pflanzengöttinnen und ihre heilkräuter

Seit zwei Tagen leuchten vor meinem Fenster goldgelbe Winterling-Blüten – die hübschen, bodennahen Frühblüher wären mir in der Gärtnerei vermutlich gar nicht aufgefallen. Warum ich sie doch mit nach Hause genommen habe? Weil mich Ursula Stumpfs neues Buch „Pflanzengöttinnen und ihre Heilkräuter. Naturkraft schöpfen, Heilwissen nutzen“ dazu inspiriert hat! „Eine uralte Sorte, die früher auf jeder Wiese blühte“, sagte die Verkäuferin noch lächelnd, als sie das kleine Töpfchen in Zeitungspapier wickelte. Ich nickte wissend! Und da blüht er nun und erfreut an grau-kalten Tagen wie heute wirklich jeden, der ihm zu nahe kommt.

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Angeregt durch die indische Göttervielfalt, machte sich Ursula Stumpf – Heilpraktikerin und Inhaberin einer Kräuterschule in Karlsruhe – auf die Suche nach Vorbildern und weiblichen Archetypen aus anderen Teilen der Welt. Sie entdeckte dabei, dass in die ersten Gottheiten der ältesten Kulture weiblich waren: „Alles begann mit einer Urgöttin. Sie war zuständig für Fruchtbarkeit, Nahrung, Gesundheit und Schutz. Sie war Göttin der Sonne, des Mondes, der Sterne, der Erde, des Windes, des Regens und der Jahreszeiten – sie lebte in unendlich vielfältigen Geschichten, hatte viele verschiedene Gesichter. Natürlich zeigte sie sich auch in Pflanzen“, weiß die Autorin.

Wer sich auf die Pflanzengöttinnen und ihre Heilkräuter einlässt, schöpft nicht nur aus altem Wissen und neuen Erkenntnissen, sondern vor allem aus dem faszinierenden Reichtum der Natur. Auf 160 Seiten stellt die Autorin zwölf Pflanzengöttinnen und ihre „Lieblinge“ vor: im Januar „regiert“ beispielsweise Skadi, eine der wenigen Göttinnen, die „Eis und Schnee und auch den Wintersport lieben“. Sie lädt die LeserInnen dazu ein, tapfer, wach und lebendig wie Winterling, Schneeglöckchen und Zaubernuss den Neuanfang zu wagen, durch die Winterlandschaft zu pirschen und in Einsamkeit, Weite, Kälte und Stille Klarheit zu finden und neue Ideen zu sammeln.

Jetzt im Februar, übernimmt Brigid, die keltische Himmelskönigin die Obhut über Flora und Fauna – ihr Feuer bringt das Eis zum Schmelzen und sie begleitet uns „auf dem Weg in den Frühling“: junges Grün und erste Blüten lassen das Feuer der Begeisterung wachsen, bringen neue Perspektiven und frischen Schwung. Wer eine Frühjahskur plant, kann mit Birkentee den Körper durchspülen und mit Rohkost aus Vogelmiere entschlacken. Die Rezepte gibts direkt beim jeweiligen Pflanzenportrait dazu, wie übrigens auch bei allen 46 „Zöglingen“ der Monats-Göttinnen, die allesamt in Mitteleuropa wachsen.

Mit Huflattich lässt sich diesen Monat dem Husten was husten, bevor im März das Zepter an Ostara geht: die alte Erdgöttin kommt mit stärker werdenden Sonnenstrahlen aus Osten zu uns. Sie wärmt Boden, Luft und Wasser und steht außerdem Patin fürs Osterfest. Ihre Lieblings-Blume – die zartgelbe Schlüsselblume – steckt sie sich in Krone oder Gürtel, denn ihr Duft riecht nach „der Kraft des Neuen“, nach Optimismus, Leichtigkeit und Mut. Auch die zähe Brennnessel und den quicklebendigen Girsch ordnet Ursula Stumpf der Göttin Ostara zu.

So gehts wunderschön illustriert und bebildert durchs Jahr. Lyrische Verse und Aphorismen läuten jeweils den neuen Monat ein, bevor die Göttinnen und Pflanzen ihre Botschaften verkünden und dazu anregen, neugierig zu sein und auszuprobieren. Ob kühler November oder heißer August: jeder Monat hat seine eigene Stimmung, ist besonders und der Wandel der Natur hilft dabei, den eigenen Rhythmus zu finden.

Vor diesem Hintergrund entfaltet sich draußen eine Welt voll kleiner Wunder, Bewegung, Entspannung und Kreativität und plötzlich wird ein Spaziergang wie ein Treffen mit alten Freunden: Schafgarbe, Waldmeister und Vergissmeinnicht grüßen und laden zum völlig kostenlosen Wellness-Angebot in frischer Luft.

Ein außergewöhnlich schönes Buch und weibliches Buch, das ich am liebsten gar nicht mehr weg legen möchte!

Ursula Stumpf „Pflanzengöttinnen und ihre Heilkräuter. Naturkraft schöpfen, Heilwissen nutzen“, 160 Seiten, laminierter Pappband, 24 Euro 90, Kosmos Verlag

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