neues von dillinger

dillingers_schweinPrivatdetektiv Dillinger meldet sich zurück: „Dillinger hat Schwein“ lautet der vielversprechende Titel von Rudi Kosts neuem Baden-Württemberg-Krimi. Aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass ich bisher keine sonderlich großen Sympathien für den Versicherungsvertreter aus dem Hohenlohischen gehegt habe, allerdings fing im neuen Buch alles ganz gut an…

Mit schnellen Dialogen, einigen wirklich witzigen Pointen und einem Fall, der urkomisch und doch mysteriös daher kommt – eine Gruppe Tierschützer entlässt auf den Weiden rund um Schwäbisch Hall zahlreiche Kuh- und Schweineherden in die Freiheit, aus Protest gegen Massentierhaltung an sich und weil sich der Großteil der Grupppe der veganen Lebensweise verschrieben hat.

Wäre da nicht die merkwürdig inszenierte Schweineleiche und eine Kuh, die Gemüse fressend dem Duft der Freiheit folgt, müssten sich Dillinger und Komissar Keller nicht großartig um den Fall kümmern. Doch dann brennt eine Scheune ab, ein Mensch kommt ums Leben und kurze Zeit später gibt es einen zweiten Toten – die Ermittlungen gehen weiter…

Sehr erfreulich für die weibliche Leserschaft: Dillinger brettert in seinem gelben Porsche nicht mehr ganz so tumb machohaft durchs Hohenlohische, allerdings entwickelt er in „Dillinger hat Schwein“ einen missionarischen Eifer, der jedem Hardcore-Veganer gefallen würde: statt den wirklich interessanten Fall und die prima Grundidee mit mehr Tiefe voran zu treiben, nutzt Rudi Kost jede Gelegenheit, seinen Protagonisten stammtischartig über vegane Ernährung schwadronieren zu lassen.

Die meisten Argumente, die Dillinger wiederkäut, sind bei genauer Betrachtung und richtigem Verständnis der veganen Bewegung schlicht hinfällig. Statt dessen gerät „Dillinger hat Schwein“ über weite Strecken zu einer recht überflüssigen Pro-Contra-Vegan-Debatte mit wechselnden Diskutanten.

Apropos wiederkäuen: von den klischeehaften Betrachtungen veganer Lebensweise abgesehen, gefallen mir die neuen humoristischen Ausflüge im Buch ganz gut. Zum Beispiel die Exkursionen mit Kuh Rosie – sie „flüchtet“ gemächlich durch die Lande, findet im vormals veganen Hund des „Amtlich bestellten kommunalen Aufsehers über die Einhaltung der Richtlinien zum Artenschutz“ einen treuen Gefährten und treibt mit ihrer Gefräßigkeit alle Bauern der Umgebung zur Raserei.

Dass deshalb unzählige Landwirte wild ballernd durch die Gegend rennen – geschenkt. Ganz nebenbei leisten die beiden flüchtenden Tiere wertvolle Beiträge zur Aufklärung des Falles und werden zu wichtigen Zeugen.

Es kommt wie es kommen muss: gerade die Veganer haben im Krimi besonders viel Wiesencamp-Dreck am Stecken und bieten die perfekte Projektionsfläche für allerlei Verderbtheit. Ob sich in diesem Umfeld auch der Täter befindet?

Dillinger ermittelt mit vollem Körpereinsatz und löst zwischen ermüdenden Vegan-oder-nicht-vegan-?-Diskussionen, wirklich interessanten Einblicken in die moderne Landwirtschaft und erfrischend kabarettistischen Einschüben die Mordfälle – plötzlich und unerwartet, könnte man pietätlos witzeln. Für mich ein bisschen zu hopplahopp – aber das passt ja irgendwie zu Dillinger, auf dessen nächsten Fall ich tatsächlich jetzt schon gespannt bin…

Rudi Kost „Dillinger hat Schwein“, 288 Seiten, broschiert, 9 Euro 90, Silberburg-Verlag

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