drang nach draußen…

Warum Natursportarten boomen und Outdoor ein urmenschliches Bedürfnis ist
Bunt, gesund, exotisch

Man trifft sie zu Wasser, zu Lande und in der Luft, fast immer bunt gekleidet, meist mit hoch technisierten Gerätschaften und einem Sieger-Lächeln im Gesicht: „Outdoor“ ist schick und immer mehr Trendsportarten erobern die breite Masse während die emsigen Freizeit-, Extrem- und Trendsportler ständig neue Flächen für sich einnehmen – Sie klettern Überhänge nach oben, neuerdings sogar über’s Wasser, rasen auf Brettern oder Rädern waghalsige Abhänge nach unten oder laufen Stöcke klappernd Kilometer weit. „Bewegung an der frischen Luft ist ein ursächliches Bedürfniss des Menschen und die Natur stellt dafür einen Raum ohne einengende Regeln – Deshalb (be)sucht man sie“, erklärt Dr. Herbert Leikov, Leiter des Institutes für Sportwissenschaft an der Uni Stuttgart, aktiver Kletterer und passionierter Skifahrer den ungebrochenen Outdoor-Boom. „Unabhängig von der Sportart und der erforderlichen Ausrüstung, liegt bei den meisten Natursportarten vor allem eine Eroberungsstruktur zugrunde. Man will die Natur erforschen, Abenteuer auf fremdem Terrain erleben, neue Welten für sich erschließen und bis an die Grenzen gehen. Das gilt sowohl für die klassischen Natursportarten wie Bergsteigen, Rad- oder Skifahren, aber auch für Outdoor-Trendsportarten und hat beispielsweise zur Folge, dass es heute am Kilimandscharo geführte Touren gibt und unzählige Freizeitsportler mit dem Albverein an der Viertausender-Grenze wandern gehen.“ Dabei trifft jeder Natur-Sportler seine eigenen Entscheidungen und legt selbst fest, wo die Grenzen liegen sollen – Ein weiterer Aspekt für die Outdoor-Faszination.

Während die meisten das kalkulierbare Risiko schätzen, suchen andere bewusst die extreme Herausforderung. Fest steht: Immer mehr Menschen wollen sich in der freien Natur bewegen, was zu immer mehr Wegerechten und bereits besetzten Orten führt und einige dazu ermuntert, neue Räume zu erschließen oder andere Fortbewegungsarten zu schaffen – Ein Trend entsteht. Um die findigen Tüftler oder Extremsportler entsteht im Lauf der Zeit eine eigene kleine Subkultur mit wenigen Mitglieder und internen Regeln. So hatten Wakeboarder anfänglich weder genormte Bretter noch spezielle Segel und die ersten Mountainbiker schraubten sich einfach Ballonreifen unter den Fahrradrahmen, weiß Dr. Herbert Leikov. „Schließlich wird der Nischensport für die Masse attraktiv und die Industrie versucht den Trend zu beschleunigen, denn: Größere technische Möglichkeiten erleichtern die sportlichen Bedingungen“, hat Dr. Herbert Leikov bei den ersten Trendsportarten Windsurfen und Mountainbiken beobachet.

„Auch Leistungsverbesserung, Wettbewerb, Wellness- und Gesundheitsaspekte spielen bei Natursportarten eine wichtige Rolle. Jeder hat sein eigenes Motivgemenge das ihn bewegter Weise in die Natur treibt.“ Trotz aller Erfahrungen und Forschungsergebnissen: Feste Prognosen für die Zukunft mag auch der Experte nicht aufstellen. „Die Ausdifferenzierung unserer Gesellschaft wird aber auch weiterhin nicht vor dem Sport Halt machen und immer wieder neue Sichten auf Freizeit und Freiheit eröffnen,“ sagt Leikov. Dabei erzeugen neue Ideen nicht immer eine neue (Massen-)Sportart: Oft erfolgt der Trend innerhalb einer bestehenden Gruppe. So bevorzugen Skateboarder derzeit das Longboard, viele Spitzenkletterer gehen ohne Seil in den Berg und Skifahrer suchen verstärkt die freie Abfahrt abseits gewalzter Pisten. Aktuell besonders beliebt: Mit Schneeschuhen auf den Berg laufen und mit dem Snowboard wieder abfahren.

Egal wie exotisch die Trendsportarten heuer daher kommen: „Wir machen diese Verrücktheiten weil wir sie machen können. Man will probieren, was einem durch den Kopf geht – So einfach ist das“, meint Dr. Herbert Leikov. Für alle, die immer noch nicht nachvollziehen können, warum ihre Zeitgenossen ihre Freizeit derart bewegt gestalten, hat Dr. Herbert Leikov einen einfachen Tipp: „Spaß macht es erst, wenn man das Tun perfektioniert. Man kann aber mit ganz einfachen Sachen anfangen: Zu Beginn reicht es, einen Spaziergang zu machen, den Wind um die Nase pfeifen zu lassen und das zu genießen.“

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