allein über die alb – wandern mal anders

Er ist ein bisschen griesgrämig, neugierig und unternehmungslustig: ganz im Stil von Gernstl war Betram Schwarz alleine auf der Schwäbischen Alb unterwegs. Als Fernseh- und Radioreporter ist er dort zwar öfter zugange, aber noch nie besuchte er Reutlinger, Münsinger, Zollernalb & Co. zu Fuß, im Bus oder als Tramper. Was er dabei erlebt hat, ist in seinem Buch „Allein über die Alb“ zu lesen. Und da gibt es so einige unerwartete Momente. Eigentlich kein Wunder, geht den Älblern ihr eigensinniger Ruf voraus. Dabei ist es ganz einfach: „Sie sind und leben Wahrheit“, bringt der Autor die Älbler-Mentalität auf den Punkt.

allein_albDeshalb nehmen die Leut zwischen Ostalb und Gosheim auch kein Blatt vor den Mund, wenn sie denn mal mit dem Fremden reden. An der östlichsten Stelle der Alb wollte Schwarz seine Reise beginnen, weil offenbar niemand genau weiß, wo dieser Ort sein soll, gilt Aalen im Buch als östlichster Startpunkt. In Neresheim gibt Metzgermeister Ziegelmüller dem Wanderer einen „Willi in der Bix“ als Wegzehrung mit, den kann er auch gut brauchen, denn das nächste Etappenziel  ist Bartholomä – und da scheint außer Bertram Schwarz so gut wie niemand hin zu wollen. Deshalb steht er einen ganzen Vormittag an der Bushaltestelle, hält den Daumen hoch und beobachtet die vorbei fahrenden Autos. Irgendwann passiert das Wunder und der Autor kommt ins „Dorf am Rande des Himmels“. Und wird wenig später im idyllischen Wental von einem Hund in den Bauch gebissen. Ja, raue und stille Gegenden bergen durchaus ihre Tücken, wortkarge Bewohner sind noch die harmlosesten.

Erfreulicher läuft es für den einsamen Wanderer in Gussenstadt – hier trifft er eine glückliche Frau auf dem Traktor, „alte Schulfreunde“ und eine Bahnhofskönigin. Dank Mercedes-Polierern in Stubersheim, einem skurrilen Quadschrauber in Hofstett-Emerbuch und einer Sonnenstudio-Besitzerin in Trochtelfingen wäre dieser Reisebericht auch ein gutes Drehbuch für einen ziemlich abgefahrenen Querfeldein-Roadmovie. Zumindest für Stuttgarter, die den Albtrauf höchstens vollklimatisiert auf der A8 überwinden.

Ein Märchen in Blau erwartet den Leser im fünften Kapitel, wenn es – na klar – zur schönen Lau an den Blautopf geht.Ein Kraftort sei das, erfährt Schwarz von einer Besucherin und Mörike erzählt den Rest der Geschichte. Wie nämlich die schöne Lau in eine der faszinierendsten Höhlenlandschaften verbannt wurde und schließlich doch wieder begnadigt ins Schwarze Meer zurück kehrte.

Auch die kurzen Begegnungen mit Susanne Hinkelbein und ihrem Monochord, mit Monika Reinhard an einem geschichtsträchtigen Sinti-Grab in Burladingen oder mit einer Brannik-affinen Albbewohnerin lesen sich mal merk-, mal denkwürdig, auf jeden Fall einzigartig.

Nach 93 Seiten geht die Reise übers einstige Urzeitmeer zu Ende: auf dem Wittloh lässt Bertram Schwarz seinen neuen Lieblingsfilm vorm geistigen Auge Revue passieren. Er handelt von einer Reise allein über die Alb.

Ein Lesevergnügen und „Wanderführer“ der besonderen Art!

Bertram Schwarz „Allein über die Alb. Eine Reisereportage“, 96 Seiten mit 49 Farbfotos, gebunden, 12 Euro 90, Silberburg-Verlag

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s