findige tüftler – bawü meldet die meisten erfindungen an

Dass Deutschland – und vor allem Baden-Württemberg – das Land der Dichter, Denker und Erfinder sei, ist mehr als eine selbst verliebte Behauptung. Das beweist zum einen die Liste bahnbrechender früher Erfindungen – Karl Drais und seine Laufmaschine gelten als Vorreiter des modernen Individual-Verkehrs, Daimler und Maybach entwickelten das Auto und Johannes Kepler erfindet das erste astronomisches Fernrohr – zum anderen die Zahl aktueller Patente: Die meisten Erfindungen stammen von der Ostalb, konstatiert das Deutsche Patentamt in München. Nicht wenige davon wurden von Studenten entwickelt, denn an schwäbischen Hochschulen wird fleißig getüftelt. So entwickelte Marco Lugger, Doktorand an der Uni Stuttgart, gemeinsam mit Prof. Bin Yang einen Sprach-Computer, der Gefühle erkennen kann. „Spracherkennung ist ja etabliert. Uns interessiert aber weniger, was gesagt wird, sondern wie und mit welcher Stimmqualität“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Bin Yang vom Lehrstuhl für Systemtheorie und Sprachverarbeitung. Kernstück der Forschung sind Methoden, mit denen emotionale Färbung erkannt wird. Aus digitalisierten Zahlenkolonnen werden die Sprachsignale heraus gefiltert, die darauf schließen lassen, ob der Sprecher männlich oder weiblich, traurig, wütend oder nervös war. Trainiert wird mit bekannten Daten. So erkennt die Maschine mittlerweile ziemlich genau, ob Marco Lugger sich gerade aufregt oder freut. „Mit seinen Datensätzen erreichen wir derzeit eine Erkennungsquote von etwa 80 Prozent, was übrigens auch der menschlichen Erkennungsquote entspricht“, sagt Young, der zukünftige Einsatzfelder vor allem in Callcentern sieht – übrigens die Auftraggeber der Forschung – sowie in der Medizin, im Flugzeug-Cockpit oder in Navigationsgeräten.

Aus ganz handfesten Gründen bastelte Christian Schädle zu Studienzeiten eine Switchbox für DJs: „Als ich das erste Mal mit einem anderen DJ auflegen sollte, nervte mich der Gedanke, dass ich ständig meinen Laptop an Plattenspieler und Mischpult umstöpseln muss“, erinnert sich der freie Techniker für Clubs, Tonstudios und Medienproduktionsfirmen. So entwickelte er am Tag zuvor besagte Switchbox, mit der sich – einmal angeschlossen – auf Knopfdruck wählen lässt, welcher DJ mit welchem Plattenspieler verbunden ist. Aufgrund des einfachen Handlings und des optimalen Kosten-Nutzen-Faktors setzte sich die Box durch, wird mittlerweile in Serie produziert und von DJs auf der ganzen Welt eingesetzt.

Magma Switchbox

Auch an der an der Berufsakademie Heidenheim hat „Erfinden“ Methode: Dort entwickeln Studententeams ab dem dritten Semester neue Ideen, wie die transportable Meerwasser-Entsalzungsanlage für Laien, eine fliegende Wärmebildkamera oder das solar-betriebene Infoterminal. Ziel ist dabei klar die Marktreife der Produkte. „Beim Innovationsmanagement geht es nicht so sehr um tolle Erfindungen, sondern um die Frage, was gehört dazu, ein Produkt auf den Markt zu bringen. Ich denke, dieses Wissen ist künftig wichtig für die gesamt Region“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Klaus-Dieter Rupp, der die Projekte mit einigen Kollegen betreut und koordiniert. Schon jetzt arbeiten große ortsansässige Konzerne mit den künftigen Wirtschaftsingenieuren bedarfsorientiert zusammen. Auch Elektronik-Studenten der Hochschule Aalen legen bei Erfindungen hohe Standards vor und basteln derzeit am QuadZeppCopter – einem Flugzeugzwitter aus Zeppelin und Heli – sowie an Lego-Ameisenrobotern, mit denen sie das Kommunikationssystem der Insekten nachahmen, die sich über Pheromone, also Duftstoffe, ideale Futterwege mitteilen. Die Roboter fahren zufällig über ein Straßennetz, protokollieren ihren Weg und die Rückfahrt zum „Nest“. Eine zentrale Einheit empfängt diese Daten per Bluetooth, verarbeitet sie und funkt sie als neue Wahrscheinlichkeit an die Roboter zurück, so dass diese immer kürzere Wege „finden“ können. ameisenroboter Es bleibt spannend, ob die Ergebnisse eines Tages in Verkehrsleit- oder Lagersysteme einfließen, fest steht aber, Erfinden macht Menschen Spaß. Klaus-Dieter Rupp: „Ich kann sagen, dass alle Teams die an den Start gehen, immer den festen Willen haben, das Bisherige zu toppen.“ www.uni-stuttgart.de, www.ba-heidenheim.de, www.htw-aalen.de, myspace.com/magmaswitchbox

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