zero waste: weniger müll ist das neue grün

COVER_ShiaSu_ZeroWaste_2018_FRONT_web_600x600Wir feiern Verpackungsorgien! Wenn ich mir anschaue, wie schnell so ein Gelber Sack sich füllt, wird mir manchmal ganz schwindlig und ich frage mich: ist dieser ganze Verpackungsmüll wirklich nur von mir? Da ich Single bin, ist es wohl so.

Mich reut es, all diese wertvollen Recycling-Rohstoffe wegzuwerfen, die, wie wir immer öfter erfahren, zum großen Teil gar nicht recycelt sondern weiß Gott wohin verkauft werden.

Leider ist der nächste Unverpackt-Laden im Stuttgarter Westen und das ist mit Bus und S-Bahn eine kleine Weltreise. Ich mach ja schon aus ganz anderen Gründen viel selbst – Cremes zum Beispiel,  Combucha, Brot und vieles mehr. So fällt zwar weniger Müll an, wie im Durchschnitt. Trotzdem bin ich wirklich beeindruckt vom Cover des Buches Zero Waste:

Auf dem hält Autorin und Bloggerin Shia Su nämlich ihren Jahresmüll ins Bild – und der passt in ein kleines Einmachglas! Zuerst dachte ich, das ist bestimmt ganz schön aufwendig, aber von Seite zu Seite merkte ich: das kann ich locker auch! Und am Ende bleibt sogar viel Zeit und Geld übrig.

Okay, wir reden hier von nicht recycelbarem Müll, dazu kommen Altpapier, Flaschen, Gläser, Metall und Biomüll, aber auch dafür gibts tolle Ideen. Hier kommt zum Beispiel die „alte Zeit“ ins Spiel, die oft ja eher grauslig war, im Falle von Zero Waste aber tatsächlich einiges Gutes zu bieten hat, denn trotz des Anglizismus reden wir nicht von einem neuen Trend, sondern zum großen Teil von einer Rückbesinnung auf früher:

Noch vor einigen Jahrzehnten hat im Grunde jeder Haushalt Zero Waste gelebt  es war nomal, Mehl und Nudeln in Papier verpackt zu kaufen und zuhause ins Vorratsglas zu füllen. Es war normal, Seife zu verwenden statt flaschenweise Plastikmüll zu produzieren. Und es war selbstverständlich, dass repariert wurde, was zwar kaputt gegangen, aber instand gesetzt noch viele Jahre verwendet werden konnte.

Heute sind wir statt dessen mit „kollektiver Müllblindheit“ geschlagen, wie Shia Su schreibt. Und ich geb ihr Recht. Augen zu und raus in die Tonne, was weg ist, ist weg und alles andere meist schnell verdrängt. Doch auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen auf ständiges Wachstum zu setzen, ist der Systemfehler, der auch hinter verlockenden Verpackungen steht. Und unsere Müllberge sind mittlerweile ein immer ernsteres Symptom.

Wir glauben ernsthaft, Konsum macht glücklich und manchmal tut er das auch. Vor allem aber verschwenden wir dabei kostbare Ressourcen – nur für die Tonne! Ganz davon abgesehen, dass unglaublich viel Müll in Meeren landet und zum Tod vieler Vögel und Fische führt. Die Verbraucher schiebens auf die Hersteller, die wiederum sagen, sie können zu den geforderten Preisen nicht nachhaltig produzieren.

So kommen wir zu keiner Lösung. Genau deshalb ist Shia Su’s Buch so wertvoll: es liefert machbare Tipps, den eigenen Müllbeitrag auf ein Minimum zu reduzieren und vieles davon macht sogar richtig Spaß. Reduce, Reuse, Repair, Recycle sind einige Schlüssel zum fast müllfreien Leben und jeder kann für sich noch viele weitere R’s entdecken, ohne wirklich auf etwas verzichten zu müssen.

Am besten begreift man Zero Waste als Lebensstil und der ist nicht nur stylish, weil puristisch, sondern auch gesünder: durch plastikfreien Einkauf und selber machen fallen Schadstoffe wie Phthalate und Bisphenol A weg. Aggressive Reiniger und Mikroplastik in Cremes, Shampoos und Duschgel sind ebenfalls passé und statt Junkfood und Fertiggerichte kommen unverarbeitete, frische Lebensmittel auf den Tisch.

Ganz nebenbei spart Zero Waste eine Menge Geld. Das man beispielsweise für Bio-Lebensmittel ausgeben kann. Denn viele Fertiggerichte, Spezialreiniger und unzählige angeblich notwendige Pflegemittel kosten mehr, als man im Einzelfall wahrnimmt. Mehrweg statt Einweg macht sich ebenfalls in blanker Münze bemerkbar. Und wir wissen eigentlich schon lange: wer billig kauft, kauft am Ende teurer.

Jetzt aber los! Am Anfang steht die Bestandsaufnahme: Rethink!  Lern Dich selbst und Deinen Müll kennen, rät Shia Su und empfiehlt, eine Müll-Analyse. Eine Woche lang wird konsequent Müll gesammelt, auch der, den man unterwegs wegwerfen würde. Entweder haptisch im Müllbeutel oder fotografisch mit dem Handy.

Dann kommt die Auswertung: was fällt am häufigsten an – Coffe-to-go-Becher, Brot- und Pizzaverpackungen oder Verpackungs-Folie und Pralinen-Schachteln? Sind die Problemzonen einmal erkannt, kann man sie in den Griff bekommen!

Essen selber kochen und mitnehmen, lose Ware im Fachgeschäft, beim Griechen um die Ecke, auf Märkten oder im Asialaden kaufen, Werkzeuge leihen oder mit Verwandten und Nachbarn anschaffen und natürlich selber machen geht schneller als man denkt und fühlt sich auf lange Sicht viel besser an!

Ob Zahnpflege, Kleidung, Haushalt oder Unterwegs: in ihrem pfiffig gestalteten Buch geht Shia Su jeden Lebensbereich durch, beleuchtet Kleinigkeiten, die schnell zur Routine werden, hat Rezepte parat, gibt Tipps, welche Einkaufsbasics sinnvoll sind, wie man VerkäuferInnen und KellnerInnen freundlich mit einbezieht und am Ende fast müllfrei, dafür selbstbestimmter leben kann. Und plötzlich mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben hat.

Auf ihrem Blog wastelandrebel gibts noch mehr Motivation, Alternativen und Tipps – beispielsweise zum Strom sparen – sowie eine Zero Waste-Karte mit Geschäften, in denen man verpackungsfrei einkaufen kann. Außerdem beantwortet Shia Su häufig gestellte Fragen und verlinkt zu anderen Zero Waste-Bloggern. Also nichts wie rein, ins (fast) müllfreie Leben!

Shia Su „Zero Waste. Weniger Müll ist das neue Grün“, 160 Seiten mit zahlreichen Farbfotos, broschiert, mit Zusatzinfos und Videos über Freya-Bücher-App, 14 Euro 90, Freya Verlag

 

 

 

Werbeanzeigen