ziemlich ausgeflip(per)t

Der Herr der Flipper – Pinball-Fan Olaf Kolling auf der Suche nach seltenen Flipper-Automaten

Flitzende Kugeln

Where have all the Flippers gone? Bis vor Kurzem kam keine richtig gute Stammkneipe ohne das hüfthohe, ein Meter zwanzig lange Gerät aus, das blinkend, leuchtend und minimal-musikalisch zu einem oder mehreren Spielchen aufforderte. Den Knopf ziehen, loslassen und – zack, flitzen die Kugeln übers Spielfeld, knallen laut tönend an die Bande, rollen nach unten, lassen sich per Knopfdruck wieder ganz nach oben schnellen und prellen biepend zwischen runden Hindernissen hin und her, während der Punktezähler laut ratternd das Ergebnis addiert. Und hat man erst mal angefangen, ist jede Kugel die trotz Rütteln und Fluchen unwiederbringlich im Schacht verschwindet eine herbe Enttäuschung, die nach Revanche schreit! „Video-Spiele haben den öffentlichen Flipper eigentlich weit gehend verdrängt und seit Baden-Württemberg auch noch eine Geräte bezogene Vergnügungssteuer eingeführt hat, sind die meisten Flipper aus Kneipen und Gaststätten verschwunden“, sagt Olaf Kolling. Der 39-Jährige Feuerbacher weiß auch wohin: 40 Flipper stehen in seinen Gemächern und auch fast alle anderen Geräte die einst in verrauchten Kaschemmen standen, haben mittlerweile private Besitzer gefunden. Als Olaf in den 90ern noch an der Kasse einer Disko jobbte und ein Flipper plötzlich einfach nicht mehr mitspielte, konnte er das Gerät dank früh erworbener Kenntnisse mit dem Kosmos Elektronik-Baukasten wieder in Gang setzen – eine tiefe Liebe war geboren. „Mich fasziniert besonders das Zusammenspiel von Elektronik und Mechanik“, gesteht Olaf Kolling. Übers Anzeigenblatt „Sperrmüll“ kam für 50 Mark der erste eigene Flipper ins Haus. Der reichte erstmal vollkommen aus, schließlich war der künftige Sammler noch Schüler, später Student und sein Budget entsprechend knapp. „Ein richtiges Schnäppchen“ erinnert sich Olaf Kolling lachend, der von seinen ersten Gehältern auch sehr viel mehr für einen neues Sammlerstück ausgegeben hat oder mal kurz nach Paris gefahren ist, um einen frisch erworbenen Flipper heim zu holen. Derzeit kostet ein gut erhaltener „unbeliebter“ Flipper um die 300 Euro, für schwer begehrte Geräte blättern Liebhaber bis zu 3000 Euro hin. „Das sind Preise, bei denen ich allerdings nicht mehr mithalten kann“, so Olaf Kolling. Seine Flipper-Sättigungs-Kurve verläuft im Moment eher flach: „Platzmangel“ lautet die Diagnose. Vier Flipper stehen ständig spielbereit in seiner Zwei-Zimmer-Wohnung, um die restliche Sammlung unterzubringen, musste er einen weiteren Raum anmieten. Die meisten Flipper vermietet Olaf Kolling auch regelmäßig an Firmen, für Messestände oder für Betriebsfeiern. „Mich interessieren nur noch rare Prototypen oder Flipper mit ganz speziellen Gimmicks“, sagt Olaf Kolling. Einige stehen bereits in seiner Sammlung: Ein seltener spanischer Flipper zum Beispiel, einer, an dem zwei Leute gleichzeitig spielen können oder ein Flipper mit Video-Monitor. Den findet Olaf Kolling aber nicht so toll – er braucht beim Spielen „richtiges Flipperfeeling“. Etwa zwei Mal im Jahr trifft er sich mit anderen Pinball-Fans auf großen Szene-Events, tauscht sich aus, spielt Turniere oder einfach nur zum Spaß. Blind rumballern könne jeder sagt Olaf Kolling – sehr gute Spieler treffen ihre Ziele auch auf Spielfeldern mit vielen Hindernissen ziemlich genau und in der richtigen Kombi. Die Kugel im Spiel zu halten sei vor allem Übungssache. Olaf Kolling will allerdings nicht verbissen gewinnen und bezeichnet sich selbst als Mittelklasse-Spieler. Spaß zählt für ihn auch Sammeln: „Das ist nicht wie bei Briefmarken wo ich beispielsweise alle Marken von 1960 haben muss.“
Bei den Events bekommen die Flipper-Liebhaber auch Ersatzteile: „Vor einigen Jahren gab es in Ludwigsburg noch eine vollständige Niederlassung vom Flipper-Hersteller Bally Wulff – da konnte man einfach hingehen und Teile kaufen“, seufzt Olaf Kolling. Heute spielt vor allem ebay den Ersatzteil-Lieferanten. ‚“Ohne Internet würde die Flipper-Szene sicher ganz anders aussehen“, ist Olaf Kolling überzeugt.

Bis auf die großen Turniere, bei denen sich vor allem Männer treffen, wird hauptsächlich zuhause geflippert. „Klar nutze ich zuerst den eigenen Flipper – um so mehr, wenn ich meinen Euro in der Spielhalle schon mal in einen abgewrackten Flipper gesteckt habe.“ www.ipdb.org

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