zu fuß von bari zum nordkap

Elke Streicher erreicht als erste Europäerin das Nordkap beim Transeurope-Footrace
Sie war dann mal weg

Wenn Elke Streicher vom Transeurope-Footrace erzählt, klingt das in etwa so angestrengt, wie Samstag mittags in der City passende Schuhe zu finden. Dabei war die Ultraläuferin aus Gerlingen 4500 Kilometer unterwegs – von Bari bis ans Nordkap, wo sie als zweite Frau ins Ziel lief. Damit ist Elke Streicher die erste Europäerin, die überhaupt einen Kontinentallauf vollendet haelke streichert.

64 Tage dauerte der Lauf, bei dem die Teilnehmer auf italienischen Autobahnen, über wild-romantische Alpenpässe, auf schier endlosen schwedischen Waldstraßen und in norwegischem Eiswind unterwegs sind. Triptrap, einen Schritt nach dem anderen legt die 42-Jährige gemeinsam mit ihrem Partner die unvorstellbare Strecke mal mehr mal weniger motiviert zurück. Los geht’s jeweils morgens um sechs, dann gibts täglich acht bis zwölf Stunden nichts als Laufen, Laufen, Laufen, die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt bei achteinhalb Kilometern pro Stunde. Wenn mal gar nichts mehr zu gehen scheint, sorgen Gummibärchen aus der Notfalltasche für den nötigen Motivationsschub.

„Das Läufer-Feld war lange deutlich schneller und ich dachte erschrocken: Was legen die für ein Tempo vor, wir müssen doch noch 4000 Kilometer laufen.“ Und tatsächlich: Nach und nach scheiden immer mehr der 65 Ultraläufer verletzt aus. Als sich die zweitbeste Läuferin – eine Japanerin – kurz vor dem Ziel einem Ermüdungsbruch beugen muss, mobilisiert Elke Streicher alle Reserven – ihr wird klar, da ist ein Platz ganz vorne drin. „Ich hatte irgendwann mein eigenes Tempo gefunden, das ich konstant durchhalten konnte. Dabei habe ich nie ans ans Ziel gedacht, sondern immer nur ans Ende der Tages-Etappe. So hatte ich am Ende noch die Kraft, das Tempo ein bisschen anzuziehen. Oberstes Ziel war zwar, gesund anzukommen, aber aus Lustlosigkeit aussteigen wäre nie in Frage gekommen.“ Nach der Siegerehrung am 21. Juni – es gibt einen Pokal und ein T-Shirt – wünscht sich Elke Streicher nur eins: So schnell wie möglich zurück nach Gerlingen. „Zuhause habe ich erst mal leicht befremdet meine Schränke durchgeschaut, ob alles noch da ist“ sagt Elke Streicher lachend

Wer denkt, dass Laufen schon immer zum Leben der Bauingenierin gehörte, täuscht sich: Das erste mal läuft die Doktorantin aus dem Stand und im geliehenen Shirt spontan den Stuttgart-Halbmarathon mit. „Damals liefen alle Teilnehmer eine Ehrenrunde im Gottlieb-Daimler-Stadion. Da ich ziemlich hinten lief, habe ich mich so geschämt, dass ich gleich zum Parkplatz wollte um heimzufahren.“ Ein anderer Läufe habe sie dann so motiviert, dass sie doch durchs Stadion gerannt ist. „Die Leute haben applaudiert und mich angefeuert – das war ein so großartiges Erlebnis und ich wusste: Das will ich öfter erleben“, so Elke Streicher. Schnell zeigt sich ihr Lauftalent, bald folgen Halb- und Vollmarathonläufe, fünf Iron-Man-Teilnahmen und der Spartathlon: Die Strecke von Athen bis Sparta gilt als eine der härtesten Laufveranstaltungen, dabei wird Elke Streicher vom „Ultralauf-Virus“ infiziert. Als sie vom Transeurope-Footrace erfährt, meldet sie sich sofort an. „Das ist es, dachte ich damals, davon kannst du deinen Enkeln noch erzählen“, so die Sportlerin. Die nächsten drei Jahr ordnet sie diesem Ziel alles unter, absolviert auf dem Rössleweg rund um Stuttgart ein Wochentrainingspensum von 175 Kilometern. Auf vieles habe sie verzichtet. Wenn Freunde was unternommen haben, war Elke Streicher am Laufen. „Auch deshalb war ich wirklich erleichtert, als ich endlich am Nordkap angekommen war. Im Moment mache ich nur was mir Spaß macht und kümmere mich um meine Promotion“, meint Elke Streicher, doch ihre Zukunftswünsche gehen bereits eigene Wege: Sie laufen 2011 rund 3000 Meilen von Los Angeles nach New York. www.elke-streicher.de, www.transeurope-footrace.org

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s