der flug des jagdfalken

3016_270x169_2052Baden-Württemberg gilt als burgenreiches Land und vor allem auf der Schwäbischen Alb begegnet man ihnen auf Schritt und Tritt: gut erhaltene oder „ruinierte“ Herrschaftssitze früherer Grafen, Fürsten und Könige thronen erhaben auf Zeugenbergen oder Felsvorsprüngen und sind beliebte Aussichtspunkte für Wanderer.

Die Wenigsten wissen über die Historie der Bauwerke Bescheid – irgendein Staufer wird wohl der Bauherr gewesen sein, haben die meisten so im Hinterkopf. Selbst wer in der Nähe solch geschichtsträchtiger Bauten wohnt, beklagt oft Wissenslücken über das einstige Leben hinter den „sagenhaften“ Mauern.

Bei Dietrich Weichold ist es anders: der Autor wohnt mit seiner Familie in Ammerbuch-Entringen, hat „von dort eine gute Sicht auf Schloss Hohenentringen, die Geburtsstätte des Georg von Ehingen“.

Er tauchte in den vergangenen Jahren tief in die Geschichte(n) derer von Hohenentringen ein und schrieb mit seinem kürzlich veröffentlichten Roman „Der Flug des Jagdfalken“ quasi eine späte – zum Teil fiktive – Biographie vom „Jergle“, wie Georg von Ehingen in jungen Jahren von Verwandten und Freunden genannt wurde.

Nach einigermaßen unbeschwerten Kinderjahren im Schönbuch, begann für Georg von Ehingen – sehr zum Leidwesen seiner Mutter – 1435 in Innsbruck die Ausbildung zum Ritter. Die Ausbildung ist hart und vor allem in der Anfangszeit plagt den jungen Knappen das Heimweh.

Wegen seiner sensiblen, nachdenklichen Art, avanciert der Exilschwabe schnell zum Höfling mit feinen Sitten. Und zum Frauenliebling! Schließlich muss er den Innsbrucker Hof sogar wegen einer wenig standesgemäßen Liaison verlassen.

Obwohl er bereits als einer der besten Kämpfer des Landes gerühmt wird, würde Georg am liebsten nach Hause zurück kehren. Doch sein Vater hat den Familiensitz Hohenentringen nach dem Tod seiner Frau und Georgs Mutter Agnes verkauft und lebt zurück gezogen in bescheideneren Verhältnissen.

Als wagemutiger Kämpfer stellt sich Georg von Ehingen fortan in den Dienst mächtiger Herrscher und tritt an, das Christentum zu verteidigen – wo immer nötig. Seine Reisen führen ihn zuerst nach Prag,  wo Junker Georg gemeinsam mit seinem künftigen Freund Georg von Ramseiden, kurz: „Ramseider“, im Dom den Ritterschlag erhält.

Georg kämpft in Spanien, Portugal und auf Rhodos gegen die „Ungläubigen“, geht sogar auf Wunsch seines Vaters auf Pilgerreise durchs Gelobte Land. Kein Gegner ist im zu übermächtig, keine Herausforderung zu groß.

Und während Georgs Freund Ramsauer in friedlichen Zeiten die Annehmlichkeiten am Hof ihrer jeweiligen Gastgeber genießt, kämpft Georg von Ehingen mit sich selbst. „Es gibt nichts Edles im Krieg – auch wenn wir für die Christenheit kämpfen“, hat Ramsauer schon lange erkannt. Doch Georg quält immer noch die ehrgeizige Sorge: sollte er nicht viel mehr Schlachten für das Christentum schlagen?

Nach zahlreichen Kriegen warten auf Georg bei Granada schließlich einige Schlüsselerlebnisse, die aus dem glühenden Gotteskrieger endgültig einen Zweifler machen, der seine einstigen Ideale immer mehr in Frage stellt…

Ich finds ja besonders charmant, dass Dietrich Weichold sich direkt vor der Haustür  inspirieren ließ und seine Leser nun auf Spuren des schwäbischen Reichsritters Georg mit auf Lesereise nimmt. Nicht nur die Motivation macht den Roman zu einem außergewöhnlichen Lese-Erlebnis, auch die Geschichte selbst liest sich spannend wie ein Krimi.

Dietrich Weichold „Der Flug des Jagdfalken“, 496 Seiten, kartoniert, 14 Euro 90, Silberburg-Verlag

 

 

 

 

 

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