windkraft-industrieprojekt goldboden genehmigt – klage eingereicht!

kein windpark auf dem schurwald!

PRO SCHURWALD

Am 02. Dezember 2016 hat das Landratsamt Rems-Murr-Kreis (Waiblingen) das Windkraftprojekt der EnBW am Goldboden bei Manolzweiler genehmigt. Die Genehmigung erfolgte einen Tag nach Ablehnung unserer Petitionen durch den Landtag und noch „rechtzeitig“ vor der Reduzierung der EEG-Subventionen zum 01. Januar 2017.

Die EnBW darf nun drei Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von 230 Meter (Nordex N131 / 3.300) nördlich der Kreisstraße 1209 (Kaisersträßle) bauen.

Die Bürgerinitiative PRO SCHURWALD hat sich mit professioneller Unterstützung der Kanzlei Caemmerer Lenz mit zahlreichen Einwendungen in das Genehmigungsverfahren eingebracht.

Leider war der politische Druck so groß, dass die Genehmigung in Rekordzeit noch vor der Absenkung der EEG-Subventionen erteilt wurde. Deshalb bleibt jetzt nur der Klageweg.

Angeordnet wurde die „sofortige Vollziehung“; die EnBW darf also sofort mit den Bauarbeiten beginnen. So wurden noch vor Weihnachten die Bäume gefällt.

Der große Widerstand der Bürgerinnen und Bürger begründet den Sofortvollzug; man möchte der…

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was denkt meine katze?

9783440154595_600x600Mein Kater und ich sind echte Soulmates und ich glaube, er unterstützt mich in vielen Dingen: „Kauf das T-Shirt ruhig, Du hast es Dir verdient und es passt so gut zu dieser blauen Strickjacke“ – so oder ähnlich schnurrt er mir bisweilen beruhigend ins Ohr und erleichtert mitunter schwere Entscheidungen.

Ja, das ist natürlich geschwindelt! Trotzdem habe ich das Gefühl, wir kennen uns schon ganz schön gut und verstehen uns meist ohne Worte. Funktioniere ich mal nicht richtig, unterstreicht er seine Forderungen neuerdings mit beharrlichem, gar nicht süßem Gemaue. Oft genug bin ich allerdings richtig ratlos, was er mir gerade sagen möchte.

Deshalb war ich so neugierig auf das Buch „Was denkt meine Katze?“ – vor Kurzem im Kosmos Verlag erschienen, erklärt es mit vielen tollen Farbfotos, was in Katzen vorgeht, wenn sie entsprechende Mimiken und Körperhaltungen zeigen oder andere Signale aussenden. Denn Katzen – so die Autorin Brigitte Rauth-Widmann – lügen, entgegen vieler gegenteiliger Behauptungen, eben nicht!

Nun sind Katzen ja nicht blöde und wissen ziemlich schnell, wie sie mit bestimmten Verhalten ihre Ziele erreichen. Da ist ein bisschen Strategie und Diplomatie durchaus erlaubt. Außerdem ist jede Katze ein ausgeprägter Individualist mit eigener Persönlichkeit, charakteristischen Anlagen, Vorlieben und Fähigkeiten. Doch im Grunde zeigen sie alle in jeder Situation klar und deutlich, was sie zu sagen haben und wir können sie verstehen, wenn wir genau hinschauen.

Am Anfang gehts zuerst mal um typisches Katzenverhalten: die vielzitierte Katzenwäsche gehört da ebenso dazu wie langes Schlafen, ausgiebiges Stretching, Sonnenbaden, große und kleine „Geschäfte“. Wir lernen, dass Katzen Rückzugsorte brauchen, dass sie faszinierend-geschickte Kletter-Akrobaten sind und auf leisen Sohlen und mit scharfem Blick ihre Beute fangen.

Im zweiten Kapitel gehts um „Katzen unter sich“: so riechen Katzen an einem Busch nicht nur eventuelle Blüten oder Früchte, sondern auch ganz deutlich, welcher Eindringling hier vor Kurzem mit Pheromon-Molekülen seine Duftspuren hinterlassen hat. Begegnen sich Katzen auf der Straße oder auf der Wiese, spielen Düfte ebenfalls eine wichtiege Rolle: mit Nasenstübern, Ablecken und Geruchskontrollen gehen sie auf Tuchfühlung und haben schnell raus, ob sie sich riechen können oder lieber aus dem Weg gehen.

Ihre Krallen pflegen Miezen, in dem sie hingebungsvoll diverse Untergründe bearbeiten, vorzugsweise Baumrinden, aber auch raue Sofabezüge oder Teppiche sind sehr willkommen! Und: Katzen sind Showtiere, die sich gerne beim Markieren beobachten lassen.

Während Katzen untereinander also nicht viele Worte brauchen, um klar zu machen, wer der Stärkere und was sonst so zu tun ist, bringt uns das Kapitel „Miez und Mensch“ teilweise ganz normales komisches Katzenverhalten näher. Einmal traf ich meinen Kater überraschend, als er in einer hohen Sommerwiese saß. Erfreut rief ich seinen Namen und ging ein paar Schritte auf ihn zu, er allerdings ging ein paar Tapser zurück.

Zuerst konnte ich gar nicht glauben, was ich sehe und ging noch ein Stück in die Wiese. Und wieder zog sich mein Kater zurück. Ich war schwer konsterniert! Sollte das wirklich der Kater sein, der mir schmusend auf dem Rücken liegt und am liebsten in meinem Bett schläft? Dann kam ich drauf: er hatte wohl gerade Wichtigeres zu tun und vermutlich Angst, dass ich ihn mit nach Hause nehme.

Soweit meine Erklärung. Oft ist es auch so, dass sich Katzen, sobald sie aus dem Haus sind, ganz nach Instinkt verhalten und da kann schmusen zum falschen Zeitpunkt verheerende Folgen haben. Nun, wir haben das geklärt und mittlerweile begrüßt mich Sam auch außer Haus mit freundlichem Hallo.

Wann Katzen Lust auf Gespräche haben und wann nicht, ob sie gut gelaunt sind, wie sie Angst zeigen und Signale für den Angriff geben ist ebenfalls Thema, genau so wie ihr Spielverhalten. Augen, Schwanz und Schnurrhaare sind gut erkennbare Indikatoren.

Ein Extrakapitel ist Katzenkindern gewidmet. Die sind vor allem ganz schön neugierig und wollen ihre Welt erobern. Da ist es sicher hilfreich, ihr Pionier- und Sozialverhalten ein bisschen genauer zu kennen!

Allein der tollen Fotos wegen, wird dieses Buch wohl jedem Katzenbesitzer und -liebhaber gefallen. Und die Infotexte in gut verdaulicher Häppchen-Länge geben spannende Einblicke in die Welt unserer Fellgeschwister.

Ein besonders tolles Kompliment hat mein Kater übrigens neulich von einer älteren Dame bekommen, der ich ein Foto gemailt hatte: „Der schaut so gescheit, dass man denkt, ein Mensch guckt einen an“, sagte sie. Und manchmal denke ich das wirklich auch!

Brigitte Rauth-Widmann „Was denkt meine Katze? Katzenverhalten auf einen Blick“, 96 Seiten mit 180 Farbfotos, broschiert, 10 Euro, Kosmos Verlag

essbare wildpflanzen – bestimmen, sammeln, zubereiten

cover-neu-12-wp-2017-1004x6Stellt Euch einfach mal vor: morgen haben – aus welchem Grund auch immer – sämtliche Supermärkte geschlossen. Und übermorgen auch. So richtig klar ist nicht, wann sie wieder öffnen und Eure Vorräte gehen zur Neige…Sind wir nicht gewohnt, stimmt, ist aber möglich. Was essen wir dann? Zum Beispiel Wildkräuter!

Wer Brennessel, Giersch und Gänseblümchen schon auf dem Speisezettel hat, wird nicht erst auf einen möglichen Tag X warten, sondern die leckeren Grünlinge regelmäßig mit Lust und Freude auf der nächsten Streuobstwiese, am Waldrand oder im eigenen Garten sammeln. Denn außer Notration für alle Fälle oder Superfoods für schmale Geldbeutel, sind Wildkräuter auch gute Lieferanten für gesunde Pflanzenstoffe, Vitamine und Spurenelemente.

Brennesseln zum Beispiel versorgen den Körper mit einer großen Portion Kalzium und Provitamin A, Giersch bringt jede Menge Eiweiß mit und ist reich an Kalium. In seinem Buch „Die 12 wichtigsten essbaren Wildpflanzen – bestimmen, sammeln und zubereiten“ stellt Dr. Markus Strauß oft unliebsames „Unkraut“ ins rechte Licht.

Während selbst gesammelter Bärlauch immer öfter den Weg ins Pesto-Glas findet, sind Breitwegerich und Gänsedistel als Küchenkraut noch eher unbekannt. Dabei steht gerade die gelbblühende Gänsedistel fast das ganze Jahr zur Verfügung und eignet sich für Salate, Aufläufe oder Gemüsegerichte. Sie besitzt ähnliche Inhaltsstoffe wie die verwandte Mariendistel und ist regelmäßig genossen eine Wohltat für die Leber.

Wer seinen Atemwegen etwas Gutes tun möchte, sammelt beispielsweise Knoblauchsrauke – sie hat ihren Namen nicht von ungefähr, denn ihre Blätter schmecken frisch verzehrt ganz eindeutig nach Knoblauch. Auch Vogelmiere, Löwenzahn, Gäsenblümchen, Weidenröschen, Wiesen-Klee und Labkraut bekommen ein eigenes Portrait in Straußens Buch, das neben Wuchs, Aussehen und Inhaltsstoffen jeweils Tipps zum Sammeln und Rezepte beinhaltet.

Die Rezepte kommen ohne Gramm-Angaben aus und sind vor allem als Anregung für eigene Kreationen gedacht. Ich esse Giersch und Knoblauchsrauke gleich frisch gezupft aus dem Garten, hin und wieder kommt eine Brennessel in den Apfelsmoothie. Allerdings sieht der Brennesselkuchen im Buch so lecker aus, dass ich demnächst nochmal die dicken Handschuhe anziehe und einen Bund der wehrhaften Nesseln reinhole – ich bin jetzt schon gespannt, wie sie als deftige Backzutat schmecken!

Übrigens: ganz nebenbei sind Wildkräuter eine gute Möglichkeit, zum Ursprünglichen zurück zu kehren, den unmittelbaren Zugang zur Natur zu finden. Selbst sammeln statt Vorgefertigtes konsumieren, draußen sein und Neues entdecken, macht Spaß und inspiriert. Dazu brauchts nur einen Korb oder Stoffbeutel, eventuell ein Messerchen und wer sich (noch) nicht sicher ist, nimmt beim nächsten Spaziergang einfach den handlichen Wildpflanzenführer von Markus Strauß mit.

So lassen sich auch leckere Vorräte anlegen: Wildpflanzen machen sich besonders lecker in Essig und Öl eingelegt, eingekocht oder fermentiert. Portionsweise getrocknet und gefrostet bereichern sie das ganze Jahr über die vielseitigsten Gerichte.

In Reihe „Natur & Genuss“ erscheinen übrigens weitere Bände: mit Köstlichem von Hecken und Sträuchern, von Waldbäumen, von Sumpf- und Wasserpflanzen sowie mit den „12 besten Beeren aus Wildsammlung und aus dem Garten“ kommt garantiert Abwechslung auf den Tisch!

Dr. Markus Strauß „Die 12 wichtigsten essbaren Wildpflanzen – bestimmen, sammeln und zubereiten“, 72 Seiten mit Farbfotos, Klappenbroschur, 9 Euro 80, Hädecke Verlag

wird das was – oder kann das weg?

9783440153031_600x600Endlich – die Sonne lässt sich wieder öfter blicken und ich nutze die schönen Tage, um den Garten endgültig frühjarsfit zu machen! Die letzten Stauden wollen gestutzt werden, neue Erde muss ins Hochbeet und natürlich grünt und sprießt bereits so manches Grün, von dem ich mir nicht sicher bin, ob ich das im Garten brauchen kann.

Schon vor einigen Wochen dachte ich: oje, wenn ich aus Versehen was ausrupfe, das eigentlich eine wunderbare Blume oder ein gesundes Wildkraut werden will? Deshalb bin ich zum einen ein bisschen spät dran, zum anderen hab ich mich riesig gefreut, dass ich beim Kosmos Verlag ein Buch gefunden habe, mit dem ich „Erwünschte und unerwünschte Gartenpflanzen auf einen Blick erkennen“ kann:

„Wird das was – oder kann das weg?“, so der witzige Titel von Bärbel Oftrings hilfreichem neuen Ratgeber, in dem die Autorin 100 Pflanzenkinder in Wort und Bild vorstellt.

Glockenblumen, Guter Heinrich, Ackerschachtelhalm, Kamille, Stockrose, Margerite oder Mutterkraut: zahlreiche Pflanzen machen aus Feld, Wald und Wiese „rüber“, Vögel bringen Samen aus dem Nachbargarten und so gleicht der Garten jedes Frühjahr einer großen Wundertüte mit nicht immer liebsamen Überraschungen.

Jeweils drei Bilder zeigen unterschiedliche Wachstumsphasen der portraitierten Gartenschätzchen: auf dem ersten Foto präsentiert die Böblinger Botanikerin die Pflanze frisch ausgetrieben, das zweite zeigt die Pflanze nach zwei Wochen und auf dem dritten Foto ist die Pflanze zu sehen, wie sie nach sechs Wochen ausschaut.

Gerade die neuen Triebe sehen sich ja teilweise zum Verwechseln ähnlich. Ich traue mir in diesem Stadium nicht zu, einen Erdrauch von einer wilden Möhre zu unterscheiden. Auch Gänsefingerkraut und einige Mohnarten sehen sich als Kinder zum Verwechseln ähnlich!

Zum botanischen Steckbrief gibt Bärbel Oftring viele Hinweise über den Wachstumsverlauf, zu den Eigenheiten von Hirtentäschel, Labkraut & Co, gibt tolle Tipps zum Schnitt, zum Umpflanzen und zur Verwendung der Pflanzen, denn viele der anfänglich unbekannten Triebe entwickeln sich zu wertvollen Heilpflanzen, für Salben, Tees, Wickel oder Aufgüsse.

Und so manche blühende Schönheit eignet sich als essbarer Blickfang für Desserts, Kuchen oder Salate, beispielsweise die lilablaue Berg-Flockenblume. Wildblumen und Wildkräuter liegen nicht nur für grüne Smoothies im Trend, deshalb dürfen sie – auch in Schwaben – immer häufiger auch im so genannten „gepflegten“ Garten bleiben.Ich hab neulich sogar Beifuß-Samen gekauft und dafür von erfahrenen Gärtnern belustigtes Gelächter kassiert.

Doch was, wenn das Kraut doch mal zuviel des Guten wird? Bei Giersch, Drüsigem Springkraut oder Kletten-Labkraut zum Beispiel, neigen nicht wenige Gärtner zu leichter Schnappatmung und das teilweise zu Recht: bei guten Bediengungen nehmen sie schnell den ganzen Garten ein. Auch in solchen Fällen weiß Bärbel Oftring, wie man wieder Herr im Beet wird.

Praktischerweise sind die Pflanzenportraits in drei Kapitel unterteilt – je nachdem, ob die ersten Blätter länglich, rund oder mehrteilig sind. Die vordere Umschlagklappe zeigt zudem die Top 10 selbst aussäender Pflanzen, die wohl jeder gern im Garten hat: hübsche Blüher wie Klatsch-Mohn, Fingerhut, Akelei oder die rote Spornblume.

Nach hinten hat die Autorin die Top 10 der „lästigsten“ Pflanzen verbannt – hier tummeln sich neben der Ackerwinde zum Beispiel auch der Ackerschachtelhalm – der im Tee zwar sehr gesund ist, als Gartenpflanze aber schon mal nerven kann – sowie Wiesen-Sauerampfer, Giersch, Kriech-Quecke oder Franzosenkraut. Samenstände kappen oder ausrupfen kann helfen, viele dieser Nervensägen kann man aber auch einfach wegfuttern!

„Wachsen lassen oder jäten?“ – eine Frage, die sich mit diesem Buch auch unerfahrenere Gartenbesitzer ab sofort schon früh im Gartenjahr leicht beantworten können! Kurzportraits und nützliche Gartenadressen runden diesen eigentlich längst überfälligen Ratgeber ab.

Bärbel Oftring „Wird das was – oder kann das weg?“, 144 Seiten mit zahlreichen Farbfotos, Klappenbroschur, 16 Euro 99, Kosmos Verlag

trau dich, ida!

idaJetzt im Herbst haben Eichhörnchen ganz schön viel zu tun: sie sammeln Nüsse und andere nahrhafte Früchte, die sie als Nahrungsvorrat für ihren Winterschlaf brauchen. Als ich neulich bedenkenlos einige Meisenknödel im Gartenschuppen deponierte, dachte ich nicht ans Eichhörnchen und war ziemlich erstaunt, als wenig später nur noch ein paar Krümel übrig waren.

Natürlich gönne ich dem Eichhörnchen den Snack, weil ich es so niedlich finde. So niedlich wie Ida, die in Andrea Reitmeyers zauberhaftem Kinderbuch „Trau Dich, Ida!“ die Hauptrolle spielt:

Mit seinen drei Geschwistern schläft das winzige Hörnchenmädchen im weich gepolsterten Baum-Nest. Bald machen die Hörnchenkinder ihre ersten Ausflüge und erkunden ihre Welt – zuerst wuseln sie nur über die nächsten Äste, kurze Zeit später klettern sie schon den Stamm hinunter und flitzen über den Waldboden.

Alle – bis auf Ida. Das kleine Eichhörnchen mit der Magerithe am Ohr fürchtet sich – vor Waldmonstern, vor tiefen Schluchten oder davor, vom Baum zu fallen. Und als die Geschwister schon lange mit Hasen und Rehen um die Wette laufen, sitzt Ida immer noch im Nest und traut sich kaum raus.

„Nur Mut, mein Kleines, eines Tages spielst du mit den anderen. Wirst schon sehen“, sagt die Eichhörnchen-Mama und tröstet die traurige Ida, als Bruder Emil mal wieder gar zu sehr von wilden Abenteuern prahlte.

Als Ida eines Tages vor der Eichhörnchen-Höhle sitzt, flattert plötzlich ein Schmetterling vorbei. Ida ist baff vor Staunen, dass er so gar keine Angst hat, herunter zu fallen – ob er Ida dazu bringt, den ersten Schritt vom Baum zu machen?

„Trau Dich, Ida!“ ist ein zauberhaftes Mutmach-Buch für Kinder ab drei Jahren – die besonders liebevollen Texte und die berührenden, ausdrucksstarken Illustrationen der vielseitigen Autorin machen auch erwachsenen (Vor-)Lesern Spaß und Mut!

In den Buchklappen steht außerdem viel Wissenswertes über die beliebten Nager mit dem buschigen Schwanz – mit Ida lernen kleine Tierfreunde zum Beispiel, was Eichhörnchen besonders gut können, wie schwer sie werden – immerhin bis zu 400 Gramm-, wieviel Zähne sie haben, was sie gerne fressen und vor allem, warum sie so prima klettern können.

Wer „Trau Dich, Ida!“ gelesen hat, wird ab sofort in jedem Eichhörnchen einen kleinen Freund und Mutmacher entdecken und sicher gute Laune bekommen. Am besten ich lege gleich ein paar Nüsse in den Garten…

Andrea Reitmeyer „Trau Dich, Ida! Kleines Eichhörnchen, großer Mut“, 32 Seiten, Hardcover, 10 Euro 99, Jumbo Verlag

vom waldschrat zur wissenschaft – peter bertholds leben für die vögel

bertholdPeter Berthold ist – nach seinem Mentor Konrad Lorenz – wohl der bekannteste Ornitologe Deutschlands: der Vogelexperte mit dem markanten weißen Bart begeistert in Talkshows mit fundiertem Wissen und perfekten Vogelruf-Imitationen, lächelt als Qualitäts-Garant in den Meisenknödel-Prospekten einer großen Gartenmarkt-Kette und hat vor Kurzem auch ein eigenes Buch veröffentlicht:

in „Mein Leben für die Vögel“ erinnert sich Peter Berthold an seine leidenschaftlichen Anfänge als kindlicher „Vogelkundler“, an seine Träume und Umwege, die ihn schließlich doch dahin brachten, wo der selbst ernannte „Ornitopath“ genau am richtigen Platz war: zur Vogelwarte Radolfzell.

Deshalb der etwas sperrige Untertitel „…und meine 60 Jahre mit der Vogelwarte Radolfzell“, der eigentlich fast zum Haupttitel taugt, denn die Details über Entstehung, Entwicklung sowie über verwaltungs- und personaltechnische Entscheidungen rund um die Vogelwarte bekommen für meinen Geschmack etwas zu viel Platz im Buch – ich hatte mir mehr „Geschichten“ aus der Vogelwelt erhofft und trotzdem Spaß beim Lesen.

Aus Sicht des Autors ist die Gewichtung verständlich, immerhin spielt sich im weltberühmten Institut am Bodensee der größte Teil seines Lebens ab. Ja, die Vogelwarte Radolfzell verdankt ihren Weltruhm zu einem großen Teil dem unermüdlichen Verhaltensforscher und Naturschützer und seinen Mitarbeitern – so war es im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis Peter Berthold selbst zum Leiter der Vogelstation wurde.

Trotzdem: der Weg dorthin war kurvenreich und arbeitsintensiv – Peter Berthold erzählt ihn mit Leidenschaft und trockenem Humor. Bereits mit zehn Jahren ist Peter Berthold von Schwanzmeisen, Eisvögeln und Dompfaffen-Männchen fasziniert. Er beobachtet die Vögel wann immer er kann, fängt sogar einige Exemplare und findet eines Tages einen Ring, der ihn für immer an seine Passion bindet:

Es war ein Aluminiumringchen am Bein einer Kohlmeise und die Prägung „H69870 Radolfzell Germania“ war für Peter Berthold eine Offenbarung – erstaunt bemerkte er zum ersten Mal, dass Vögel weite Strecken überwinden und: es gab eine Vogelwarte, sogar eine Berufsbezeichnung für das, was er so liebend gern tat: Vögel erforschen. Als er 1953 mit seiner Mutter nach Baden-Württemberg zieht, stand das Ziel seiner ersten Radtour fest: es musste die Vogelwarte Radolfzell sein!

Aus der Ferne beäugt der junge Vogelliebhaber das Wasserschloss Möggingen, das für ihn zum „Ornithologen-Olymp“ wird bzw. das er viel später zum selbigen mit aufbaut.

Zuvor allerdings beringt er fleißig selber, organisiert Schulalltag und Studium derart straff, dass ihm Zeit für ausgiebige Exkursionen bleibt – im Sommer 1956 zum Beispiel mit dem Fahrrad nach Südfrankreich.

Mit einem gezielt vorgetäuschten Beinah-Armbruch entkommt Peter Berthold auch den Bundesjugendspielen und radelt lieber zur Fachversammlung der Ornithologen, wo er seine „Götter“ persönlich trifft. Und weil er so viel Begeisterung für die Vogelwelt mitbrachte, wurde er mit 16 ehrenamtlicher Mitarbeiter der Vogelwarte – Etappe eins war geschafft!

Beringen oder Vokabeln lernen? Das war die folgenden Jahre die ständig drängende Frage und obwohl sich Berthold im Zweifel für die Vögel entschied, schaffte er sein Abitur und absolvierte mit Hilfe einiger Kommilitonen und dem gemeinsam ausgeklügelten Vorlesungsplan auch sein Biologie-Studium in Rekordzeit und mit Bestnoten.

Als studentische Hilfskraft rückt Peter Berthold wieder in die Nähe der Vogelwarte: auf der Beobachtungs-Station „Netta“, einer Art schwimmendes Gartenhaus, mutiert er zum „Robinson“ und beobachtet Wasservögel. Wochenlang lebt er „mutterseelenallein“ in der Natur und denkt sich so in seine Lieblings-Geschöpfe hinein, dass er sich selbst oft wie ein Vogel fühlt.

Das Leben im schwimmenden Gartenhaus inspiriert und prägt ihn für seine spätere Forschungsarbeit. Vorher jedoch steht der Studienabschluss auf der Agenda: „…zehn Semester inklusive Doktorarbeit, das war zumindest in Tübingen das kürzeste naturwissenschaftliche Studium mit Promotion der Nachkriegszeit“, schreibt Prof. Dr. Peter Berthold auf Seite 51 seiner Berufs-Biografie.

Auch seine wissenschaftliche Arbeit ist eine Erfolgsgeschichte, die ihn nach einigen Jahren mit „toter Materie“ im Naturkundemuseum Stuttgart schließlich doch noch ins Allerheiligste der Ornithologie führte, wo er zahlreiche Ideen aus der „Netta“-Zeit umsetzen konnte. Für einige Vorhaben gab es allerdings kein Geld und keine Mitstreiter.

Bei allem Erfolg stand nicht nur einmal die Schließung der Vogelwarte zu befürchten, doch mit Herzblut, viel Einsatz und erfolgreicher Arbeit konnten Peter Berthold & Kollegen ihr Refugium erhalten.

Mehr als 600 Vorträge hält der Professor und reißt auch Zuhörer mit, die wissenschaftlicher Arbeit normalerweise wenig abgewinnen können. Eine seiner Veröffentlichungen über massive Bestandsrückgänge aufgrund von Pflanzenschutzmitteln, kostet ihn 1973 fast den Arbeitsplatz: die Chemie-Fraktion ist ganz und gar nicht begeistert über Bertholds Ursachenforschung – ein Umstand, den wir aktuell nicht nur bei Vögeln sondern auch bei Bienen, Fischen und anderen Tieren beobachten und beklagen können.

Überhaupt wird das Thema aktiver Naturschutz immer wichtiger für Berthold und in dieser Mission ist der emeritierte Professor ständig unterwegs – er setzt sich nicht nur für die Ganzjahres-Fütterung und Wiederansiedlungen heimischer Vögel ein, sondern entwickelte gemeinsam mit Heinz Sielmann ein Biotop-Projekt. Das Ziel: ein möglichst engmaschiges Netz mit Biotopen als Lebensraum, in dem sich Pflanzen und Tierbestände regenieren können.

Unterm Motto „Jeder Gemeinde ihr Biotop“ wurde das nachhaltig erfolgreiche Pilot-Projekt „Biotopverbund Bodensee“ weit über Baden-Württemberg hinaus bekannt. „Die Natur ist trotz ihrer schweren Schädigungen gerade auch in unserem Land gottlob noch regenerationsfähig; es lohnt sich also noch, ihr durch neue ‚Oasen aus Menschenhand‘ wieder auf die Sprünge zu helfen“, resümiert Peter Berthold am Ende seiner Erzählungen.

Doch dazu müssen wir selbst „Hand anlegen und nicht nur Vorschläge machen“, lautet seine Empfehlung. Und er macht Mut: „Die Anzahl von Menschen, die Natur lieben, die Sehnsucht haben nach intakter, nachhaltiger Natur, die wie ein Stück Heimat wieder gute Perspektiven für die Zukunft gibt, ist weit größer als gedacht.

Zusammen mit solchen Gleichgesinnten und Hoffnungsträgern, lohnt es sich, auch künftig Vögeln im Speziellen und der Natur im Allgemeinen weiter so gut es geht über die Runden zu helfen. Natur zu erleben und zu verstehen ist nach wie vor für die allermeisten Menschen das Beglückendste, was sie erfahren können.“

Auch für seine künftige Arbeit hat Peter Berthold jedenfalls einen klaren Auftrag: „Fröhlich sein – Gutes tun, und die Spatzen pfeifen lassen….und dafür sorgen, dass sie auch weiter pfeifen können!“

Peter Berthold „Mein Leben für die Vögel. Und meine 60 Jahre mit der Vogelwarte Radolfzell“, 216 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 19 Euro 99, Kosmos Verlag