georg wittwers „schrottanik“

kde_2Wo wir gerade beim Ausmisten, Re- und Upcyceln sind: der Bildhauer Georg Wittwer hat einen ganz eigenen Weg gefunden, mit dem Werden und Vergehen der Dinge umzugehen – er verwandelt sie in „Schrottanik“.

Heißt konkret: Georg Wittwer verbindet zwei augenscheinliche Gegenpole, Schrott mit Botanik, und stellt in seinem Garten skurrile Skulpturen aus. In der Reihe „Künstler der Eifel“ erschien nun ein Bildband über den Künstler aus Bereborn.

Auch Fundstücke vom Schrottplatz lagern hier, umwuchert von vitalen Rosen, die in allen Farben blühen. Rechen, Schaufel, Hacke und Besen zieren die Helme einer wackeren kleinen Armee von Blechsoldaten, „Kugelenten“ schnattern um die Wette, außerdem bevölkern zahlreiche „Bagbirds“ das Anwesen des Künstlers: urkomische Vogelskulpturen aus alten Handtaschen und Metallteilen.

Eine leere Weichspülerflasche wird bei Georg Wittwer zum Körper eines grazilen Marabus und aus unbrauchbaren Reservekanistern entsteht eine ganze Ziegenherde. Zahllose Hufeisen wurden um einen Baumstamm drapiert und ragen nun als meterhoher, palmenförmiger Feuerkorb in den Himmel. Selbst Anlaufklumpen aus Maschinen der Kunststoffindustrie verarbeitet der 1959 geborene Meisterschüler von Tony Gragg zu Hühnern und anderen schrägen Vögeln.

Keine Frage: Georg Wittwer hat Ideen. Und Humor. Er ist fasziniert von der „Kuriosität des weggeworfenen, verworfenen und verbrauchten Materials des stetig produzierenden Menschen, wie von dessen eigenwilliger Beziehung zu einer wachsenden, blühenden und schöpferischen Natur“, schreibt Herausgeber Dr. Tim Becker über Wittwers Motivation, die Konsumwelt immer wieder aufs Neue vorzuführen.

„Unzählige Menschen sind damit befasst, unnütze Dinge zu erschaffen: Palettenweise gehen Waren in die Läden, laden zu Konsum ein – und sind bereits Schrott vor dem Moment ihres Verkaufs“, so Tim Becker. „Die Natur käme nie auf eine solche Idee. Und aus der Absurdität dieses Handelns erwachsen die Geschöpfe dieses Buches. Klar, Frech. Erfinderisch.“

Mit ästehtisch inszenierten Fotos zeigt das aufwendig ausgestattete und druckveredelte Buch einen Querschnitt durch Georg Wittwers Haus, Garten und seine teilweise morbiden Werkserien. Die luftig-leicht zusammen gestellten und oft knallbunten Bilder werden immer wieder mit Zitate des Künstlers ergänzt. Auch einige seiner „entlarvenden“ Glasbausteine sind zu sehen.

Neben Schrott verarbeitet Georg Wittwer auch Naturmaterialien, zum Beispiel Eichenstämme, die nun einen „Sarracenia-Hain“ bilden. Muse war in diesem Fall die gleichnamige fleischfressende Schlauchpflanze, die den Künstler inspirierte. Eine Werkgruppe die deutlich macht, dass Wittwers Arbeiten immer „wieder in die Natur zurück fließen“, wie er es nennt.

Georg Wittwer stellt auf der ganzen Welt aus und wird von der Galerie Udo Schmidt in Lüdenscheid vertreten. Es ist reizvoll, spannend, überraschend und amüsant, sich auf seine „hintergründig-schrottesken“ Arbeiten einzulassen und in dieser „Ausstellung in Buchform“ kommen sie auf einzigartige Weise zur Geltung!

Dr. Tim Becker (Hrsg.) „Schrottanik. Künstler der Eifel Bd. 2“, 100 Seiten durchgehend farbig, Hardcover, 24 Euro 90, Eifelbildverlag / Imprint bei Kraterleuchten

 

 

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