„crahskurs“ in sachen finanzkrise: birgit hummlers neuer bawü-krimi

Von wegen, der Finanzmarkt ist kompliziert…also gut, ein bisschen vielleicht. Allen, die in Sachen Finanzkrise Nachhilfe brauchen, kann ein „Crashkurs“ bei Birgit Hummler weiter helfen: im neuen, gleichnamigen Baden-Württemberg-Krimi der schwäbischen Autorin ermittelt KH Hanna Stankowski dieses Mal ohne Chef Andreas Bialas und sieht sich nicht nur einer Mordserie sondern auch renitenten Kollegen gegenüber, was reichlich an ihren Nerven zerrt.

Dass Ihr Lieblings-Ermittlungspartner Luca akuten Liebes-Stress hat, macht die Sache natürlich nicht besser.

crashkurs Fest steht erstmal: Die Opfer sind allesamt in der Finanzbranche tätig und auch wenn sich das anfänglich vermutete Tatmotiv Rache von Seite zu Seite erhärtet, rollt die Autorin einen Fall auf, der über 500 Druckseiten lang spannend bleibt.

Die Ermittlungen zwischen Pragsattel, Sillenbuch und Bad Cannstatt mögen einem echten LKA-Profiler vielleicht nur ein müdes Lächeln abringen, doch eins vermittelt Birgit Hummlers Crashkurs absolut überzeugend: wie mühsam Polizeiarbeit sein kann.

Auch die Ursachen der aktuellen Finanzkrise sind top recherchiert und so aufbereitet, dass Leser sie mühelos ohne BWL-Studium verstehen. Klar, dass die Dramaturgie des Krimis vom realistischen Bezug zur aktuellen Medien-Agenda profitiert. Und so agieren die fiktiven Kriminaler vor lokal-globalem Hintergrund, der nur selten an packendem Realitätsbezug einbüßt.

Dass die Protagonistin in den Off-Parts oft etwas zu stereoty erscheint und die Polizeitruppe nicht ganz ohne Furcht, aber meistens ohne Tadel dasteht – geschenkt. Die zahlreichen Überraschungen des Plots trösten gut darüber weg. Außerdem tut es zwischendurch gut, wenn sich ein Krimi ans klassische Gut-und-Böse-Muster hält und ohne manisch-depressive, profilneurotische oder alkoholabhängige Kommissare auskommt.

Alles in allem liest sich „Crashkurs“ zwar nicht ganz so rund wie das „Stahlbeton“-Debut – hier gabs zu Recht den „Preis für den besten deutschsprachigen Wirtschaftskriminalroman 2010“ – trotzdem überzeugt die Autorin auch mit dem Nachfolger, dass sie in diesem Genre absolut richtig ist. Sauber gelöst, Frau Hummler!

Silberburg-Verlag, 560 Seiten, kartoniert, 14 Euro 90

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