deutschlands jüngster zirkusdirektor

Stuttgarter macht großen Zirkus
Sascha Melnjak ist Deutschlands jüngster Zirkusdirektor

Manege frei für Deutschlands jüngsten Zirkus-Direktor: Knapp zwei Jahre, nachdem der Stuttgarter Sascha Melnjak den renommierten Zirkus Knie übernommen hatte, verlieh ihm die Gesellschaft der Zirkusfreunde mit dem ersten GCD-Zukunftspreis eine Branchen-Ehrung. „Ich war so überrascht wie erfreut“, sagt der Mitt-Dreißiger zur Auszeichnung. Dennoch kommt sein Erfolg nicht von ungefähr: Schon mit sechs Jahren war für Sascha Melnjak klar, dass er mal beim Zirkus arbeiten will. Deshalb fährt er in den Ferien und am Wochenende mit dem Zug immer dahin, wo gerade ein Zirkus gastiert, füttert Tiere, macht Reklame und übt sich im Platzanweisen. „Ich habe mich vor nichts gescheut“, erinnert sich Melnjak. Und Improvisieren, das müsse man beim Zirkus auf jeden Fall können. Das war in den 90ern. Nach dem Zivildienst bei der AWO in Bad Cannstatt folgt eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, denn: „Ein Zirkus ist zwar ein Unterhaltungs-Betrieb, funktioniert vom Prinzip her aber wie jedes andere mittelständische Unternehmen auch, nur dass wir Zirkusleute keinen festen Standort und keine Tarifverträge für unsere Arbeit haben.“ Nach seiner Lehre arbeitet Sascha Melnjak für den Zirkus Romanza, für Busch-Roland sowie für den Zirkus Knie, kümmert sich um Pressearbeit, Organisation und Tournee-Planung. Das Scheinwerferlicht und die Show überlässt er lieber anderen. Schließlich übernimmt er den gut geführten Zirkusbetrieb von Charles Knie, der 2007 nach Australien auswandert – ein Traum wird wahr und Sascha Melnjak gestaltet ab sofort seinen Traumzirkus nach neuem Konzept und schafft ganz nebenbei einen Großzirkus mit Rang und Namen.

Derzeit arbeiten rund 80 Angestellte unter ihrem preisgekrönten Direktor, darunter Clowns, Artisten und Lohn-Buchhalter – die einzigen übrigens, die nicht dringend aus einem Zirkus kommen müssen, um ihren Job zu beherrschen. Alle anderen wachsen entweder in traditionellen Zirkusfamilien auf oder learnen by doing – anders geht es nicht beim Zirkus, ist Sascha Melnjak überzeugt. Vor allem deshalb, weil es in ganz Westeuropa keine einzige Artistenschule gibt. Die letzten ihrer Art findet man eher im Osten des Kontinents. „Wir haben sowieso nicht viel Nachwuchs in unserer Branche, selbst auf Stellenanzeigen meldet sich niemand und so ist jeder Zirkus froh, wenn jemand kommt und sagt: Ich will mitmachen“, sagt Melnjak mit leiser Wehmut. Die Gründe sind vielfältig vermutet er: Ungeregelte Arbeitszeiten und mindestens acht Monate Herumreisen ohne Freunde und Familie sind eben gewöhnungsbedürftig. Trotzdem könnte Sascha Melnjak nicht glücklicher sein: „Ich lebe für den Zirkus und habe einen echten Fulltime-Job, da muss man alles andere abschreiben. Aber es ist eine wirklich tolle Sache, wenn man sich einen Kindheitswunsch erfüllen kann und einen eigenen Zirkus hat.“ Und weil es auch „viele schwarze Schafe“ in der Branche gibt, achtet Sascha Melnjak darauf, dass sein Zirkus stets tiptop aussieht, verzichtet auf Betteleien in der Fußgängerzone und pflegt das Image der Zirkusleute wo immer möglich – auch wenn er so gar nicht dem Bild eines Schnurbaart und Goldringe tragenden Direktors mit dickem Bauch entspricht. www.zirkus-charles-knie.de

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