provokante weibsbilder

Gestern war Weltfrauentag und damit gute Gelegenheit für eine Bestandsaufnahme: ja, Frauen verdienen im gleichen Beruf nicht selten die Hälfte von dem was männliche Kollegen auf dem Gehaltszettel haben und ja, in den Vorstandsetagen großer Dax-Konzerne sind Frauen eher ein seltener Anblick – trotzdem hat sich in Sachen Emanzipation in den vergangenen Jahrhunderten doch vergleichsweise viel getan.

weibsbilder Als Anna Barbara Künkelin zum Beispiel im Jahr 1688 weiblichen Widerstand gegen die Kapitulation Schorndorfs organisierte, kam diese – erfolgreiche – Aktion bewaffneter Frauen einem Skandal gleich. Frauen hatten keine Hosen und schon gar keine Waffen zu tragen. Auch Anna Maria Christmann verstieß gegen manche damalige Regel, in dem sie als Frau im Feldzug Carl Eugens gegen die Türken kämpfte. Und eine Frau wie Chaile Kaulla, die im 18. Jahrhundert eine einflussreiche Bank gründete und leitete, ist sogar heute noch die Ausnahme.

In ihrem Buch „Provokante Weibsbilder“ erzählt Dorothea Keuler dreizehn spannende und faszinierende Geschichten von „Frauen aus fünf Jahrhunderten, die die Grenzen ihrer Zeit überschritten haben“. Egal ob Bäuerin, Bürgerin oder Adelsdame: sie unterlagen alle einem strengen Diktat, das Frauen erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts als organisierte Bewegung zu kippen begannen.

Einen Vorgeschmack auf befreite weibliche Selbstbestimmung gab Bertha Benz: als sie nach jahrelanger Forschung den selbst erfundenen Wagen ihres Mannes Carl von Mannheim nach Pforzheim fuhr, gabs zwar Pannen und Gelächter, doch gleichzeitig ist es der Höhepunkt eines Lebens, das die Eheleute fast gleichberechtigt nach eigenen Vorstellungen führten. Von da ab geht es finanziell bergauf mit dem Unternehmen Benz und der erste funktionierende Motorwagen der Welt erhält bei einer Ausstellung in München den höchsten Preis der Veranstaltung, die Große Goldene Medaille.

Alle vorgestellen Weibsbilder wurden angefeindet und bedroht – Katharina Kepler beispielsweise wurde jahre lang als Hexe verfolgt – und insgeheim für ihre Courage bewundert. Auf offen gezeigte Solidarität durften die meisten freilich nicht hoffen, kaum jemand hatte den Mut oder war aufgeklärt genug, um geltenden Tabus, Klerus und feudalherrschaftlicher Obrigkeit ebenfalls die Stirn zu bieten. In dichten und fesselnden Portraits beleuchtet die Autorin das Leben der dreizehn Damen, die als Skandalnudeln in die Landesgeschichte eingingen und eigentlich nichts anderes waren, als couragierte Freigeister und ihrer Zeit weit voraus.

Auch ich hab die wehrhaften Damen übrigens erst entdeckt, als ich Dorothea Keulers Buch „Aus der Reihe getanzt. Skandalöse Paare aus Baden und Württemberg“ gelesen habe und restlos begeistert war, mit welch feinfühligen und gleichzeitig faktenreichen Geschichten die Autorin Landesgeschichte lebendig werden lässt. Ein ganz besonderer Lesespaß!

Dorothea Keuler „Provokante Weibsbilder. Historische Skandale aus Baden und Württemberg“, 208 Seiten mit 74 meist farbigen Abbildungen, Hardcover, 19 Euro 90, Silberburg Verlag

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