stimmtraining – mut zum bauch

Wie man mit Schwäbisch verständlich macht und die eigene Stimme entdeckt

„Abraham saß nah am Abhang“ – Zumindest Schauspieler kommen während ihrer Ausbildung kaum an Sätzen wie diesem vorbei, denn er trainiert die Aussprache. Doch egal ob Schauspieler, Sprecher, Moderator oder Führungskraft: Wer sich jemals vor großem Publikum bewusst „Des isch…“ hat sagen hören, meldet sich in der Regel fix beim Stimmtrainer an. Zumindest Kunden, die zu Petra Ziegler kommen, wollen deutlicher, klarer und akzentuierter sprechen lernen. „Es geht dabei nicht so sehr darum, einen Dialekt abzutrainieren – der macht einen Menschen ja oft auch authentisch – sondern darum, Stimme und Sprache quasi als Visitenkarte professionell einsetzen zu können. Jede Sprache lässt sich entweder klar oder undeutlich sprechen“, verrät die Sprechtrainerin vom Marienplatz.

Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen demnach Atem-, Sprech- und Körperübungen – Handwerkszeug, mit der die persönliche Stimme entdeckt und ausgebildet werden soll. „Jeder Mensch hat eine ganz eigene Sprechstimme, die bei vielen durch falsche Atmung verloren geht. Die Gründe sind vielfältig – zum Beispiel falsche Körperhaltung oder auch psychischer Stress – und es berührt mich immer sehr, wenn Menschen ihre eigene Stimme wieder entdecken. Auf jeden Fall rate ich zu Selbstbewusstsein und Mut zum Bauch, denn Bauchatmung ist für’s Sprechen immens wichtig“, lacht Petra Ziegler.

Auf Wunsch trainiert sie ihren Kunden und Seminarteilnehmern aber auch die verräterisch gutural-nasalen Schwäbeleien aus der Sprache. „Dialekt ist bei vielen negativ belegt“, bedauert die Stimmtrainerin und verweist auf den Inneninister, der sein „Ischt“ mit angemessenem Selbstbewusstsein schon mal beim Interview in der Tagesschau anbringe. Auch Bayern, Schweizer und Österreicher gingen mit ihrem Dialekt weitaus selbstbewusster um als Schwaben. „Viele Menschen mit denen ich arbeite – und das sind vor allem Leute in Führungspositionen – möchten ihre Aussprache so geschliffen haben, dass sie zum einen nicht mehr verrät, woher der Sprecher kommt und zum anderen keine Gefühle offenbart. Unsere Stimme ist nämlich ein ganz feiner Indikator für die eigene Stimmung. Bei einem unprofessionellen Sprecher hört man sofort, wie es ihm gerade geht.“

Für dieses Ziel müssen ihre Kunden möglichst lebenslang üben und sich mit skurrilen Methoden anfreunden: Da werden Grimassen geschnitten, es wird im Liegen geatmet und überhaupt sind manche Übungen gewöhnungsbedürftig. „Professionelle Sprecher machen vieles irgendwann automatisch. Bevor George Bush seine Rede zum Irakkrieg gehalten hat, verzog er ziemlich heftig das Gesicht um die Muskeln zu lockern. Was er nicht wusste: Die Kameras waren bereits eingeschaltet. Das hat viele Zuschauer dann doch sehr befremdet“, schmunzelt Petra Ziegler.

Privat spricht die Stimmtrainerin ab und zu wie ihr der Schnabel gewachsen ist, spricht ungewöhnlich viele Fremdsprachen und steht außerdem gerne mit einigen renommierten Stuttgarter Musikern als deutsch-französische Chansonette auf der Bühne, schließlich träumte sie als Kind davon, Sängerin zu sein. Deshalb sattelte Petra Ziegler auf ihr Linguistik- und Romanistikstudium eine Gesangs- , Schauspiel- und Sprecherausbildung. Nachdem die Aufträge als Synchronsprecherin und Synchrondrehbuchautorin für – damals noch – SDR und SWR – immer weniger wurden, verlegte sie sich ganz aufs Singen, unterrichtete nebenher wieder Deutsch in Firmen und begann 1990, Managern obacha hochdeutsch bei zom brenga. www.klangstruktur.de. foto: petra ziegler

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