heringsmord

heringsmordLeuchttürme statt Fernsehturm: wenn Schwaben in den Norden ziehen, kanns ganz schön turbulent werden! So geschehen in Sina Beerwalds neuem Krimi „Heringsmord“: Auch Frieda und Ernst Schmälzle bepacken ihr Wohnmobil und starten an die Waterkant, doch für die beiden Rentner wird es keine Urlaubsfahrt – sie haben lange gespart und wollen nun mitsamt Dackel Gustav ihren Lebensabend auf Sylt verbringen.

Statt schmucker Villa am Strand hausieren die Schmälzles auf dem Kampener Campingplatz – für mehr reichen die Ersparnisse einfach nicht. Doch auch im Wohnwagen kann man Sylt genießen, vor allem wenn man sich mit den Nachbarn gut versteht.

Da ist zum Beispiel Konrad. Er sieht aus wie Günther Jauch und bunkert auf seiner Parzelle alles, was ein Camper braucht. Mit seinem „Schrauben-Nagel-Hering-Shop“ im Vorzelt versorgt er den ganzen Platz – für den technikbesessenen Ernst neuer bester Freund und schärfster Konkurrent zugleich.

Auch sonst wirds mit dem ruhigen Rentnerdasein aus verschiedensten Gründen erst mal nix, im Gegenteil: das Schälzle’sche Ehedrama nimmt volle Fahrt auf! Und während Ernst immer weiter in ein Techtelmechtel mit der Platzwirtin schlittert, kommen sich Frieda und „John Lennon“ näher – ein später Hippie der ein paar Parzellen weiter campiert.

Mit Witz und Plauderton erzählt die ehemalige Stuttgarterin und Sylt-Emigrantin Sina Beerwald von Frieda und Ernst Schmälzles Versuchen, auf der Insel heimisch zu werden und gleichzeitig die Wogen im sturmumtosten Ehe-Hafen zu glätten. Für einen Krimi passiert ansonsten fast zu lange nichts, da stirbt ganz plötzlich Konrad – er wurde mit einem Zelthering erstochen.

Mitten drin statt nur dabei: Frieda Schmälzle und ihr „Johnny“, schwer damit beschäft, ja keinen falschen Verdacht aufkommen zu lassen. Potentielle Mörder tummeln sich tatsächlich einige auf dem doch nicht ganz so idyllischen Campingplatz, sogar Ernst kommt als Täter in Frage.

Und so gerät der zweite Teil des Buches doch noch zu einem aberwitzig-spannenden und schwarzhumorigen Kriminalfall der besonderen Art – gekrönt von einer überraschenden Aufklärung und einem allzu menschlichen Motiv.

Sorgt der „Heringsmord“ bei den Schmälzles für heftige Aufregung, garantiert er Krimifans und Syltliebhabern einen vergnüglichen Lese-Nachmittag. Urlaubsfeeling inklusive!

Sina Beerwald „Heringsmord“, 192 Seiten, broschiert, 10 Euro 90, emons: verlag

 

 

 

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