die schwarze hofmännin – ein bauernkriegsroman

3017_270x172_2053Sie ist eine „einfache“ Bäuerin, doch das hält sie nicht davon ab, für Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen, notfalls auch mit Waffengewalt: als „Schwarze Hofmännin“ geht Margarethe Renner im 16. Jahrhundert in die Landesgeschichte Baden-Württembergs ein.

Mit seinem historischen Roman „Die Schwarze Hofmännin“ widmet ihr Klemens Ludwig jetzt eine späte „Biografie“. Es ist die Zeit, in der sich Unerträgliches und lang aufgestaute Kritik an herrschenden Verhältnissen und deren Vertreter entlädt:

Martin Luther nagelt seine Reformthesen an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg und unter der Flagge des Bundschuhs rotten sich Leibeigene und Bauern zusammen, um gegen die Willkürherrschaft des Adels zu rebellieren.

Schon als kleines Mädchen lernt Margarethe Renner diese Willkür kennen und hassen. Bei einer Hetzjagd des Hans Truchsess von Waldburg verliert ihr Bruder sein Leben – niemand aus der Jagdgesellschaft hielt es für nötig, Hilfe zu leisten, die dem kleinen Philipp sehr wahrscheinlich das Leben gerettet hätte.

Damals ahnt Margarethe noch nicht, dass sie bereits einem ihrer größten Widersacher begegnet ist: Der Truchsess von Waldburg war als besonders glühender „Bauernhasser“ bekannt, der sich selbst als Vertreter der göttlichen Ordnung sah, die es mit allen Mitteln zu verteidigen galt.

Zuerst scheint Margarethes Leben allerdings in einigermaßen „normalen“ Bahnen zu verlaufen. Zwar hält sie sich am liebsten im Wald bei ihrer Freundin, der Hebamme und Kräuterfrau Luise auf und kann sich schlecht in „standesgemäße“ und religiöse Normen fügen, doch schließlich beugt sich Margarethe und folgt der Bedingung ihrer Eltern: sie heiratet den Böckinger Peter Abrecht.

Noch vor ihrer Hochzeit wird Margarethe bei einem Ritual auf dem Michaelisberg von Luise und einigen anderen weisen Frauen „eingeweiht“: sie glauben, Margarethe ist berufen, das „zeitlose Wissen“, das von der Kirche immer heftiger bekämpft wird, zu bewahren und im Geheimen weiter zu geben.

Mit ihrer Initiation nimmt Margarethe dieses Erbe an. Und sie fasst den Entschluss, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, komme was wolle!

Auch nach ihrer Heirat interessiert sich Margarethe mehr für alles, was mit  Bauernrebell Jos Fritz und der Bundschuh-Bewegung zu tun hat, statt für das, was sittsame Frauen normalerweise tun. Doch Peter Abrecht ist ein kluger Kopf und verständnisvoller Ehemann und befürwortet wie seine Frau die „Sache der Bauern“ und die sich anbahnenden Reformen.

So ist es Margarethe möglich, ein Stück ihres Lebensweges gemeinsam mit ihrem Angetrauten zu gehen und bald gehören auch Kinder zur kleinen Familie. Doch der Plan ihrer Eltern, geht nicht auf: auch in der liebevollen Ehe findet Margarethe keine Ruhe. Der Widerstand gegen den Adel und der Befreiungskampf der Bauern scheint das passende Wirkungsfeld ihrer inneren Berufung.

Margarethe und ihr Mann suchen die Nähe aufständischer Führer und schließlich hat Margarethe immer öfter Visionen, die sich direkt auf die politische Bewegung von unten beziehen. Als sie in einer Vision eine Verschwörung erkennt, riskiert sie Kopf und Kragen, um die Aufständischen zu warnen – es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass Margarethe für „etwas Höheres“ ihr Leben aufs Spiel setzt.

Statt ruhiger zu werden, eifert sie immer glühender und hartnäckiger für den Freiheitskampf des Bundschuh und auch was die Beziehung zu Luise angeht, bleibt ihr Mann Peter außen vor. Doch auch er widersetzt sich – wie viele Böckinger – als der Rat der Stadt Heilbronn immer drastischere und willkürliche Forderungen stellt. Eh schon am Rande der Erschöpfung wird er zur Haft im Kerker verurteilt.

Seine Frau setzt alles daran, ihn zu befreien, immer riskanter werden ihre Manöver und längst genießt Margarethe mehr Ansehen als viele Männer. Obwohl Peter auf freien Fuß kommt, erholt er sich nicht mehr von den Strapazen der Vergangenheit: gebrochen an Leib und Seele stirbt er und „all das Wichtige, das im Margarethe noch hatte sagen wollen, blieb unausgesprochen“.

Getroffen vom Tod ihres Mannes, soll sie der Stadt Heilbronn als Ausgleich für den Verlust des Leibeigenen eine Kuh überlassen, Sohn Phillip soll zwei Wochen Frondienst leisten. Das Maß ist voll.

Als Margarethe aufgrund einer Intrige selbst in Haft kommt, bricht sie schließlich alle Brücken hinter sich ab und verschreibt sich endgültig dem Bauernaufstand, der sich immer mehr zuspitzt und schließlich in blutigen Schlachten ausgefochten wird. Mit ihrem Bauernheer wird Margarethe Renner als Schwarze Hofmännin zu einer bekannten Gallionsfigur des Freiheitskampfes im Südwesten des 16. Jahrhunderts.

Bildreich und packend erzählt Klemens Ludwig die gründlich recherchierte Lebensgeschichte einer Frau, die wie kaum eine Zweite aus ihrer Zeit heraus ragt – mit diesem atmosphärisch und emotional dichten Roman wird ein Stück Landesgeschichte hautnah lebendig.

Klemens Ludwig „Die Schwarze Hofmännin“, 352 Seiten, kartoniert, 12 Euro 90, Silberburg-Verlag

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