zwischen fallers, tanz und varieté: kostümbildnerin claudia flasche

claudia_flascheWenn Sonntag abends „Die Fallers“ laufen, fiebern zahlreiche Fans der „schwäbischen Lindenstraße“ vor dem Fernseher mit: wie geht’s mit Martin gesundheitlich weiter? Und wird der Gemeinderat das Marketing-Konzept für den Premium Wanderweg „Wonnepfad“ akzeptieren? Dass die Schwarzwald-Familiengeschichten vom Fallerhof so authentisch rüber kommen, liegt zum großen Teil an der Kostüm-Ausstattung.

Mit welchem Outfit sich die privat oft extravagant gekleidete Schauspielerin Ursula Cantieni in eine überzeugende Bäuerin Johanna Faller verwandelt, das entscheidet Claudia Flasche: seit der ersten Staffel gehört die Kostümbildnerin zum Filmteam und stellt die Garderobe von Hermann, Johanna, Karl & Co. aus deren persönlichem Serien-Fundus zusammen. Meistens arbeitet Claudia Flasche jedoch hinter Theaterkulissen: seit rund 25 Jahren sorgt sie dafür, dass auf der Bühne alle Schauspieler das „Richtige“ anhaben – vom Slip bis zum Hut. Sie legt fest, welche Farben und Formen die Kostüme haben und welche Materialien verwendet werden.

Ich verstehe meine Arbeit als Kostümbildnerin so, dass ich die Inszenierung unterstreiche: setze ich einen Gegenpol oder schwinge ich mit? Außerdem soll das Kostüm dem Schauspieler eine Form geben, mit der er sich optimal in die Rolle finden kann“, sagt Claudia Flasche, „wobei am Ende natürlich ein gutes Gesamtbild auf der Bühne zählt.“ Meistens arbeitet sie mit einem Team, das sich kennt und vertraut und genießt dann große kreative Freiheit.

1.Ensemble_Laterne©ThS„Trotzdem muss ich einige Dinge im Auge behalten: was nutzt schon ein besonders originelles Kostüm, wenn der Schauspieler darin nicht agieren kann oder sich anderweitig nicht verstanden fühlt?“, sagt Claudia Flasche. „Zum Zweiten dürfen die Umzüge nicht viel Zeit in Anspruch nehmen – wenn wie neulich bei einer Peer Gynt-Inszenierung 100 Rollen von insgesamt 16 Schauspielern gespielt werden, ist das ein ganz wichtiger Aspekt!“

Auch das Budget spielt eine Rolle. „Deshalb stellt sich immer die Frage: welche Möglichkeiten habe ich? Wie kann ich mit kleinen Mitteln das Beste heraus holen?“ Denn mindestens so wichtig wie der Etat ist die Ästhetik. Und last but not least muss die Schneiderin mit der Pflege der Kostüme zurecht kommen: „Sie muss die Kostüme auch dann noch bügeln, wenn ich schon lange weg bin, denn mit der Premiere ist meine Arbeit an der jeweiligen Produktion beendet.“

Ganz am Anfang steht zunächst einmal das Stück – beim Lesen entstehen erste Ideen. Dann kommt der Raum ins Spiel: steht der Entwurf für Kulisse und Bühnenbild, erarbeitet Claudia Flasche das Konzept fürs Kostümbild. In engem Dialog mit dem jeweiligen Regisseur wird der Entwurf festgelegt – meist ein Vierteljahr vor der Premiere. Spätestens bei der ersten Hauptprobe muss alles fertig sein, beim Fernsehen entsprechend früher. „Wenn ich da nach dem Andrehen merke: die Bluse hätte vielleicht doch rot statt gelb sein sollen, ist es schlicht zu spät. Beim Theater kann ich während der Proben ganz gut sehen, ob was verändert werden muss.“

KostümbildnerIn ist kein geschützter Beruf und auch wenn es so klingt: Kostümbildner müssen nicht zwingend nähen können. Zwar gibt es den Studiengang Bühnen- und Kostümbild, viele Kostümbildner sind jedoch Quereinsteiger. Claudia Flasche hat eine Ausbildung an einer Stuttgarter Modeschule in der Tasche – schneiderische Kenntnisse sind tatsächlich kein Nachteil bei der täglichen Arbeit.

„Große Häuser haben zudem fast alle eine Schneiderwerkstatt und einen Gewandmeister, kleineren Bühnen fehlt schlicht das Budget dafür“, erklärt Claudia Flasche. „Beim Theater der Altstadt, wo ich einmal im Jahr arbeite, gibt es aber zum Beispiel eine feste Schneiderin, die einige Sachen anfertigen oder auch ändern kann. Vieles wird gekauft oder stammt aus dem Fundus, nur in ganz seltenen Fällen, nähe ich die Kostüme selber. Kostümbildner machen eben in erster Linie Entwürfe und sorgen dafür, dass die Kostüme da sind.“ Trotzdem hat dabei jeder seinen eigenen Stil: Claudia Flasche bezeichnet sich als Puristin. „Bei mir gibt’s keine Rüschen und Chichi“, sagt die Stuttgarterin und lacht.

Inspiration holt sich Claudia Flasche auf Reisen, bei der Architektur, in Kirchen, Museen, Galerien oder auf der Straße – hier entstehen Trends zuerst. „Wir arbeiten durchaus im Zeitgeist: wenn in einem Stück zum Beispiel Hipster auftreten, dann müssen die eben so aussehen, wie Hipster heute aussehen – früher haben wir für diese Authentizität viel in Bibliotheken recherchiert, heute geht das natürlich im Internet.

Ich liebe das Fantasievolle und Künstlerische meiner Arbeit und das breite Spektrum das sie mir bietet: von Artistik über Film, Tanz, Theater und Oper bis Zirkus kann ich jede Sparte bedienen.“

Foto: Theatersommer Ludwigsburg

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