retro: rallye allgäu-orient

spät aber doch – die retro der rallye allgäu-orient:

Astrid Ermisch und Yvonne Schickardt sind Stuttgarts abenteuerlichste Rallye-Fahrerinnen

Heiße Spuren im Sand

Arabische und kyrillische Straßenschilder, Wüstensand und jede Menge Prüfungs-Aufgaben – für Yvonne Schickardt und Astrid Ermisch war die Rallye Allgäu – Orient das pure Abenteuer. Der Startschuss für die rund 6.000 Kilometer lange Fahrt fiel am 2. Mai in Oberstaufen, wo die zwei Mitarbeiterinnen einer Stuttgarter Werbeagentur gemeinsam mit vier Jungs aus Aalen als Laughing-Cow-Team noch kurz ein Interview geben. Die Regeln der Low-Budget-Rallye sind einfach: 88 Teams sind gemeldet, ein Team besteht aus höchstens sechs Personen. Alle Autos müssen mindestens 20 Jahre alt und laut Schwacke-Liste weniger als 2.000 Euro wert sein.

Deshalb rüsteten die beiden Stuttgarterinnen Omas Golf zum Rennwagen auf. Wer als gesamtes Team im jordanischen Amman ankommt und die Sonderaufgaben am besten erfüllt hat, gewinnt die Rallye und ein Kamel dazu. Autobahnen und Navis sind allerdings tabu, Übernachtungen dürfen maximal zehn Euro kosten – deshalb hatten Schickardt und Ermisch neben Hilfskisten voller Spielzeug und Kinderkleidung, sechs Litern Öl, Ersatzreifen und Abschleppseil auch ein Zelt in Reserve – und außerdem noch einen Baum.

„Das war die erste Prüfung – einen Baum mitzunehmen, der tief wurzelt und viel Sonne verträgt. Er soll in Jordanien zusammen mit den Bäumen der anderen Fahrer zu einem Wald heranwachsen“, erklärt Schickardt. Gleich nach dem Start ging‘s auf „Schnitzeljagd“ nach dem Roadbook, in dem ab sofort alle Prüfungen, Übernachtungen und Grenzübertritte dokumentiert werden mussten. Hauptaufgabe für die Teilnehmer: Pro Rallyetag eine Nationalhymne zu sammeln – mit Text und Noten. „Das war gar nicht so einfach und wie so oft mussten uns mit Händen und Füßen verständigen“, sagt Ermisch lachend.

Im Stau zur Aufgabe an der Blauen Moschee

Bis Instanbul durften die Teams ihre Route selbst bestimmen. „Für uns war ganz klar der Weg das Ziel“, sagt Ermisch. „Wir sind oft bewusst abseits der Bundesstraßen gefahren und haben uns zudem oft verfahren, weil die Straßen und Karten immer schlechter wurden. Aber so haben wir Länder und Leute viel intensiver und authentischer kennen gelernt.“ Erster Pflichttermin für die Teams war dann eine Aufgabe in der türkischen Hauptstadt, wo laut Rennleitung nicht nur ein bestimmtes U-Bahn-Ticket gezogen, sondern auch noch ein Leuchtturm gefunden und ein Zeitrennen gefahren werden mussten. „Das war schon ein Erlebnis, im morgendlichen Stau zur blauen Moschee zu ,rasen‘“, erinnert sich Ermisch.

Einen Tag später begann die Fahrt in den asiatischen Abschnitt. „Zwar wurden die Frauen ab Syrien vermummter und die Polizei-Uniformen steifer, trotzdem haben wir ausschließlich gastfreundliche und hilfsbereite Menschen kennen gelernt“, so Ermisch. Mit einem Wüstenrennen und der Siegerehrung durch Prinzessin Basna endete die Rallye. Vergeben wurden lediglich die ersten drei Plätze, alle später Angekommenen teilten sich den vierten Platz.

Autos, Hilfspakete und Ersatzteile blieben in Jordanien und wurden zugunsten eines Entwicklungshilfeprojekts verschenkt, versteigert oder verkauft. Einige Teilnehmer – auch die Stuttgarter Fraktion – fuhren anschließend noch ein paar Tage durchs Land, schauten sich alte Städte an, besuchen das Tote und das Rote Meer, bevor es zurück nach Deutschland ging. „Ich hätte nie gedacht, dass die Rallye soviel Spaß macht“, sagt Ermisch. Und weil nach der Rallye vor der Rallye ist, planen die beiden Fahrerinnen bereits die nächste große Fahrt. „Wir sind stolz auf uns, dass wir das Abenteuer gemeistert haben. Wenn man zum Beispiel morgens noch nicht weiß, wo man übernachtet, ist das schon ziemlich ungewohnt. Aber in spätestens zwei Jahren wollen wir wieder bei einer alternativen Rallye starten. Dann vielleicht von London nach Sydney.“ www.thelaughingcow.de, www.allgaeu-orient.de

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