verschwundene seelen – romandebut von annika meyer

03_VerschwSeelen-web_600x600Ich war ja noch nie ein leidenschaftlicher Fantasy-Fan, aber „Verschwundene Seelen“, das Romandebut einer sechzehnjährigen Autorin aus Stuttgart, das hat mich doch interessiert! Nach ein paar Seiten Skepsis – die erste angenehme Überraschung: Annika Meyer kommt ohne seitenlange Ahnenreihen oder sonstige Umschweife zum Kern der Geschichte: Protagonistin Alina und der Leser treffen auf eine märchenhafte Blume, der ein zauberhaftes weibliches Wesen entsteigt und die fortan nicht nur für Alina zur ständigen Begleiterin wird. Ja, trotz schillernden Farben und liebreizenden Outfits: das Misstrauen ist berechtigt, das liegt – wie sich zeigt – nicht an der Fantasy-Dame sondern schlicht am Grundmotiv des Romans.

Zuerst taucht die blumige Erscheinung nur im Traum auf, doch bald gehört sie für Alina und weitere sechs auserwählte Jugendliche zum Alltag: neben Mathe-Tests, besten Freunden und Familienkonflikten wird die Truppe nämlich dafür ausgebildet, nichts weniger als die Menschheit zu retten – die Schattenmenschen haben es auf das Zauberbuch abgesehen und sollten sie es in ihre Gewalt bringen, dann wars das für den guten Teil der Weltbevölkerung.

So weit, so verständlich und als Motiv für Romane und Filme aller Genres bestens bekannt. Die Charaktere der Figuren sind stimmig und erstaunlicherweise habe ich der Autorin den schnellen Wechsel in die „Anderswelt“ der verschwundenen Seelen mühelos abgenommen – allein dieser gelungene Swift macht Annika Meyer für mich zum Profi.

Nach den ersten, noch recht kryptisch verlaufenden Treffen mit der Blütenlady, switchen die Jugendlichen bald mit ihrem Auftrag zwischen zwei Leben hin und her – das eine findet in Schule und Familie statt, das andere in einem Szenario, in dem nichts anderes zählt, als das Zauberbuch zu schützen – dazu gehören beispielsweise ein Trainigscamp auf einer Waldlichtung – im Grunde der geographische Montagepunkt für die unterschiedlich dimensionierten Welten – sowie ganz eigene Landschaften, in denen Schattenmenschen und die Hüter des Zauberbuches immer wieder aufeinander treffen. Auch dorthin folgt man als Leser ohne Geholper, dafür mit reichlich Nervenkitzel.

Das Training für die Auserwählten ist hart und die Kämpfe mit den Schattenmenschen sind brutal – für meinen Geschmack sind sie ein bisschen zu blutig und brachial, aber wer mit Zombie-Filmen und Mortal Combat aufwächst, ist da vermutlich etwas weniger empfindlich als meine Biene-Maja-Generation 😉

Die Jugendlichen lernen außerdem, sich selbst zu heilen und haben – dem Zauberbuch sei Dank – auch einige Mentoren und Trainer, die es gut mit ihnen meinen und bei denen sie sicher sind. Im Grunde erinnern die Abenteuer der Auserwählten an unterschiedliche Initiationsriten, die es in vielen Naturvölkern heute noch gibt.Von daher folgt der Roman einem intuitiven Entwicklungsprozess.

Auch dramaturgisch gibts nichts zu meckern: waren die Schattenmenschen anfänglich nur fiktive Gegner, kommen die Einschläge immer näher und auch die Intensität der Konflikte steigert sich von Kapitel zu Kapitel. Obwohl der Roman doch einige Fragen offen lässt und einige Axiome einfach hinzunehmen sind, funktioniert der Spannungsbogen einwandfrei. Und allein das zählt am Ende ja bei Fantasy-Romanen und bei Comics gleichermaßen.

Dass die Siebener-Gruppe aus völlig unterschiedlichen Charakteren besteht, gibt der Geschichte zusätzlichen Reiz. Die Liebesgeschichten passen ebenfalls gut in den Plot, ja sind sogar auslösendes Moment für den Showdown, der dann allerdings doch arg hopplahopp und wenig nachvollziehbar von statten geht.

Alles in allem aber ein Roman, der Spaß und neugierig auf weitere Geschichten der Autorin macht – das offene Ende passt deshalb prima…

Annika Meyer „Verschwundene Seelen. Die Vergessenen der Wirklichkeit“, 340 Seiten, Hardcover, 16 Euro 95, Fabulus Verlag (ab 14 Jahren)

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