permakultur & naturgarten

Permakultur-und-Naturgarten_NTg4Mjk3Mw-250x252Von den schönsten Bienen-Geschichten komme ich heute zum „besten“ Bienenfutter: da gibt es erfreulich viele Möglichkeiten, vom Lavendel bis zur Katzenminze – fast wichtiger als die Sorte ist es, dass der Garten so giftfrei wie möglich ist. Im Naturgarten eine absolute Grundregel.

Wer noch einen Schritt nachhaltiger gärtnern möchte, setzt auf Permakultur.
Mit „Permakultur & Naturgarten. Nachhaltig gärtnern mit dem Drei-Zonen-Modell“ hat Markus Gerstl erstmals beide Konzepte in einem Buch vereint.

Der Autor erklärt, wie durch bewusste Gartengestaltung ein Lebensraum für Mensch und Tier entsteht, in dem mit minimalem Geld- und Arbeitseinsatz gesunde Lebensmittel gedeihen, einheimische Tiere und Pflanzen gefördert werden und Nachhaltigkeit durch geschlossene Energie- und Nährstoffkreisläufe entsteht.

Auch beim Werkzeug gilt das Minimalgebot: wichtigstes „Werkzeug“ im Hortus sind die eigenen Hände. Zudem kommen Sense, Sichel und Sauzahn zum Einsatz. Unkrautstecher, Erdsieb und Gießkanne sind weitere Hilfsmittel, mit denen der „Permakulteur“ seinen geschlossenen Naturkreislauf erschafft, in dem Nichts von Außen zugegeben, noch weg gegeben wird.

„Durch die Gliederung des Gartens in drei Zonen – Puffer-, Hotspot- und Ertragszone -, die ideal Zusammenwirken, gelingt dieser geschlossene Kreislauf, der Arbeitsaufwand minimiert und Ressourcen schont“, so Markus Gerstl.

Hortus nennt Markus Gerstl so ein Gartenparadies, das mit Superbeeten, Naturmodulen, „selbst gemachter Erde“, Mulchwurst und Komposttoilette so gestaltet werden kann, dass sich Vielfalt, Schönheit und reiche Ernten im wahrsten Sinne des Wortes ganz natürlich ergeben und gegenseitig bedingen.

Mulchwurst und Komposttoilette mögen auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig anmuten, gehörten noch vor 100 Jahren aber völlig selbstverständlich dazu. Ganz ehrlich: bei meiner jetzigen Gartensituation wäre ich mit der Einrichtung einer Komposttoilette schon etwas überfordert.

Trotzdem: ich möchte so viel wie möglich aus den Naturgarten- und Permakultur-Konzepten umzusetzen – Verschwendung vermeiden, Bodenfruchtbarkeit erhalten, bewusst mit Tiere und Pflanzen umgehen, auch wenn es wie der Tropfen auf den heißen Stein erscheint. „Die gesamte Vernetzung aller unterstützt und fördert Stabilität“, so Markus Gerstl.

Im Idealfall betreuen Gärtner ihren Hortus ihr ganzes Leben lang und erfahren so einzigartiges Gärtnerglück, einen „Prozess von Lernen und Staunen, der Wahrnehmung des Wandels der Jahreszeiten und dem Gedeihen von Tieren und Pflanzen. Mit dem Älterwerden wachsen unsere Erfahrung und Kenntnis dieser Wunderwelt“.

Da wir alle Gurken in Plastikfolie und in Schalen abgepackte Tomaten aus dem Supermarkt gewohnt sind, können wir uns einfach mal vorstellen, wie es wäre, wenn wir nach einem Schiffbruch oder Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel im Ozean stranden.

Mit diesem Bild entwickelt Markus Gerstl das Modell der Puffer-, Hotspot- und Ertragszonen, die unterschiedliche Hauptfunktionen erfüllen, wie Schutz, Lebensmittel-Ertrag oder Gewinnung von organischem Material. Entsprechend werden die Zonen bepflanzt, gestaltet und gepflegt.

Damit komme ich zum kleinen Manko des Buches: Anfänger erfahren zwar viel über das Pinzip des hortanen Gärtnerns, wie man eine Mulchwurst dreht, eine Kräuterspirale baut oder ein Vulkanbeet anlegt, einen umfassenden Überblick und Basiswissen zum Naturgarten, zur Permakultur mit Tierhaltung und sogar über die drei Zonen selbst, gibt dieses großzügig und ansprechend bebilderte Buch allerdings nicht.

Für Gärtner, die einfach gerne ausprobieren eignet sich das Buch trotzdem ideal, denn es kann im Grunde nichts schief gehen, wenn man einfach seinen vorhandenen Garten mit einem Kartoffelturm- oder Kraterbeet, einer Steinpyramide, mit Nisthilfen, Sandarium oder einer Wurzelskulptur bereichert und damit neue Lebensräume schafft. Im Gegenteil.

Gerade wer kaum Zeit für eine sofortige und völlige Umgestaltung des eigenen Gartens hat oder wenig Fläche hat, kann sich aus dem Buch genau die Elemente rauspicken, die mühelos in den eigenen Garten zu integrieren sind. Willkommener Nebeneffekt: vor allem kleine Gärten profitieren von der zusätzlichen Fläche, die beispielsweise durch vertikale Beete entsteht.

Im letzten Kapitel stellt Markus Gerstl Permakultur-Gärten aus dem Hortus-Netzwerk vor, die ebenfalls zum Gestalten inspirieren. Wer weiterlesen oder gleich loslegen möchte, findet Bezugsquellen und Literaturtipps im Anhang.
Jetzt ist auf jeden Fall die beste Zeit, im Garten neue Impulse zu setzen. Viel Spaß und Erfolg wünsche ich!

Markus Gastl „Permakultur & Naturgarten. Nachhaltig gärtnern mit dem Drei-Zonen-Modell“, 168 Seiten mit 120 Farbfotos, Flexcover, 26 Euro 95, Ulmer Verlag