die kunst des wegwerfens

Die-Kunst-des-WegwerfensFür alle, die nicht nur Müll einsparen, sondern auch mal ordentlich ausmisten möchten, hab ich noch einen Buchtipp: „Die Kunst des Wegwerfens“ von Nagisa Tatsumi beleuchtet das Thema Ausrangieren und Ordnung halten aus spannenden und überraschenden Perspektiven.

Es geht nicht ums bloße Wegwerfen – es geht darum zu erkennen, warum wir trotz teilweise maßlosem Überfluss, ständig neue Sachen anhäufen. Welche psychologischen Hintergründe unser Verhalten hat, welche wirkungsvollen Strategien helfen, weniger zu horten um dafür Dinge bewusst in Gebrauch zu nehmen und mühelos Ordnung zu halten.

Dabei hält sich die Autorin nicht mit „Kleinigkeiten“ wie Unterwäsche falten auf, dafür gibt es erfolgreiche Kollegen, nein, Nagisa Tatsumi hilft dabei, die längst überfällige Entrümpelung endlich anzugehen, sich von unnötigem Ballast zu befreien und dadurch mehr Leichtigkeit ins Leben zu holen.

„Sachen auszurangieren scheint ein grundsätzliches Problem zu sein“, schreibt sie im Vorwort und kommt schnell zur Kernfrage des Buches: „Was brauche ich wirklich?“ Denn nicht nur wir halten unseren Besitz fest, die Dinge haben auch uns im Griff: fast zwanghaft schaffen wir Berge „nutzloser“ Gegenstände. Verlustängste ziemlich sicher inbegriffen.

Nicht selten nerven uns Stapel von Büchern und Zeitschriften, die im Weg liegen, aufbewahrte Klamotten, die uns ständig ans vermeintliche Idealgewicht erinnern, „praktische Sets“ und Haushaltshelfer, die vor allem den Schrank füllen, statt die Arbeit zu erleichtern und in zahlreiche Erinnerungskisten wollen wir schon gar nicht mehr rein schauen, weil wir längst den Überblick verloren haben. Oder Tante Irmgard eigentlich nie so richtig leiden konnten.

Mehr Stauraum oder Lagerplatz ist nur kurzfristig eine Lösung! Bestimmt hat jeder schon seufzend beobachtet, wie sich der neue Schrank ruckzuck mit neuen Sachen füllt. Warum fällt es uns so schwer, uns von unnötigen Dingen zu befreien? Da ist zum einen die Scheu vor Verschwendung, die vor allem noch die Nachkriegsgeneration gelebt und weiter gegeben hat. Aber ist nicht gerade sinnloser Überfluss Verschwendung?

Keine Frage: es ist ein Genuss, sich mit schönen Dingen zu umgeben und achtsam damit umzugehen! Aber bei allem, was mir dauernd im Weg liegt oder im wahrsten Sinne des Wortes einfach nur den Durch- und Überblick versperrt, kann ich ja mal darüber nachdenken. ob ichs lieber recycle oder jemand anderem zukommen lasse, der es tatsächlich nutzen wird.

Die Formel, um das zu ändern ist eigentlich ganz einfach und hat sich sogar bei mir schon bewährt: „Behalten Sie die Dinge, die Sie gebrauchen, und sortieren sie alles aus, was nicht in Benutzung ist“, rät Nagisa Tatsumi. Das klingt radikal, ist aber machbar. Und mal ehrlich: wie oft kam es vor, dass wir etwas weggegeben und später wirklich bereut haben? Ich kann die „Fälle“ an einer Hand abzählen.

In rund 20 Kapiteln geht Nagisa Tatsumi alle Bereiche durch, in denen überflüssiges Zeugs anfällt, erklärt die Ursachen und gibt Tipps, wie man es loswird. „Keine Angst vor später Reue'“, lautet zum Beispiel eine Stratgie, „Nichts zwischenlagern – jetzt entscheiden“ eine andere. Außerdem sollte beim Ausmisten erst mal nichts heilig sein wir sollten uns klar werden, dass „eines Tages“ eher selten kommt.

An vielen Stellen im Buch fühlte ich mich „ertappt“ und musste spontan lachen, an anderen Stellen eher schlucken – vor allem wenns um Bücher und Zeitschriften ging. Alle KunsthandwerkerInnen, PapierliebhaberInnen und Bastelwütigen werden wissen, wovon ich rede. Aber: wir nehmen unsere „Schätze“ ja in Gebrauch und machen was draus, sie dürfen also bleiben!

Ist die Bude erstmal auf ein erträgliches Maß ausgeräumt, gehts darum, langfristige Strategien zu entwickeln, damit sich nicht in Windeseile wieder Neues anhäuft. Regelmäßig ausrangieren lautet die Devise und dafür kann man verbindliche Regeln aufstellen. Zum Beispiel wird entsorgt, wenn eine bestimmte Menge erreicht oder eine bestimmte Zeitspanne um ist.

Außerdem kann das Ausmisten nach Zuständigkeiten oder Bereichen aufgeteilt werden: er achtet darauf, dass Sideboard, Couch- und Esstisch ordentlich bleiben, sie checkt die Vorrätsschränke und fragt, ob diese Zeitschrift oder der Katalog noch gebraucht wird. Wers bis dahin geschafft hat, ist durch einen spannenden Lernprozess gegangen. Wer gerade beim Lesen schon mulmige Gefühle spürt, darf jederzeit ganz klein anfangen.

Und muss auch nicht alle Tipps aus dem Buch umsetzen. Hauptsache, der Anfang ist mal gemacht. Wer erst einmal erlebt hat, dass Loslassen wirklich zu Hochgefühl führen kann, will es immer wieder tun. Und wird dabei immer wagemutiger. Gerade in Zeiten digitaler Rechnungen müssen beispielsweise Aktenordner nicht überquellen und Belege alle Schubladen füllen oder? Da wäre mal ein guter Ansatz.

Wie Innen, so Außen – es lohnt sich wirklich, Ordnung ins Leben zu bringen. „Die Kunst des Wegwerfens“ wurzelt dabei tief im japanischen Minimalismus und schärft den Blick für Dinge, die uns wirklich glücklich machen!

Nagisa Tatsumi „Die Kunst des Wegwerfens. Wie man sich von unnötigem Ballast befreit und dadurch mehr Freude am Leben hat“, 160 Seiten, kartoniert, 16 Euro 80, Unimedica im Narayana Verlag

 

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