choosing raw – frisch und vollwertig essen mit genuss

Choosing-Raw-Gena-Hamshaw.17808Wer sich heutzutage über gesunde Ernährung informieren will, startet ein echtes Abenteuer: zahlreiche Rohköstler, Veganer und Low-Carb-Jünger sind überzeugt davon, die einzig wahre Ernährungsform gefunden zu haben. Steinzeiternährung – die so genannte Paleo-Diät – konkurriert mit ayurvedischen Ernährungskonzepten, Trennkost, Metabolic Balance, Fünf-Elemente-Ernährung, Blutgruppen- oder Glyx-Diät – von richtigen Ernährungs-Kuren und therapeutischen Ernährungsarten – zum Beispiel gluten- oder lactosefrei – sei an dieser Stelle gar nicht gesprochen.

Ich bin mit dem berühmten Sonntags-Braten aufgewachsen, ansonsten gabs vor allem Reformkost – Großmutter mütterlicherseits war eine der ersten Reformfachverkäuferinnen in Esslingen – so gesehen war der Schritt zu vegetarischer Ernährung ein leichter. Trotzdem blieb es mir aus gesundheitlichen Gründen nicht erspart, mich noch intensiver mit Ernährung zu beschäftigen. Vor rund 20 Jahren verschwanden fast alle Weizen- und Milchprodukte aus meiner Küche, doch erst vor wenigen Jahren schaffte ich es tatsächlich, auf Käse zu verzichten und mich größtenteils vegan zu ernähren – vor allem aus ethischen Gründen.

Wenn ich weiß, dass Eier von Hennen stammen, die eventuell sogar in Nachbars Garten rennen und scharren, dann hab ich kein Problem damit, mir dann und wann ein Rühr- oder Spiegelei zu gönnen. Auch der Honig von einem befreundeten und sehr verantwortungsvollen Imker ist mir jederzeit willkommen. Wie bei allem, machts auch hier die Menge.

Ich hab also in den vergangenen 30 Jahren einiges ausprobiert, verworfen oder beibehalten – witzigerweise bekam ich dieser Tage mit „Choosing Raw“ ein Buch in die Hände, in dem Autorin Gena Hamshaw meine ganz persönliche Quintessenz auf den Punkt bringt. Die einfache Formel lautet: wann immer möglich frische, unverarbeitete und vegane Lebensmittel zu genießen.

Schon der Untertitel klingt klasse: „125 köstliche, einfache und vegane Rezepte mit vielen Rohkost-Optionen“  – genau so möchte ich jeden Tag essen!  Rohkost-Optionen hört sich so entspannt an, wie es für mich auch sein sollte, denn Rohkost eignet sich nicht für alle gleich jeden und nicht zu jeder Tageszeit, da ist meiner Meinung nach doch ein bisschen Flexiblität gefragt. Vor allem für Menschen, bei denen bisher vor allem Kochkost, Fertiggerichte oder sogar regelmäßig Fastfood auf den Teller kommen.

Wer jetzt aufstöhnt und denkt: „Oh nein, bitte nicht schon wieder so eine quitschfidele und besserwissende Vegan-Jüngerin“ – ja, Diskussionen zwischen Veganern und Fleischessern nehmen auf Facebook teilweise bürgerkriegsähnliche Züge an 😉 – dem kann ich versichern: ich finde Ernährungsdogmen und zwanghaft eingeforderte Ernährungsumstellungen auch fürchterlich!

Deshalb kann ich Gena Hamshaws Buch auch allen empfehlen, die einfach auf der Suche nach neuen Geschmackserlebnissen sind oder hin und wieder über den eigenen Tellerrand schmecken wollen, ohne gleich ihren kompletten Lifestyle ändern zu müssen.

Mission statt Missionieren, Genuss und Geschmack statt Hängen und Würgen: Gena Hamshaw bietet Rohkost als leckere Wahlmöglichkeit, als Chance, geschmackvoll aus der kulinarischen Komfortzone heraus zu kommen. Dafür liefert sie 15 Grundrezepte sowie Ideen für Säfte, Snacks und Dressings, die ständig neue Kombinationen und Abwechslungs nach Gusto garantieren. Dazu kommen Rezepte für Frühstück, Mittag- und Abendessen, die abgestuft mal nur Gekochtes, mal ganz Rohes oder eine Mischung aus beidem auf den Tisch bringen.

Nach ihrem ganz persönlichen Leidensweg hat Gena Hamshaw nicht nur einen entspannten, ganzheitlichen Zugang zur Ernährung sondern auch zu sich selbst gefunden. Und sie hat verstanden, dass es trotz aller Frische, Farbig- und Vollwertigkeit auf ein paar ganz spezielle Dinge ankommt, soll eine nachhaltige Ernährungsumstellung gelingen: manchmal soll es eben nicht knacken sondern cremig-süß auf der Zunge schmelzen und die Seele streicheln – auch das ist, wie ich jetzt erfahren habe, bei nicht lebendiger pflanzlicher Nahrung möglich.

Ich habe gestaunt über vielfältige Zubereitungsarten, über spannende Texturen, die durch Schneiden, Hacken, Würfeln, Pürieren und Einfrieren entstehen! Und Gena Hamshaw denkt erfreulicherweise auch daran, dass wir oft unterwegs und dann auf Bio-Supermärkte, vegane Imbissbuden oder eben auf das schnell gemachte Lunchpaket und den vorbereiteten Snack angewiesen sind.

Bevor es ans Zubereiten geht, plaudert die Foodbloggerin in ihrem Buch entspannt und ehrlich ihre eigene Geschichte, über ihre Erfahrungen mit ehtisch verträglichen, vollwertigen Lebensmitteln, erläutert einige mittlerweile empirisch bewiesene Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit, beleuchtet Vorurteile und Ist-Zustände veganer Ernährung und beantwortet dringende Fragen rund die Ernährung.

Im siebten Kapitel geht es dann richtig los: was gehört in eine vegan ausgestattete Speisekammer? Was ist eigentlich Kombu, wofür kann ich Kokosmehl verwenden, was können Maulbeeren und zu was passt Miso? So lecker die vorgestellten Zutaten und „Rohstoffe“ sind: es lohnt sich, so oft wie möglich regionale Alternativen zu finden, nicht zuletzt, weil sie meist einfacher zu bekommen sind.

An dieser Stelle ein kleiner Hinweis: Agavendicksaft eignet sich entgegen häufiger Empfehlungen aus verschiedenen Gründen nur bedingt als Zucker-Ersatz, dazu gibt es im Internet jede Menge Artikel und Texte.

Welche Geräte erleichtern die Arbeit in der Küche? Wie halte ich Obst und Gemüse frisch, was lässt sich gut auf Vorrat kochen? Die Antworten gibts auf den Seiten 86 bis 91. Wer plant, seine Ernährung dauerhaft umzustellen, bekommt in Kapitel 8 praxiserprobte Tipps, auf dass der Switch so genussvoll und einfach wie möglich gelinge. In Kapitel 9 bietet Gena Hamshaw ein paar Ernährungspläne an, eine Empfehlung für alle, die sich als frisch gebackene Rohköstler noch zurecht finden.

Dann gehts zum Besten Teil, dem Essen. Wem beim Lesen der Zutatenlisten noch nicht das Wasser im Mund zusammen läuft, wird ganz sicher von den unglaublich appetitlichen Fotos motiviert, das eine oder andere Rezept so schnell wie möglich auszuprobieren!

Neben veganen „Klassikern“ wie Zucchini-Pasta mit roter oder weißer Soße oder Chiapudding erklärt Gina Hamshaw, wie Mandelmilch geht, wie aus Cashewkernen veganer Käse gemacht wird, wie aus Grünkohl knackig-rezente Chips, aus Kichererbsen röstfrische Snacks werden und wie in fünf Minuten eine kombifreudige Guacamole entsteht. Wraps, Maissuppe, „Rührei“, Ratatouille, Pürree, Burger, cremige Basilikum-Ingwer-Nudeln, rohe Lasagne – mit diesen Rezepten bleiben keine Geschmackswünsche offen!

Meine Favoriten und unverzichtbaren Basics sind übrigens die veganen Pesti, Dressings und Salate, mit denen sich alle möglichen Gerichte verfeinern, ergänzen und variieren lassen. Wenns süß sein soll: supereinfaches und wandelbares Bananen-Softeis. Und für unterwegs die handlichen, nahrhaften DIY-Snackriegel mit Nüssen und Datteln oder die Hanfpowerbällchen. Außerdem bin ich schon gespannt, wie das Karamell-Kokos-Eis schmeckt und den Heidelbeer-„Käsekuchen“ muss ich unbedingt auch probieren.

Keine Frage: „Choosing Raw“ ist für mich DIE Kochbuchentdeckung des Jahres und noch eine ganze Weile Inspiration für begeisternde Küchen-Experimente!

Gena Hamshaw „Choosing Raw. 125 köstliche, einfache und vegane Rezepte mit vielen Rohkost-Optionen“, 344 Seiten, Integralband mit Lesebändchen, 24 Euro, Unimedica

 

 

 

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