„freude am experiment“: wilhelm wilfried welch im portrait

Er heuerte als Hafenarbeiter an, fuhr als Tellerwäscher auf der MS Berlin nach New York, studierte Grafik, Bildhauerei, Malerei, Druck und Werbung in Kassel und Stuttgart, Kunstgeschichte und Archäologie in Tübingen sowie Kunsterziehung und Pädagogik in Esslingen, hat ein Faible für Modellbau und ging irgendwann in Sillenbuch „vor Anker“: im Alten Rathaus in der Tuttlinger Straße richtete sich der Künstler Wilhelm Wilfried Welch ein Atelier ein und stellt die Räume des Hauses auch als Galerie zur Verfügung.

welch

Eine Maske schützt Wilhelm Wilfried Welch vor giftigen Dämpfen.

Foto: Welch

So vielseitig wie sein Werdegang und seine Interessen, präsentieren sich auch die Arbeiten von Wilhelm Wilfried Welch: da entstehen Grafiken, die durch großartige Farbigkeit und rasante Handführung bestechen, die den Eindruck von Bewegung und Rotation erwecken, scharfe Ränder und verschwimmende Konturen aufweisen, so schrieben die Markgröninger Nachrichten über eine Ausstellung des Sillenbucher Künstlers.

Daneben malt Welch zarte Naturbilder, kreiert zum Teil lebensgroße Figuren und Plastiken, die fast furchteinflößend da stehen und designt last but not least Objekte und Materialstudien, die mal organisch mal technisch-futuristisch anmuten. „Mit der Zeit habe ich mir drei voneinander getrennte Arbeitsateliers mit den entsprechenden Materialien einrichten können“, sagt Welch, der auf seine ganz eigene Art an die Werke heran geht: „Wenn ich eine Arbeit beginne, denke ich nicht an Kunst. Ich entwickle meine Arbeiten aus meinen Interessengebieten heraus. Vor allem in der Grafik bin ich zwar in der Vorstellung fertig und doch immer auf der Suche nach Neuem. So entstehen meine Arbeiten im Wechselspiel von kontrolliert gesteuerter Gestaltung und von der Freude am Experiment.“

Die Grenzen zwischen Grafik und Malerei sind bei Wilhelm Wifried Welch oft fließend: „Ich beabsichtige bereits beim Herstellungsprozess das Prinzip der ‚Einansichtigkeit‘ aufzuheben. Heiß konkret: Meine Bilder haben kein Oben oder Unten, schon bei der Herstellung drehe ich immer wieder das Bildformat. Ich möchte, dass die Bilder beliebig herum gehängt werden können. Inhaltlich strebe ich Vieldeutigkeit an, verzichte deshalb auch auf inhaltlich tendierende Titel. Dafür haben alle Arbeiten eine Artikelnummer.“

Seine Objekte und Plastiken entstehen zuerst am Reißbrett und werden dann durch Abformtechniken und entsprechende Materialien körperlich. „Grundsätzlich mache ich alle Arbeitsschritte selbst. Ich habe das Werkzeug und die Maschinen dafür“, sagt Welch, der zwischen acht und fünfzehn Stunden am Tag in seinen Ateliers arbeitet. Inspiration zieht er aus seinen zahlreichen Interessengebieten, zum Beispiel aus der Biologie und Bionik, der Philosophie und Anthropologie oder auch aus der Natur, der Zukunftsforschung und der Astronomie.

„Den Wunsch mich mit Kunst zu beschäftigen, fand ich schon sehr früh faszinierend. Der Zeitpunkt lässt sich nicht genau bestimmen. Mein Vater war Bildhauer und führte ein Grabdenkmal Geschäft. Er malte nebenher naturalistisch, schöne romantische Winkel, wie er seine Stadt gern sah. Ich habe diese Bilder noch und vielleicht stelle ich sie hier im Rathaus mal aus“, sagt Wilhelm Wilfried Welch über seine Anfänge als Künstler.

Linear ist sein Werdegang sicher nicht: „Um etwas von der Welt zu sehen und zu schauen, welche beruflichen Möglichkeiten ich habe, wollte ich nach zwei Semestern Grafikstudium der Vorbestimmung, mein Leben lang künstlerisch tätig zu sein, entfliehen: Ich bin als Tellerwäscher auf der MS Berlin gefahren. Die Reise ging nach New York. Wir hatten Sturm und schwere See. Ich war die ganze Fahrt über furchtbar seekrank und musste mich ständig übergeben und dabei hart arbeiten. Um mich über Wasser zu halten, habe ich in Bremerhaven als Hafenarbeiter geholfen, Schiffe zu löschen, zum Beispiel importierte Bananen oder Kali. Wir gingen den ganzen Tag im Kreis. Das war auch kein Spaß und ich bin zu der Erkenntnis gekommen, doch erst etwas Vernünftiges zu lernen und so habe ich wieder brav mein Studium aufgenommen und studiere eigentlich heute noch.“

Als Mitglied des Verbandes Bildender Künstler und Künstlerinnen Württemberg – kurz: VBKW – kam Welch schließlich an einen Raum im ehemaligen Sillenbucher Rathaus und konnte nach und nach weitere Räume mieten. „Um richtig arbeiten zu können, habe ich angefangen, die Räume zu renovieren, also Fußböden, Wände, Decken, Elektrik, Wasser und vieles andere zu erneuern.“ Außerdem gibt er Künstlerkollegen die Möglichkeit, unentgeltlich in seinen Räumen und im großzügigen Treppenhaus auszustellen. Zu Gast waren beispielsweise der Sillenbucher Künstler Uwe Leonhardt, Deeter Hastenteufel und Mechthild Schöllkopf-Horlacher.

Wenn Wilhelm Wilfried Welch nicht im Atelier arbeitet, liest und kocht er gerne oder geht auf Bildungsreisen zu bedeutenden Museen und studiert mit Vorliebe Kunstwerke von Weltrang: „Deshalb war schon in vielen Ländern Europas sowie in New York, Toronto und auf Kuba.“

Wer mehr über den vielseitigen Künstler wissen möchte, kann ihn nach telefonischer Absprache gerne in seinem Atelier oder jederzeit auf seiner Homepage besuchen: Mobil 0170/5360214, www.welchgrafik.com

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