grock spielt die erste geige

Grock liebt Trollinger und philosophiert gern, während er mit seinem Nachbarn auf dem Bänkchen sitzt. Manchmal muss er allerdings ermitteln. Grock ist schließlich Kommissar. Auch als der augenscheinlich unbedarfte Geiger Peter Loose für immer schweigt, sind Spürsinn, Ausdauer und Kombinationsgabe gefragt.

kost Wie in seinen Dillinger-Krimis, lässt Autor Rudi Kost auch in „Grock spielt die erste Geige“ ein selbst ernanntes Alphatier auf Leser und Kripo-Kollegen los, das man sich – vor allem als Frau – lieber auf Distanz hält. Kein Wunder hat ihn seine Gattin verlassen und auch Team-Neuling Theresa Wimmer würde am liebsten gleich wieder gehen.

Grocks cholerisches Bossing-Gehabe, bei dem schon mal Gegenstände durchs Zimmer fliegen, würde vermutlich auf keinem Real-Life-Revier lange geduldet, in Rudi Kosts neuem Krimi kann er allerdings bis zur Grenze des Erträglichen durch den Fall toben. Als Chef und Ehemann eine Katastrophe, ist Grock als Ermittler weitaus erfolgreicher. Vermutlich liegt es an seiner langen Erfahrung, dass er an den richtigen Stellen misstrauisch wird und vergleichsweise ruhig, aber beharrlich nachfragt.

So legt er nicht nur bei Carla Overmann, der Schwiegertochter des Ermordeten Geigers, Schicht für Schicht neue Verdachtsmomente frei. Musikalienhändler Rüdiger Muggler scheint ebenfalls kein Wässerchen trüben zu können, entpuppt sich im Laufe der Ermittlungen aber als raffinierter Betrüger, dem wohl auch der Tote auf den Leim gegangen ist.

Genau so undurchsichtig: des Geigers Musikerkollegen vom gemeinsamen Streichquartett sowie die Kapfenbergers, in deren neureichem Zuhause das Quartett des öfteren musizierte. Genug Verdächtige also, denen Grock und seine Mannschaft zwischen Schlossgarten und Weißenburgpark auf den Zahn fühlen.

Natürlich muss Grock Bericht erstatten. Während Rapporte bei Staatsanwalt Rainer Ströbel so angenehm sind wie eine Wurzelbehandlung, gehören Besprechungen im Dienstzimmer „des Rates“ – einen anderen Namen hat Grocks direkter Vorgesetzer passenderweise nicht – zu den humoristischen Highlights des neuen Baden-Württemberg-Krimis. Allein wie es zum gemeinsamen Ritual des „Teppich-Gleitens“ kommt, ist zum Schreien komisch. Schön, dass dieses Ritual während der Ermittlungen öfter zelebriert wird. So bekommt Grock ein weiteres Quentchen Leser-Sympathie, das er gut gebrauchen kann.

Wer den Geiger zum Schweigen gebracht hat und ob Grocks Ehe noch eine Chance hat, wird natürlich nicht verraten. Nur so viel sei an dieser Stelle offenbart: Theresa Wimmer geht gegen Ende des Falles wirklich gern zur Arbeit.

Rudi Kost „Grock spielt die erste Geige“, 224 Seiten, kartoniert, 9 Euro 90, Silberburg-Verlag

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