der ipf – fürstensitz im fokus der archäologie

Zugegeben: ich kannte den Ipf bisher nicht, doch war ich sofort fasziniert von der außergewöhnlichen Form des Berges als ich das Cover von Rüdiger Krauses neuem Buch gesehen habe – wie ein Kegelstumpf zeigt sich dieser Zeugenberg von weitem, gerne mal im tpyisch „blauen Dunst“ der Schwäbischen Alb. Wer sich die Mühe macht und auf den Berg steigt oder Luftaufnahmen sieht, wird die auffälligen terrassierten, fast kreisförmigen Etagen entdecken, die Archäologen seit langem faszinieren: sie sind längst überwachsene Wälle einer alten Burganlage, deren Rang als Fürstensitz so gut wie bewiesen scheint.

ipfRüdiger Krauses Buch „Der Ipf – Fürstensitz im Fokus der Archäologie“ rückt nicht nur die neuesten Forschungs-Erkenntnisse in den Mittelpunkt, sondern beleuchtet auch bisherige Ausgrabungen und deren Ergebnisse. Schon 1872 rückten die ersten Forscherteams an, um den besonderen Berg bei Bopfingen am Rand des Nördlinger Rieses zu erkunden und auf dem Ipf zu graben.

Eduard Paulus der Ältere datierte die Funde damals als „altgermanisch“, etwas konkreter wurde Friedrich Hertlein, der die Entstehungszeit der Wälle in die Hallstattzeit bzw. in die gallische Latènezeit verlegte. Die These vom keltischen Fürstensitz kam 1960 zum ersten Mal auf, als der Prähistoriker und Archäologe Wolfgang Kimmig die Bedeutung dieser Anlage für die Umgebung formulierte und konkrete Anhaltungspunkte dafür angab: mächtige Befestigungen, Artefakte, die Handelsbeziehungen zum Mittelmeerraum beweisen und reich ausgestattete Gräber sah Kimmig als Zeichen dafür, dass der Ipf bereits um 800 vor Christus von einer Gruppe Privilegierter bewohnt wurde. Allein: die Entdeckung der Gräber stand zu diesem Zeitpunkt noch aus.

Deshalb lösten Kimmigs Begrifflichkeiten in Fachkreisen heftige Diskussionen aus. 2001 entdeckte dann der Luftbildarchäologe Otto Braasch diese lange gesuchten Grabhügel im Umfeld des Ipf, von denen einer auch bereits ausgegraben wurde.

Einem liegt der Ipf besonders am Herzen: Prof. Dr. Rüdiger Krause beschäftigt sich seit mehr als 25 Jahren mit dem Bopfinger Solitärs und fühlt sich den Forschungen sehr verbunden. Viele neue Erkenntnisse sind seiner Arbeit zu verdanken. Auch die Technik hat natürlich Fortschritte gemacht: moderne wissenschaftliche Methoden wie die geomagnetische Prospektion, Luftbildarchäologie und gezielte Ausgrabungen erleichtern und vertiefen die Forschung gleichermaßen.

Fest steht: der Ipf ist ein außergewöhnliches Kulturdenkmal, an dem es noch viel zu entdecken gibt. Auf 160 Seiten stellt Rüdiger Krause den bisherigen Stand der Forschung auch für Laien leicht verständlich vor – im luftigen Layout machen schöne Fotos und Luftaufnahmen, Karten, Grafiken, Zeichnungen und Pläne die Fakten anschaulich. Historische Anekdoten, urkundliche Erwähnungen, Geschichten zu Tradition und Brauchtum rund um den Ipf runden das Bild ab.

Leider „verschwendet“ der Autor gleich mehrere Seiten, um die Geomantie in Grund und Boden zu schreiben, anstatt auf diesem Gebiet eventuell weitere Impulse für eine ganzheitliche archäologische Forschung für möglich zu halten. Für mich hätte es diesen wenig konstruktiven Exkurs nicht gebraucht, das Buch ist auch so interessant genug. Andererseits hat mich die Kritik dazu ermutigt, im Internet nach Erfahrungsberichten von Menschen zu suchen, die den Ipf vor allem als einen besonderen Kraftort sehen und angeblich auch erlebt haben.

Ich bin auf jeden Fall froh, diesen interessanten Berg näher kennen gelernt zu haben – so weit weg ist er ja nicht von hier und ich hab jetzt einen guten Grund, selbst mal vorbei zu schauen…

Rüdiger Krause „Der Ipf – Fürstensitz im Fokus der Archäologie“, 160 Seiten, Hardcover, 24 Euro 99, belser verlag

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