interview mit einem mörder

7133-jpg-thumb-380x550-keepratioMax Broll ist Ex-Journalist und Totengräber und von Natur aus ein gelassener Vogel. Doch was er bei der Eröffnungsfeier seines besten Freundes erlebt, bringt ihn völlig aus der Fassung: als Johann Baroni seinen neuen Würstelstand einweiht, fällt ein Schuss und Baroni getroffen zu Boden.

Nur einer hat den Schützen gesehen: Max Broll. Doch ihm glaubt niemand, denn Konrad Maria Fink, der Täter, betritt als netter älterer Wanderer die Szenerie.

Niemand vermutet hinter der Fassade des freundlichen Senioren einen gewissenlosen Mörder. Und der streitet die Tat natürlich ab.

In seinem vierten Broll-Krimi konfrontiert Bernhard Aichner seine Leser mit der erschreckenden Tatsache, dass Menschen töten, weil sie es können und mitunter sogar Freude dabei empfinden. So scheint es auch bei Fink zu sein.

Selbst getroffen vom Schmerz und der Verlustangst um den Freund, macht Broll die Überführung des Täters zur persönlichen Herzensangelegenheit, denn selbst Tilda, Brolls gute Freundin, Mutterfigur und Polizistin, zweifelt eher an Brolls Geisteszustand, als an an Finks Unschuld.

Viel Zeit für einen Plan hat Broll nicht: Fink will am nächsten Tag weiterreisen. Richtung Süden. Und Broll kommt mit. Konfrontiert den Mörder im Zug mit der Untat, mit der eigenen Wut und Fassungslosigkeit.  Doch Fink bleibt kaltblütig, zynisch und berechnend. Er bestimmt die Regeln. Und Broll fühlt sich immer ohnmächtiger – er hat sich mit einem „netten, unscheinbaren Psychopathen“ angelegt. Was für ein Albtraum.

Trotzdem bleibt ihm nichts anderes übrig, als mehr über diesen Menschen heraus zu finden. Und während Broll in Finks Biografie wühlt, spielt dieser mit Brolls Ängsten und lässt ihn mehr als einmal die dünne Grenzmembran spüren, die Schuld und Unschuld klar unterteilt.

Aichners Broll-Krimis sind außergewöhnlich: auch das „Interview mit einem Mörder“ lebt von einer anfänglich gewöhnungsbedürftigen, mittlerweile kultigen Hauptfigur, von ungewöhnlichen Fällen und Motiven und vor allem von schnellen, klaren Bildern und extrem knappen Dialogen – in diesem Band eingebettet in einen nervenaufreibenden Krimi-Road-Trip, der die beiden Gegner bis nach Tunis führt. Uns Lesern bleibt nach einigen Seiten nichts anders übrig, als atemlos mitzureisen…

Bernhard Aichner beweist ein weiteres Mal, dass morbide (Schreib-)Kunst eben doch ein Meisterstück aus Österreich ist.

Bernhard Aichner „Interview mit einem Mörder“, 288 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 19 Euro 90, Haymon Verlag

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