijing und Shanghai – Zwei Megacities im Wandel. In seinem neuen Bildband „Morning Sun“ zeigt der Stuttgarter Fotograf Andreas Körner Moment-Aufnahmen beider Städte zwischen Tradition und Globalisierung. Abseits der „spektakulären Oberfläche“ – sprich: Schwindel erregenden Wolkenkratzern und sonstigen Auswüchsen des Modernisierungswahns – folgt Andreas Körner mit der Kamera und seinem chinesischen Co-Autor Gao Yi der eigenen Wahrnehmung, dokumentiert zufällige Begegnungen und Szenen am Rand, spürt den Rissen zwischen Heute und Morgen nach und späht durch das kleine Loch im Bauzaun der Gesellschaft. Und plötzlich ist China dem Betrachter gar nicht mehr so fremd. Obwohl viele Aufnahmen auch in Berlin oder im Frankfurter Stadtpark entstehen könnten, erinnern authentische und fremde Details sowie traditionelle Symbole immer wieder seltsam an den anderen Kulturkreis.

Zwar gewollt authentisch verfehlen die Bilder ihre Wirkung nicht und bleiben dennoch irgendwie künstlich, machen neugierig auf das ganze Bild, auf das Leben hinter den Motiven: Was entsteht am gigantischen Bau-Wall auf Seite 89, wer schiebt den Minni-Mouse-Kinderwagen auf Seite 67 und wie wohnt der Mann, der auf Seite 46 einen Anzug sowie einen gelben Bauhelm trägt – alleine oder mit Familie? Sehen wir hier Individuen bei der Selbstverwirklichung oder „verplante“ Arbeiter einer chinesischen Zukunftsvision? Den aufmerksamen Beobachter täuschen bunte Dächer, quitsch-grüne Kinderautos sowie paradiesisch-architektonische Entwürfe auf überdimensionierten Plakaten nicht über millionenfach einfachste Leben hinweg, die zu einem großen Teil auf der Straße statt finden – Aber sie heißen staatlich reglementierte Kleinfamilien und fortschrittsgläubige Rentner willkommen in der schönen neuen Welt. Uniformierte Funktionäre vor der Festhalle und an anderen öffentlichen Plätzen verstärken den Eindruck einer subtilen Diktatur.

„Städte wie Träume sind aus Wünschen und Ängsten gebaut“ zitiert Andreas Körner in seinem neuen Bildband und seine Bilder spiegeln vor allem die Wünsche und Träume der Stadtplaner in Beijing und Shanghai wieder, zeugen gleichzeitig von einem Leben zwischen staatlicher Kontrolle und kommunistischer Tradition sowie Fortschrittsglauben und entfesseltem Wirtschaftswachstum. Ein Buch mit 69 wunderbar skurilen zweiten Blicken, das man gerne für weitere quasi-voyeuristische Recherchen zur Hand nimmt. Weitere Infos bei Andreas Körner

Erschienen bei Bildschöne Bücher, 120 Seiten, Hardcover, für bisschen mehr Geld ist auch eine offenbar beeindruckende Sonderedition erhältlich

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s