blühendes kulturerbe

Ob Altes Land an der Elbe, Teutoburger Wald, Remstal oder Südtirol: kaum eine andere Landschaftsform steht so für pure ländliche Idylle wie Obstbaumwiesen. Dieser Tage scheinen Kirsch-, Birnen- und Apfelbäume über Nacht explodiert zu sein. Ihre weißen und rosafarbenen Blüten setzen herzerfrischende, leuchtende Punkte auf saftig grüne Wiesen oder tauchen bis gestern noch öde Winterlandschaften in ein duftendes Blütenmeer. Es ist ganz und gar unübersehbar: der Frühling ist da!

obstwiesen In seinem neuen Buch „Obstaumwiesen. Ein Naturparadies neu entdecken“ portratiert Claus-Peter Hutter den unbeschreiblich vielseitigen Lebensraum und liefert eine 144 Seiten starke Liebeserklärung an ein Kulturerbe, das es unbedingt zu erhalten gilt.

Bereits im Frühjahr profitieren Spaziergänger und Naturliebhaber von Obstbaumwiesen, denn im schnell zum Himmel sprießenden Gras lassen sich Butterblumen, Margeriten und Wiesenbocksbart für einen unvergleichlich charmanten Muttertags-Blumenstrauß pflücken. Im Sommer spenden die kleinen aber widerstandsfähigen Obstbäume Schatten und bieten paradiesische Plätzchen für ein Picknick oder einfach für ein paar Stunden pure Erholung in freier Natur.

Den zweiten großen Auftritt haben Apfelbaum & Co. dann im Herbst, wenn sich die Äste voller Früchte biegen. Aus reifen Birnen, Zwetschgen, Mirabellen oder Pfirsichen lassen sich köstliche Marmeladen, Chutneys, Brände oder Likörchen herstellen, die den fruchtig-romatischen und vitaminprallen Erntereichtum für den Winter konservieren. Was genau der „Bioladen Obstbaumwiese“ in welchem Monat liefert, beschreibt Claus-Peter Hutter genau so ausführlich, wie das Werkzeug, das Obstbaum-Besitzer oder Stückles-Pächter für die Bewirtschaftung ihrer Naturoase brauchen.

Doch nicht nur der Mensch atmet beim Anblick blühender Obstwiesen auf, auch unzählige Insekten sowie Vögel, Bienen, Igel, Eidechsen, Siebenschläfer oder Haselmaus tanken hier Sonne, finden ein reichhaltiges Nahrungsangebot und einen wichtigen Lebensraum. Oft fungieren Schafe, Esel oder Ziegen als natürliche „Rasenmäher“. Im Herbst und Frühling werden Obstbaumwiesen sogar zu ökologischen Drehscheiben: Zugvögel nutzen die kleinen Paradiese als Landeplatz für Zwischenstopps auf ihrem Weg über die Alpen.

Was so unvergleichlich romantisch klingt, ist für die Bewirtschafter der Wiese natürlich auch eine Menge Arbeit: Obstbaumwiesen brauchen Pflege, denn nur der Einsatz von Händen, Maschinen und Werkzeug verhindert, dass Obstbaumwiesen zum wilden Wald mutieren. Deshalb listet Claus-Peter Hutter beim „Obstbaumjogging rund ums Jahr“ alle nötigen Arbeiten auf, die zur Erhaltung der typischen Obstbaumwiese nötig sind: Im Januar stehen beispielsweise Baumschnitt und Nistkastenkontrolle an, im Februar werden Maulwurfshügel geplättet und im April ist die letzte Gelegenheit, um Jungbäume zu pflanzen.

Im Juni wollen süße und saure Kirschen geerntet werden, ansonsten ist es ein Monat der Entspannung – der Herbst wird mit Ernte und Most machen noch arbeitsreich genug. Trotzdem: mit frischer Luft, ständig neuen Naturbeobachtungen und viel Bewegung ist das Obstbaumwiesentraining die beste Methode, um fit und gesund zu bleiben.

Nicht zuletzt speichern Bäume und Sträucher eine Menge CO², produzieren frische Luft und sind bedeutende Klimaregulatoren. Nebenbei verhindert das Wurzelwerk die Erosion und schützt das Grundwasser von Schadstoffeintrag.

Ach ja: als Spielplatz sind Obstbaumwiesen ebenfalls kaum zu toppen. Hier darf geklettert und nach Herzenslust getobt werden und ganz spielerisch lernen Kinder ganz ohne erhobenen Zeigefinger entdecken Kinder einen wichtigen Teil ihrer heimischen Flora und Fauna. Braucht es noch mehr Gründe, um die Claus-Peter Hutters glühende Leidenschaft verstehen zu können?

Wer keine Obstbaumwiese von seinen Eltern oder Großeltern geerbt hat, muss trotzdem nicht auf die neu entdeckte Landlust verzichten: so genannte Obstbaum-Börsen bieten Patenschaften für verwaiste Stückle an und manches Seniorenpaar ist froh, über ein bisschen Hilfe beim Baumschnitt und bei der Ernte. „Nie war es leichter, einen Obstgarten zu bewirtschaften, als heute“, meint der Autor gar und stellt am Ende seines Buches neben innovativen Initiativen auch nützliche Ansprechpartner rund um den Obstbau vor.

Claus-Peter Hutter „Obstwiesen. Ein Naturparadies neu entdecken“, 144 Seiten, Integralband, 16 Euro 99, Kosmos Verlag

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