hänsel und gretel als lese-hör-erlebnis

ha2561_bNach der Krimi-Besprechungs-Serie für Erwachsene, stelle ich heute ein spannendes Buch für Kinder vor: Hänsel und Gretel. Und eins ist sicher: so habt ihr die Geschichte der beiden Geschwister noch nicht erlebt, denn Marko Simsa und Silke Brix erzählen das Märchen nicht nur in kurzen Texten und farbenfrohen Bildern im gebundenen Großformat, der Clou ist die beigelegte CD.

So gibt es Hänsel und Gretel also nicht nur zum Lesen und Blättern sondern auch als Oper und Geschichte zum Hören. Bevor es richtig losgeht, beschreibt Autor und Erzähler Marko Simsa die Szenerie im Opernhaus, wo die kleinen Zuschauer mit ihren Eltern und Großeltern gespannt darauf warten, dass sich der Vorhang hebt.

Außerdem erklärt er, in welchen Stimmlagen die einzelnen Darsteller singen: Gretel hat einen glockenhellen Sopran, der Vater der Kinder singt mit sonorem Bariton und die Hexe schnurrt, keift, zaubert und frohlockt in Mezzosopran. Die Ouvertüre stimmt auf die dramatische Geschichte ein, der Vorhang geht auf und der erste Akt beginnt:

Hänsel und Gretel sitzen in einer kleinen Hütte am Waldrand und arbeiten: Gretel strickt Strümfe, Hänsel bindet Besen. Als sie zu singen beginnen, vergessen sie die Arbeit. Sie necken sich und Gretel fordert „Brüderchen komm tanz mit mir“. So merken sie gar nicht, wie die Mutter kommt. Die wird sehr böse und schimpft mit den Kindern weil sie nicht bei der Arbeit sind.

Sie wird sogar so ärgerlich, dass sie den Milchtopf umwirft und zerbricht. Zur Strafe schickt sie Hänsel und Gretel in den Wald zum Erdbeeren sammeln. Und hier weicht die Geschichte von der bekannten Märchenversion ab, in der die beiden Geschwister auf Drängen der Stiefmutter ausgesetzt werden, weil es nicht genug essen für die ganze Familie gibt.

Auch Hänsels „Heimkehr-List“, eine Fährte mit Kieselsteinen und Brotkrumen zu legen entfällt, dafür genießen die Kinder beim Beeren sammeln den Wald: Gretel windet einen Hagebuttenkranz und singt das Lied vom Männlein im Walde. Die Zeit vergeht und plötzlich merken die Kinder, dass sie sich verirrt haben.

Zuhause sind die Eltern voller Sorge, denn am Ilsenstein, wo die Kinder Erdbeeren sammeln, wohnt die böse Hex. Die Eltern ziehen los um die Kinder zu suchen. Die liegen ängstlich im dunklen Wald und halten sich fest. Der Sandmann kommt und singt die beiden in den Schlaf, ein Taumännchen weckt die beiden am Morgen mit Tautropfen aus einer Glockenblume.

Der Tag beginnt und ein Jagdhorn bläst zum dritten Akt, dem Höhepunkt der Geschichte, denn bei Tageslicht entdecken Hänsel und Gretel das Lebkuchenhaus der bösen Hexe. Es duftet nach Kuchen und Torten und weil die beiden eh so großen Hunger haben, greifen sie mit beiden Händen zu.

Da erscheint die Knusperhexe. Rosine Leckermaul gibt sich freundlich, doch sie hat bekanntlich einen miesen Plan: sie will die beiden Kinder braten und hext Hänsel in einen Zauberbann. Das Lied dazu fand ich sehr gelungen: die „Alte“ faucht, schnurrt, wispert und murmelt, der Zuhörer kann sich vorstellen, wie mit Hakennase und Zauberstab umhergeht.Gretel muss ihr in der Küche helfen.

Es kommt zum berühmten „Showdown“ am Ofen, in den die Kinder ihre Peinigerin hineinstoßen, wo sie zu einem knusperharten Kuchen wird. Von den anderen Kindern, die die Hexe bereits verzaubert und gebacken hat, löst sich die Kuchenhülle und sie springen munter herum.

Die Aufführung basiert auf Kompositionen des Spätromantikers Engelbert Humperdinck, der die Märchenoper 1893 uraufführte und damit schlagartig berühmt geworden ist. „Konzert-Entwickler“ Marko Simsa erweitert die Oper um einige bekannte Kinderlieder, die sich prima in den Stoff einfügen und große und kleine Zuhörer zum Mitsingen einladen.

Mit Hänsel und Gretel präsentiert der Jumbo Verlag bereits das siebte Hörerlebnis von Marko Simsa und Illustratorin Silke Brix, die den klingenden Bilderbüchern von Anfang an ihr unverwechselbaren Charakter geben.

Dieses Märchenbuch macht Spaß und vor allem große Lust darauf, die Inszenierung einmal live mitzuerleben – im Opernhaus mit echtem Bühnenbild und tollen Kostümen. Tatsächlich sind Marko Simsas Musik- und Theaterprogramme auf renommierten Bühnen zu sehen und zu hören, zum Beispiel bei den Salzburger Festspielen, am Opernhaus Dortmund oder am Staatstheater Wiesbaden.

Ich halte jedenfalls die Augen nach einem Aufführungstermin offen …

Marko Simsa, Silke Brix „Hänsel und Gretel“, 32 Seiten, gebunden, 19 Euro 99, Jumbo Verlag

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