drunter und drüber – miedermuseum heubach

Kerstin Hopfensitz konzipierte das Miedermuseum Heubach

Die Geschichte vom Drunter

„Die Geschichte der Unterwäsche ist vor allem auch eine Kultur- und Frauen-Geschichte“, ist Kerstin Hopfensitz überzeugt. Monate lang recherchierte die freiberufliche Kulturwissenschaftlerin für’s Städtische Miedermuseum in Heubach, das 2005 in einem denkmalgeschützten Schlössle neu eröffnete. Unterstützt von Grafiker, konzipierte Kerstin Hopfensitz eine kleine, feine, rundum erneuerte Ausstellung mit runden Glasvitrinen und vielen Schubladen, für einen verstohlenen Blick ins fremde Wäschefach. Fündig wurde sie hauptsächlich bei zwei in Heubach ansässigen Unterwäsche-Herstellern, die ihre Unternehmens-Archive öffneten und die ausgesuchten Stücke dem Museum als Dauerleihgabe überließen. „Dort fand ich auch mein Lieblings-Stück, Eine Brustattrappe mit Fischbeinstäben. Das jüngste Teil der Ausstellung habe ich zwei Tage vor Eröffnung bei einer Modekette gekauft. Es ist ein BH mit Tigermuster.“

Mit den rund 150 Exponaten lassen sich 200 Jahre Mieder-Geschichte lückenlos dokumentieren. „Eine Frau ohne Korsett galt lange Zeit als nicht angezogen. Es war einfach nicht angesagt, das Schlafgemach ohne zu verlassen und Damen der Gesellschaft begannen schon als Kind mit dem Schnüren“, weiß Kerstin Hopfensitz. Eine Tortur mit gesundheitlichen Folgen: „Die ersten Korsette hatten Metallstäbe und waren für eine vorgeschriebene Taillen-Größe von 40 bis 55 Zentimetern konzipiert. Das erklärt, warum Damen steif am Tisch saßen und ständig ohnmächtig wurden. Der Körper verformte sich, die Organe mussten nach oben oder unten ausweichen, es blieb schlicht zu wenig Luft zum Atmen. Auch Fehlgeburten waren oft die Folge.“ Mit dem ersten Weltkrieg erlebte die Korsett-Mania eine Zäsur: Es gab generell zu wenig Stoffe, Kleider waren rationiert und Frauen machten Männerjobs, bei denen die engen Gestelle ziemlich störten. „Trotzdem wurde weiter geschnürt, nicht zuletzt deshalb, weil viele dachten, das `schwache Geschlecht` brauche eine Stütze. Andersrum wird ein Schuh draus: Wer ein leben Lang Korsett trägt, dessen Muskeln verlieren die Fähigkeit den Körper zu halten“, so Kerstin Hopfensitz.

In den 20ern war es dann schick, die Brust mit Bändern flach zu drücken und in den 50ern trug frau erneut Hüfthalter und Korseletts – die brave Hausfrau war wieder gefragt. „Auch String-Tangas und Push-Ups sind im Grunde eine Rückentwicklung zum Objekt“, meint Kerstin Hopfensitz. „Zwar gibt es keine lineare Entwicklung, erlaubt ist heute was gefällt und BH’s gehören bei jungen Frauen zur Oberbekleidung, trotzdem ist der Wunsch, den Körper zu modellieren immer noch stark präsent und so gibt es immer noch genug Wäschestücke -zum Beispiel Polster für Po und Busen, die wie vor 100 Jahren den Körper in die gewünschte Form bringen. Auch von Herstellerseite ist Unterwäsche noch überwiegend durch eine männliche Sichtweise geprägt. Auf jeden Fall war es sehr interessant, sich mit Unterwäsche zu beschäftigen und ich schaue jetzt regelmäßig in Läden, wo der Trend so hingeht.“ www.heubach.de (Museen & Sammlungen)

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