die träne des einhorns

ha2741_bJa, auch Einhörner können weinen! Als das wunderschöne weiße Einhorn aus dem Tal hinter dem Regenbogen von einem Ungeheuer in einen Elfenbeinturm gesperrt wurde, weinte es sogar ganze Bäche, die zu Seen wurden und dann zu einem Meer aus Tränen. Wie konnte das geschehen? Und vor allem: wer kann das Einhorn retten?

Bettina Göschls märchenhaftes Kinderbuch „Die Träne des Einhorns“ beginnt im wahrsten Sinne des Wortes malerisch, denn das Tal hinter dem Regenbogen ist ein fruchtbares Land mit Blumenwiesen und Schmetterlingen, klaren Bergbächen, süßen Früchten und üppigen Feldern.

Illustratorin Leonie Daub bebildert die Idylle mit herzigen Farbillustrationen, die so detailreich sind, dass man sich mit den Bildern genau so intensiv beschäftigen kann, wie mit der Geschichte selbst. Überall auf den großformatigen Seiten gibt es etwas Spannendes und Überraschendes zu entdecken.

Die Menschen im Tal hatten also alles, was sie brauchten und lebten friedlich zusammen, den Kindern war ständig nach Singen und Pfeifen zumute.  Auch abends am knisternden Feuer sangen die Bewohner des Tals ihre Lieder, lachten und erzählten sich Geschichten von den wundersamen Wesen die mit ihnen im Tal wohnten: Feen, Zwerge, Elfen und Kobolde.

Und noch ein geheimnisvolles Wesen wohnte scheu und zurückgezogen im Wald: das liebenswerte Einhorn. Es strahlte so viel Glück und Reinheit aus, dass jeder der es sah, große Freude empfand. So hätte es weiter gehen können! Aber eines Tages besetzte ein gieriges, bösartiges Ungeheuer das Tal.

Es stahl den Menschen alles was sie hatten, brachte Leid, Hunger und Krankheit über die Talbewohner und hielt das sanftmütige Einhorn im Elfenbeinturm auf dem hohen Berg gefangen. Nur durch ein kleines Turmfenster konnte das freiheitsliebende Einhorn das Tal sehen, dessen Bewohnern es nun keine Freude mehr schenken konnte.

Alle konnten die Klage des gefangenen Tieres hören und waren ebenfalls traurig – nur das Ungeheuer weidete sich am Unglück und an den Tränen des Einhorns.  Doch was die Bewohner auch versuchten, sie wurden das tyrannische Biest nicht los. Im Gegenteil. Alle Versuche das Untier zu vertreiben, brachten noch mehr Leid.

Als das Tränenmeer immer größer wurde und fast das ganze Tal überflutete, taucht plötzlich Felix der kleine Ritter auf. Mit einem Schwert aus Holz, einer Rüstung aus Papier, einem mutigen Herzen, mit Köpfchen sowie Tipps von der weisen Fee macht er sich auf, das Einhorn und das Tal hinter dem Regenbogen vom schrecklichen Ungeheuer zu befreien …

Liebevolle Zeichnungen und kindgerechte Texte machen „Die Träne des Einhorns“ schon für  Dreijährige zu einem erlebnisreichen Abenteuer und auch ich war gespannt, wie es mit Felix weiter geht, als er tapfer und aufgeregt zugleich in einem wackligen Fass zur Träneninsel rudert, auf der das Einhorn gefangen ist.

Ein bereicherndes und reichhaltiges Kinderbuch mit einfach erzählter Weisheit und tiefem Sinn, der sich nie in den Vordergrund drängt. „Die Träne des Einhorns“ hat für mich alles, was es braucht, um ein moderner Kinderbuchklassiker zu werden.

Bettina Göschl | Leonie Daub „Die Träne des Einhorns“, 32 Seiten, Hardcover mit durchgehend farbigen Illustrationen, 14 Euro, Jumbo Verlag

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