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Picasso sagte mal: „Ich habe ein Leben lang gebraucht, um malen zu können wie ein Kind.“ Die Teilnehmer in Sabine Merk’s Workshop „merk-mal-was! Malwoche für Menschen mit Handicap“ können es von Anfang an: die Kunsterzieherin und freie Künstlerin arbeitet regelmäßig mit Behinderten. So wie heute in den Werkstätten Esslingen Kirchheim.

An der Wand hängen Bilder von den Wochenzielen: Niki de Saint-Phalle’s Nanas sind beispielsweise zu sehen. Auf dem Boden gegenüber liegen bereits selbst gefertigte bunt-prallen Figuren zum Trocknen.

Heute steht Hundertwasser auf dem Programm. Sandro zerreißt Alufolie in kleine Stücke. Die glitzernde Folie soll im fertigen Bild den typischen Hundertwasser-Effekt bringen. Beim Kleben braucht Sandro Hilfe. Als spastisch Gelähmter fällt es ihm schwer, die kleinen Stücke punktgenau aufs Papier zu bringen. Sabine Merk fragt ihn, wo er die Aluplättchen hin haben möchte. Auch das gehört zum Konzept: Hilfe wird da geboten, wo die Behinderten alleine nicht weiter kommen.

Gegenüber sitzt Derya. Sie mal ein Bild nach dem anderen und hält stolz ihre kleinen Kunstwerke in die Kamera. Auch Monika sitzt mit am Tisch. Ihre Ente, die gerade entsteht, könnte gut als Keith Haring-Figur durchgehen.

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Seit fünf Tagen arbeitet die kleine Gruppe konzentriert an den Wochenzielen. Sandro, Derya, Monika und die anderen lernten Farbflächen einzusetzen, mit Schwamm und Spachtel umzugehen. Heute, am letzten Tag, hat Sabine Merk außerdem eine CD von den Gipsy Kings mitgebracht. Die Musik inspiriert die Teilenhmer. Intuitiv und schwungvoll gleiten die Pinsel übers Papier. Begeistert frei gesetzte Kreativität flirrt durch die Luft.

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Nach einer Malwoche kann Sabine Merk deutliche Veränderungen beobachten: „Am Anfang ist es den Teilnehmern am liebsten, sie können etwas ausmalen. Doch schon am dritten Tag trauen sich alle zu, einfach aus dem Bauch heraus frei aufs Papier zu malen“, freut sich die Denkendorferin und ergänzt: „Wird aus einer Ente je ein guter Kletterer werden? Sicher nicht. Ihre Stärke ist das Schwimmen. Und anstatt ihre Schwächen auszugleichen und sie zu einem guten Kletterer machen zu wollen, ist es für die Ente doch sinnvoller, sich auf ihre Stärken zu konzentrieren und zu wissen: ich bin ein exzellenter Schwimmer.

Genau so machen wir es im Workshop merk-mal-was!: Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung werden in unserer Gesellschaft überwiegend mit ihren Schwächen dargestellt und wahrgenommen. Dem möchte ich mit meinem Konzept merk-mal-was! etwas entgegensetzen“, erklärt Sabine Merk die Intention der Malwoche.

„Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung haben eine unglaubliche Stärke im kreativen Bereich. Ihre Zeichnungen und Malereien erinnern oft an Kinderzeichnungen und entlocken dem Betrachter schnell ein Lächeln. Ihnen diese Stärke bewusst zu machen und zahlreiche Erlebnis- und Ausprobiermöglichkeiten zu bieten ist das Hauptziel von merk-mal-was. Mir geht es um eine optimale Mischung aus freiem und angeleitetem Arbeiten.“

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Die WEK bietet die Malwoche ihren behinderten Mitarbeitern unterm Motto „einMALich“ als ergänzendes Kunstprojekt. „Wir haben bereits kreative Musik- und Tanz-Angebote im Programm“, so Mirko Theil, Bereichsleiter Arbeitsbereich. „An der Malwoche gefällt uns zum einen, dass Sabine Merk die Teilnehmer auf Augenhöhe behandelt. Das schafft eine entspannte, vertrauensvolle Atmosphäre, in der Kunst nicht einfach als Hobby statt findet. Vielmehr erweitert das Projekt den Blickwinkel auf ein weiteres Arbeitsfeld, hilft, Regeln einzuhalten, Disziplin zu entwickeln, Talente zu entdecken und Stärken heraus zu arbeiten. Zum anderen können sich die Teilnehmer natürlich auch mit sich, ihrer Umwelt sowie alltagsbegleitenden Themen und Problemen auseinandersetzen und diese kreativ verarbeiten.“

Nicht zuletzt macht der Workshop Mut, nach außen zu gehen: sind alle Arbeiten getrocknet, werden sie im Kaffeehaus „Sonne“ der WEK in der Esslinger Fußgängerzone oder auch im Café Morlock in Plochingen ausgestellt. Passend gerahmt und gehängt, entfalten die Bilder eine einzigartige Wirkung und schon bei den Vernissagen sind schnell die ersten Exponate verkauft.

Außerdem prangen einige ausgewählte Bilder auf hübschen kleinen, runden oder quadratischen Magneten, die nicht nur eine schöne Erinnerung an jede Malwoche, sondern auch für fünf Euro zu kaufen sind. Auch Bilder-Repros auf T-Shirts, Karten oder Kalendern sind denkbar.

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So entsteht für alle Beteiligten eine echte Win-Win-Situation: die Teilnehmer profitieren von der ganzheitlichen, kreativen Selbsterfahrung, der Träger der Einrichtung erfährt durch die abschließende Ausstellung und die entstandenen Produktserien nicht nur einen Imagegewinn sondern auch spürbaren Gewinn und Sabine Merk ist glücklich: „Ich arbeite seit drei Jahren regelmäßig mit Behinderten zusammen. Es ist anstrengend, weil ich mich ganz individuell auf jeden Teilnehmer einstellen muss, aber ich bin jedes Mal überrascht, berührt und einfach begeistert. Mittlerweile gehört diesen Projekten meine ganze Leidenschaft.“

Weiter Infos auf www.sabine-merk.com oder auf www.w-e-k-de

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