„wir retten den schlossgarten“ – stuttgarts parkschützer

Vier Stufen Widerstand – Stuttgarter Parkschützer machen mobil
„Wir retten den Stuttgarter Schlossgarten!“

„Sie liegen glaub ich grade auf Gleis Vier“ – mit diesem Satz brachte Klaus Gebhard vergangenen Sommer hunderte von Schlossgarten-Besuchern in Rage. „Es war erschütternd, wie wenig Leute wissen, dass im Zuge von S21 fast der gesamte Mittlere Schlossgarten für zehn Jahre unbegehbar und schließlich Geschichte sein wird“, so der 53-Jährige Medientechniker und freie Schriftsteller. Trotzdem waren die Reaktionen fast einheitlich: Spontane, massive Betroffenheit, Ärger und der Wunsch, mehr zu wissen – ein Fall für die „Parkschützer“: „Mit unserem virtuellen Widerstands-Barometer können Leute zeigen, wie weit sie für den Erhalt des Parks gehen würden“, erklärt Parkschützer-Initiator Klaus Gebhard. Die Barometer-Skala reicht von Stufe 1 – strikte, öffentliche Ablehnung aller Baumaßnahmen, denen der Schlossgarten zum Opfer fallen würde – bis Stufe 4: Sich Baufahrzeugen in den Weg stellen oder an einen Baum ketten lassen. Fast 500 Parkliebhaber haben sich bislang dazu bereit erklärt, falls Fäll- und Bauarbeiten wie geplant im Herbst beginnen. „Darunter sind bekannte Namen und Stadträte und von einem Zehntel dieser Personen weiß ich, dass sie im Ernstfall nicht kneifen. Spätestens wenn LKWs mit Bauzäunen anrollen, heißt es Stufe Rot und sollten die Sägen trotz Baumfällverbot in der Sommersaison schon vorher anrücken, bekommen wir das auf jeden Fall mit, können per Mausklick alle Parkschützer und Presse alarmieren und sind innerhalb von Minuten vor Ort – ich bin gespannt, ob die Herren Grube, Schuster und Mappus dann in der Stuttgarter Innenstadt ein Wackersdorf-Szenario abziehen und die Leute mit Wasserwerfern vertreiben lassen,“ sagt Klaus Gebhard, der sich selbst an einen Baum ketten lassen würde. (Schlossgarten-Wunschmonster: nena dietz – glückssachen)
„Ich wohnte lange in einem Hinterhof im Stuttgarter Westen und radelte fast täglich in den Schlossgarten um den uns viele andere Städte übrigens beneiden – er war meine einzige grüne Oase und jetzt möchte ich mich ein bisschen bedanken“, erklärt Klaus Gebhard sein Engagement.
Bei einer Probe-Baumbesetzung im Sommer hielten die Besetzer drei Tage auf den Platanen aus, unterstützt von zahlreichen Bürgern, die ihre Solidarität verbal, mit selbst gebackenem Kuchen und Geldspenden ausdrückten. Gebhard’s größte Hoffnungen ruhen derzeit allerdings auf Stufe 2: Das „10000-stehen-zu-ihrem-Park-Zeichen“, eine Art Menschenkette um den Mittleren Schlossgarten. „Im Moment gilt der Widerstand außerhalb Baden-Württembergs noch als versprengter linker Haufen. Ich hoffe aber, dass die Demo bundesweit Aufsehen erregt und alle Betonköpfe ernsthaft zum Nachdenken bringt. Und ich wünsche mir, dass der Widerstand trotz Demoralisierungsversuchen der S21-Befürworter noch stärker wird.“ Erklärtes Ziel der Parkschützer: Die tatsächlichen Baumaßnahmen mindestens bis zum Wahlkampf hinaus zu schieben, zumal Bahnchef Rüdiger Grube bereits ankündigte, das Projekt S21 bei weiteren Verzögerungen aus Kostengründen einzustellen. Die geplante Urheberrechts-Klage des Bonatz-Enkels Peter Düppers passt den Parkschützern dabei gut ins Konzept. „Ich glaube nicht, dass es sich Herr Mappus mit seinen Wählern verscherzen möchte, zumal ich Leute kenne, die wegen der Vorgänge um S21 nach Jahrzehnten ihr CDU-Parteibuch zurück gegeben haben“, so Klaus Gebhard.

Unterstützung bekommen die Parkschützer aus der gesamten Region und auch Berliner Grüne signalisieren: Haltet durch! Bemerkenswert auch das Engagement des Icomos-Beratungsgremiums, das den Status „Weltkulturerbe“ verpasst: „Zum ersten Mal wurde das Gremium von sich aus aktiv und riet uns, den Status für den Stuttgarter Bahnhof zu beantragen. Einziges Problem dabei: Der Antrag muss von Stadt und Land gestellt werden“, weiß Klaus Gebhard.

Als Klaus Gebhard die Parkschützer-Initiative ins Leben rief, mutierte er bereits vom S21-Saulus zum Kopfbahnhof-Paulus: „Seit meiner Kindheit war ich großer Eisenbahnfan und als ich zum ersten Mal vom neuen Bahnhof gehört habe, war ich total begeistert und fand auch Bahnchef Grube sympathisch. Je mehr ich die Sache verfolgte, umso mehr nagten allerdings die Zweifel “ Als Klaus Gebhard hört, dass das Bündnis „Bürgerentscheid gegen Stuttgart 21“ Ernst macht, meldet er sich sofort um zu helfen: Sechs Wochen lang sammelt Gebhardt erfolgreich Stimmen, bleibt fasziniert beim Widerstand hängen und hält den Leuten seine selbst entworfene Postkarte „Monsterbagger frisst Schlosspark“ unter die Nase. „Vor allem junge Leute hatten keine Ahnung, dass der Park gefährdet ist. Übers Internet wollte ich dann noch mehr Leute erreichen. Uns liegt fern, jemand zu etwas aufzustacheln, das er nicht von sich aus machen würde, aber wir wollen informieren und die Angst mildern: Wenn ich weiß, ich bin wahrscheinlich der Einzige, den die Polizei abträgt, motiviert das nicht sonderlich – erst der Zusammenhalt erhöht unsere Chancen. Wir werden den kommenden Sommer jedenfalls intensiv nutzen, denn wenn die ersten Baumaßnahmen im Park beginnen, gibt es kein Zurück – dann droht unter Umständen Wackersdorf in Stuttgart City.“ www.parkschuetzer.de

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