„der nackte wahnsinn“ im theater der altstadt

Acht Türen, zwei Stockwerke, zwei Perspektiven, eine Treppe und jede Menge Sardinen: eigentlich klar, dass ein Stück wie „Der nackte Wahnsinn“ ein aufwändiges Bühnenbild braucht! „Es ist nicht übertrieben: wir sprechen von der Mutter aller Komödien“, sagt Katharina Scholl vom Theater der Altstadt und schmunzelt vielsagend – das Stück verlangt nicht nur von den Schauspielern Höchstleistungen in Sachen Stunt und Timing: bei allem gekonnten Slapstick bekommen auch die Theatermacher und Zuschauer ihr „Fett weg“.

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Allein der Titel des Stücks spricht derzeit wohl vielen aus der Seele – da tun zweieinhalb Stunden pure und gleichzeitig meisterhafte Unterhaltung zur Abwechslung wirklich gut. Das dachte man sich auch im Theater der Altstadt und setzte zum zweiten und letzten Mal Martin Königs gefeierte Inszenierung von „Der nackte Wahnsinn“ auf den aktuellen Spielplan. Ehebruch, Steuerhinterziehung, Einbrecher und die vielzitierte Leiche im Keller: Michael Frayns Komödien-Klassiker verspricht Eskalationen am laufenden Band.

Eigentlich geht’s nur um ein Tourneetheater, das ein neues Stück probt, also um Theater im Theater, doch das Chaos übernimmt Regie, wenn sich auf der Bühne Menschen treffen, die sich eigentlich nicht begegnen sollten, wenn acht Türen auf die Sekunde genau aufgehen und zuknallen, sich vor allem weibliche Ensemblemitglieder ständig wegen des Regisseurs in die Haare kriegen und am Ende überall glibbrige (Kunst-)Sardinen herum fliegen.

Alle Beteiligten sind mit ganzem Körpereinsatz mit Schadensbegrenzung beschäftigt und scheitern doch kläglich: das Publikum wird von Autor Michael Frayn fast zur Schadenfreude gezwungen und kassiert kurz vor dem Schenkel klopfen unerwartet kleine Seitenhiebe. Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, spielt das atemberaubend rasante Stück einmal vor und einmal „hinter“ der Bühne: „Da wir als kleines Theater keine Drehbühne haben, haben sich die Bühnenbildner eine raffinierte Lösung ausgedacht, die von den Schauspielern selbst gedreht werden kann“, verrät Dramaturgin und Pressesprecherin Katharina Scholl – Leonie Mohr und Hannes Hartmann beweisen beim reduzierten und gleichzeitig aufwändigen Bühnenbild für „Der nackte Wahnsinn“ also einmal mehr, dass sie ihr Handwerk meisterhaft beherrschen.

Außer dass es allen Beteiligten großen Spaß macht, ist es „für die Kollegen wirklich unglaublich anstrengend“, so Katharina Scholl: Mehr als zwei Stunden lang geht’s treppauf treppab, Tür auf Tür zu – das ist schon alleine körperlich eine besondere Herausforderung. Genau diese Einsatz- und Spielfreude macht die Komödie aber auch sehenswert.

Da die Besetzung gleich geblieben ist wie in der vergangenen Spielzeit, mussten die Schauspieler nur wenige Male proben – doch bei allem großartigen Klamauk und Boulevard ist eines klar: „Der nackte Wahnsinn“ funktioniert allein durch perfektes Timing. Autor Michael Frayn beobachtet präzise, übertreibt schamlos und bringt seine Beobachtungen pfeilgenau auf den Punkt. „Auch als Theatermacher sitzt man dann unten und denkt in manchen Momenten: Aha, ertappt“, gibt Katharina Scholl zu.

Mit Mühe bringt die Theatertruppe im ersten Akt das Stück im Stück zu Ende, doch auf der „echten“ Bühne steigert sich die Spannung, bis im dritten Akt der nackte Wahnsinn tobt. Oder wie Katharina Scholl es nennt: „Eine Komödie mit hohem Niveau, sowohl schauspielerisch als auch literarisch – das Publikum erlebt einfach unglaublich gute Unterhaltung!“

Foto: Theater der Altstadt

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