hütten². neue sehnsuchtsorte in den alpen

90616_01_PLC_ok.inddSo wie’s aussieht, fällt der Altweibersommer hier in diesem Jahr aus und das Wetter startet mit etwas kühleren Temperaturen gleich in einen – hoffentlich goldenen – Herbst. Das freut vor allem Wanderer, die sicher schon die eine oder andere Tour geplant haben. Wer noch Inspiration braucht: der großformatige Band „Hütten ²“ von Bernd Ritschel, Frank Eberhard und Sandra Freudenberg stellt einige „Wolkenhäuser ins Glück“ vor!

Eine meiner schönsten Wanderungen war die Besteigung des Großvenedigers und ich weiß noch genau, welche Glücksmomente mir der Anblick des Deffreggerhauses, eine der ältesten und höchstgelegenen Hütten in Osttirol, damals bescherte!

Ich bin niemand, der mehrtägig von Hütte zu Hütte wandert, aber ich kann mir vorstellen, in so einem Fall potenzieren sich die Glücksmomente beim abendlichen Anblick der alpinen Übernachtungsmöglichkeiten. „Atemberaubende Refugien an magischen Plätzen der Alpen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien“, versprechen die Autoren auf der Rückseite ihres Buches, und ja:

Allein die wunderbaren Fotos der 30 Hüttenportraits wecken Sehnsucht nach bizarren Felslandschaften, duftenden Blumenparadiesen, kristallklaren Bergseen und pfeifenden Murmeltieren. Ob „riesiges Haus“ am beliebten Fernwanderweg oder kleine Selbstversorgerhütte in eher unbekannten Gefilden:

Für ihr Buch wählten die Autoren lauter Hütten, die „um ihrer selbst willen ein lohnendes Ziel sind und nicht nur eine Zwischenstation auf einer Weitwanderung oder Sprungbrett zu einem namhaften Gipfel“. Zu manchen führen breite Wege – beispielsweise zur Blaserhütte in den Stubaier Alpen -, andere setzen einen schweißtreibenden, anspruchsvollen Aufstieg voraus.

Die Buchmacher selbst erwanderten für ihr Werk übrigens insgesamt 35 000 Höhenmeter und sortierten rund 30 000 Fotos. Für den Fotograf waren die Nächte angeblich kurz, denn Bilder bei Sonnenauf- und untergang waren Pflicht und sind die Perlen des großformatigen, 240 Seiten starken National Geographic-Bildbandes.

Jedes Portrait stellt den charakteristischen Charme der vorgestellten Hütte in den Mittelpunkt, Hüttenwirte erzählen aus ihrem Alltag und Besucher, warum sie diese Hütte lieben. Am Ende jedes Kapitels gibt es weitere lohnenswerte Hüttenziele als Kurzportraits. Zitate und Aphorismen rund ums Thema Wandern und Natur ergänzen Bilder und Texte.

Den Auftakt machen Hütten in den deutschen Alpen wie das Waltenberger Haus, das sich in den Tiefen der Allgäuer Berge an steile Felshänge schmiegt. Die Hütte präsentiert sich „radikal“ modernisiert und begeistert nicht nur Besucher, sondern auch den Hüttenwirt Markus Karlinger und seine Familie.

In der familiären Atmosphäre der Weilheilmer Hütte im Estergebirge entstehen regelmäßig Wanderfreundschaften und auf der Brunnsteinhütte in Mittenwald lädt Hüttenwirt regelmäßig zu Blue-Grass-Band-Konzerten ein. Besonders schöne Ausblicke auf die Watzmann-Westseite genießen Wanderer von der Blaueishütte, die am nördlichsten Gletscher der deutschen Alpen liegt.

Das zweite Kapitel ist Hütten in Österreich gewidmet. Besonders reizvoll: die Drei-Hütten-Runde zum Hochjochspiz, zur Vernagthütte und zur Breslauer Hütte. Ein echter Geheimtipp ist die Erlanger Hütte, die malerisch am Wettersee liegt. In Kapitel drei dreht sich alles um Schweizer Hütten wie die kleine Schönbiehlhütte, die sich fast rührend vor dem Matterhorn-Massiv behauptet.

Ein schöner Schluss ziert alles: mit Kapitel vier und elf ausgesuchten italienischen Berghütten endet das traumhaft schöne Buch. Auch auf der Zwickauer Hütte gibts bisweilen Hüttenblues, den wohl schönsten Blick auf den Gardasee haben Besucher rund ums Rifugio Altissimo Damiano Chiesa, und wer die Dolomiten liebt, geht im Schlernhaus fast auf Tuchfühlung mit den Zacken, Graten und Wänden aus hellem Kalk.

Eine doppelseitige Übersichtskarte erleichtert die Orientierung und hilft bei der Routenplanung. Ebenso die Hütteninfos mit Höhe, Anzahl der Schlafpätze, Kontaktdaten sowie Karten-, Anfahrts- und Zustiegsempfehlungen

Das Schlusswort geb ich Ludwigs II. von Bayern, der um 1872 schon wusste: „Für zahllose Menschen wird eine Zeit kommen, in der sie sich nach einem Lande sehnen und zu einem Fleck Erde flüchten, wo die moderne Kultur, Technik, Habgier und Hetze noch eine friedliche Stätte weit vom Lärm, Gewühl, Rauch un Staub der Städte übrig gelassen hat.“

Frank Eberhard, Sandra Freudenberg, Bernd Ritschel „Hütten ². Neue Sehnsuchtsorte in den Alpen“, 240 Seiten, Hardcover, 49 Euro 99, NG Verlag im Verlagshaus24