kunstmarkt im heusteigviertel

Heißer Termin im Advent, gerne schon mal vormerken!

Von 15 bis 17 Uhr basteln wir raffinierte Papiersterne

mit kleinen Besuchern.

SoopKunstMarkt-web

Rueck_web.jpg

Advertisements

„wenn es winter wird…

978-3-7995-1172-8…in meinem Garten“ heißt Rosemarie Doms neues Buch, in dem sie allen Gärtnern aus der Seele spricht, die derzeit leicht versonnen, leicht wehmütig die letzten Blüten betrachten und die Natur beim Rückzug in den Winterschlaf beobachten.

Die Chrysanthemen zeigen noch ihre schönste Blütenpracht und einige tapfere Ringelblumen leuchten sonnengelb zwischen immer brauner werdenden Stauden und immer blattloseren Büschen. Doch die ersten Frostnächte lassen keinen Zweifel: der Winter steht vor der Tür.

„Gerade dann, wenn der Herbst alle seine bunten Farben über das Land und den verlassenen Weinbergarten…ausgeschüttet hat, zieht mit leisen Schritten, wie ein Dieb in der Nacht, der Winter ein und hinterlässt seine ersten Spuren…“ beschreibt Rosemarie Doms den kalten Besucher so treffend auf der ersten Seite ihrer Erzählung für Gartenfreunde.

„Bereift und frostig versteckt er sie, noch ganz verstohlen, unter dem zusammengewehten Laub zu seinen Füßen. Staunend nimmt er wahr, wie verschwenderisch die Farben des Herbstes mit den Blättern spielten und wie willig die weißstämmige Birke ihre Lichter entzündete zum späten, zum letzten Fest.“

Hin und hergerissen, wie vom Herbstwind erfasst, bemerke auch ich diese Spuren, sowohl in Vorfreude auf gemütliche Abende mit tollen Büchern und kunsthandwerklichen Freuden, als auch mit Melancholie, in Vorausschau lichtärmerer, kalter Monate.

Doch Rosemarie Doms versteht es zu trösten. Mit oppulenten, berauschenden Bildern beschreibt sie die wildesten und gleichzeitig schönsten Herbststürme, vom geheimen Leben der Gartenskulpturen und anderer Gartenbewohner im Wandel der Jahreszeiten.

Öffne Deine Sinne, überredet die Autorin in jedem Satz – wer Herbstwind und Schneesturm genau zuhört, wer aufmerksam der Verwandlung der Natur folgt und sich einfühlt ins Werden und Vergehen, erfährt Faszinierendes vom alten und neuen Leben, spürt den Takt verschiedener Welten und wird staunend-ergriffener Zeuge eines immer wieder kehrenden Naturschauspiels, das sich jedes Jahr neu inszeniert.

Nicht nur Rosemarie Doms intensive Metaphorik macht „Wenn es Winter wird in meinem Garten“ zu einem ganz besonderen Lesebüchlein für diese Jahreszeit, sondern auch die wunderschönen Illustrationen von Früchten, Zweigen, Blüten und Blättern sowie die berührend poetischen Fotografien verschiedenster Gartenbewohner, die von Frost, Schnee und Kälte gezeichnet sind.

Ich hab mir fest vorgenommen, wenn die Sehnsucht nach dem Frühling in den kommenden Monaten all zu groß werden sollte, blättere ich ein bisschen in diesem liebevoll gestalteten Buch und lasse mich hoffentlich zu eigenen Erinnerungen, Beobachtungen, Fotografien und Gartengeschichten hinreißen…

Weil die wohltuende Erzählung zudem als Hardcover mit Leinenrücken gebunden ist, nehme ich als leidenschaftliche Freizeit-Buchbinderin den kleinen Band natürlich besonders gern zur Hand! Für alle, die noch ein außergewöhnliches Geschenk für Feingeister und Gartenliebhaber suchen: ihr habt es gefunden! 😉

Rosemarie Doms „Wenn es Winter wird in meinem Garten“, 64 Seiten mit Farbfotos und Illustrationen, gebunden mit Halbleinen, 8 Euro 99, Thorbecke Verlag

‚em charly sei tante

Studenten-Klamotte mit Kultur-Schock light:

„’Em Charley sei Tante“ in der Komödie im Marquardt

Die „Schwäbische Komödie“ zur Weihnachtszeit hat an den Schauspielbühnen Stuttgart bereits Tradition: dieses Jahr kündigt „’Em Charley sei Tante“ ihren Besuch in der Komödie im Marquardt an. Allein der Titel lässt vermuten, dass Brandon Thomas‘ Komödien-Klassiker aus dem 19. Jahrhundert eine nachhaltige Überarbeitung erfahren hat.

Die eigentliche Geschichte ist schnell erzählt und durch zahlreiche Verfilmungen bekannt: Charley und sein Studienfreund sind schwer verliebt. Doch um den Herzensdamen bei einem Treffen näher zu kommen, brauchen sie eine Anstandsdame. Eigentlich sollte Charleys Tante diesen Part übernehmen. Blöd, dass sie in letzter Minute absagt.

Dass das „Date“ trotzdem statt findet, ist einem Freund der beiden Studenten zu verdanken, der sich für die Rolle der Sittenwächterin in Frauenkleider wirft und beim Stelldichein anwesend ist. Die „Travestie-Notlösung“ als Dreh- und Angelpunkt der Komödie sorgt selbstverständlich für weitere Verwirrungen.

Damit „’Em Charley sei Tante“ auch in Zeiten von Speed-Dating und Twitter glaubwürdig ist, lässt Regisseur Stephan Bruckmeier einen Geschäftsmann aus dem arabischen Raum auftreten. Und so verwundert es nicht, dass dessen bildschöne, Kopftuch und Schleier tragende Nichten dem strengen Onkel wenig widersprechen und eine Verabredung mit zwei fremden Studenten geradezu eklatant wäre.

Gleichzeitig bringt diese „kulturelle Frischzellenkur“ elegant und zum Teil urkomisch ganz aktuelle Konflikte in die beliebte Studenten-Klamotte: „Die Tatsache, dass ein strenger muslimischer Geschäftsmann sich in eine verkleidete Frau verliebt und sie heiraten möchte, hat doch wirklich komödantisches Potential“, sagt Stephan Bruckmeier, der selbst zwischen Deutschland und Kenia pendelt.

Am Ende löst sich der Schwindel auf und nicht nur der Betrogene erkennt sich selbst als Opfer kultureller Dogmen: Auch die beiden Mädchen verbreiten Aufbruchstimmung, indem sie ihre Wünsche durchsetzen und das Leben in die eigenen Hände nehmen.

„Toleranz bedeutet ja, Verständnis für Dinge aufzubringen, die man nicht versteht. Deshalb versuche ich, fremde Kulturen zuerst einmal neutral zu betrachten und ich wünsche mir, dass wir mit dem Thema Menschenrechte insgesamt subtiler umgehen, nichts vorschnell in richtig und falsch einteilen“, sagt der Regisseur, bei dem sich das Thema Menschenrechte wie ein roter Faden durch alle Theaterprojekte zieht.

„Trotzdem erkenne ich zum Beispiel auch, wie aberwitzig es ist, dass Frauen in Arabien keinen Führerschein machen dürfen.“ Mit dem Finger auf andere zu zeigen, bringe allerdings keinen Schritt weiter. „Wir müssen erkennen, dass jedes Problem auf der Welt unser eigenes sein könnte“, ist Bruckmeier überzeugt.

Gleichzeitig müssten nachhaltige Veränderungen idealerweise aus dem eigenen Kulturkreis heraus erfolgen. „Wir behandeln nun diese Themen, soweit sie in einer Komödie möglich sind, und ich glaube, wir haben eine ganz gute moderne Spielfassung gefunden, die politisch und trotzdem lustig ist.“

Stephan Bruckmeiers Bühnenbild passt ebenfalls zur modern-schwäbischen Variante von Charleys Tante: Das Publikum erlebt die zum Teil grotesken Situationen im Wohnzimmer einer „besseren Stuttgarter Wohngegend“. Hier treffen sich nicht nur die Studenten bei Wein und Pizza, sondern im weiteren Verlauf der Verwirrungen auch Akteure, die besser nicht aufeinander treffen sollten.

Maßgeblich an der Neufassung beteiligt war Monika Hirschle, die am Ende nicht nur als Charleys „echte“ Tante auftritt, sondern dem Stück mit ihrer schwäbischen Übersetzung eine gute Portion Lokalkolorit verpasste.

„Ein Stück ins Schwäbische zu übersetzen ist im Grunde genau so viel Arbeit, wie in eine fremde Sprache“, sagt die Stuttgarter Schauspielerin, Sprecherin, Autorin und Theaterregisseurin und erklärt auch gleich wieso: „Wenn ich einen hochdeutschen Text Eins-zu-eins ins Schwäbische übersetze, stimmt der komplette Satzbau einfach nicht mehr, da sind die Schwaben eigen.“

Dafür bringe der Dialekt mehr Charme ins Stück und gerade bei Charleys Tante sei der Humor durch die schwäbische Adaption noch ein bisschen „knitzer“ geworden, verrät Monika Hirschle mit einem Augenzwinkern.

Vorstellungstermine und weitere Infos: www.schauspielbuehnen.de

beherzte schwestern – südwestdeutsche klosterschwester aus sechs jahrhunderten

U_Keuler_BeherzteSchwestern_05.inddMissgunst und Intrigen, Machthunger und Vorteilsnahme, soziale Kontrolle, aufdringliche Kirchenväter und eindringliche Soldaten, aber auch Mystisches und Wundersames – allen, die glauben, dass das Leben im Kloster stets ruhig und friedlich verläuft, erzählt Dorothea Keuler in ihrem Buch „Beherzte Schwestern“ fundiert recherchierte Klostergeschichten, die zum Teil spannender als jeder Krimi sind!

Vor allem aber stellt sie südwestdeutsche Klosterfrauen in den Mittelpunkt, die ihr Schicksal ganz und gar nicht gottergeben jemand anderem überließen, sondern beherzt in die eigenen Hände nahmen.

Nachdem Klöster über Jahrhunderte wichtige und zum Teil machtvolle Institutionen waren, sind die meisten heute nur mehr schöne Baudenkmäler, die besichtigt werden. Über das Leben zwischen Kirche, Konvent, Refektorium, Klostergarten und Schlafsaal erfährt man meist nur bei Führungen. Tatsächlich war der Alltag in einem Kloster so komplex und vielschichtig wie vor den Klostertüren. Vor allem für Frauen:

„Es wurde nicht nur gebetet, gesunden und jubiliert“, schreibt die Autorin Vorwort. Vielmehr bot das Kloster für Frauen „über Jahrhunderte die einzige Möglichkeit, Bildung zu erlangen oder Macht auszuüben. Und seit es Klöster gab, standen sie im Spannungsverhältnis zwischen andächtiger Versenkung und Verweltlichung. Das sorgte für Konfliktstoff.

Auch die ‚Krisen und Katastrophen der Welt draußen‘ brachten Unruhe ins kontemplative, das heißt beschauliche Klosterleben.“ Wie sehr es auch gemenschelt haben mag: Klöster waren vor allem im Mittelalter eine fremde, faszinierende Welt und der Alltag bestimmt von – mehr oder weniger – strengen Regularien, aber auch von beachtlicher Frömmigkeit, von außergewöhnlichem Zusammenhalt und Mut der Ordensfrauen in schweren Zeiten.

Nach einer kleinen, aber sehr aufschlussreichen Einführung in die Geschichte der Frauenklöster, stellt Dorothea Keuler in lebendigen Portraits einige besonders tapfere Nonnen, Schwestern, Chorfrauen und Stiftsdamen vor. Darunter „Frauen, die sich in der Not zu helfen wussten“, wie Gertrud von Ortenberg, die erst als Witwe ein „Beginenleben“ begann.

Auch „Frauen, die den Mund aufmachten oder zur Feder griffen“ lernen wir kennen, wie die Chronistinnen Magdalena Kremer aus dem Dominikanerinnenkloster in Kirchheim oder die Villinger Klarisse Juliane Ernst, deren Kriegschronik packend die Bedrohung und Ereignisse während der Belagerung durch die Württemberger und Schweden beschreibt , die schließlich trotz aller Gegenwehr ein normales Klosterleben unmöglich machten.

Nicht immer beschrieben die Chronistinnen rein weltliche Bedrohungen  – gerade während der Reformation kam es auch in den Klöstern selbst zu heftigen Auseinandersetzungen und religiösen Spaltungen, weil nicht jede fromme Ordensfrau  die „Segnungen“ der neuen geistigen Strömung annehmen wollte.

Als die Obrigkeit im Frühjahr 1556 im Pforzheimer Dominkanerinnekloster sogar die Heilige Messe und den Besuch von katholischen Geistlichen verbot, den Schwestern Gesänge und Gebete in Latein untersagte und obendrein noch jede Woche einen evangelischen Pfarrer schickte, widersetzten sich die 46 Dominikanerinnen der „Umerziehung“ vehement und nahmen eine lange Leidenszeit auf sich, wie das „Tagebuch der Schikanen“, die Reformationschronik der Eva Magdalena Neyler schildert.

Und Maria Monika Hafner pranger Misstände im eigenen Kloster, dem Augustiner-Chorfrauenstift Inzigkofen, an: nach dem Tod der alten Pröbstin ist Hafners Welt ganz und gar nicht mehr in Ordnung, zu fremd sind ihr die Sitten unter der Nachfolgerin. Ihr 400 Seiten starker „Beschwerdebrief“ an den Klostervisitator beschreibt detailliert die Verfehlungen der neuen Pröbstin sowie die Sünden einiger Mitschwestern.

Von einem lauten „Schwätzmarkt“ ist die Rede, weil sich viele Schwestern nicht mehr an Gebetszeiten und Schweigegebot halten. Chorgesang und Messe seien schlecht aufeinander abgestimmt, so dass der Priester mit der Liturgie nicht weiter komme und warten muss, bis der lange „beschwerliche Gesang und das Orgelspiel ein Ende nehmen“.

Überhaupt verzögere das lange Musizieren den gesamten weiteren Tagesablauf und die Musikerinnen selbst seien oft kraftlos von den körperlichen Anstrenungen des Singens und Musik machens. Auch die Chorleiterin bekommt ihr Fett weg – Schwester Monika wirft ihr vor, dass sie allzu ungestüm die Orgel schlage, was zu fürchterlichem Geschrei und Durcheinander, und bei einigen Chorfrauen zu Lachen, Verdruß und Brechung des Stillschweigens führe.

Nicht zuletzt prangert die Beschwerdeführerin die „Hochleistungsfrömmigkeit“ an, die mit der neuen Pröbstin im Stift Einzug gehalten habe, weil plötzlich „alle möglichen Handreichungen und Gefälligkeiten nach Rosenkranz-Tarif abgegolten“ werden.

Doch auch wirklich Wundersames ist aus Klöstern zu hören: im zweiten Portrait beschreibt Dorothea Keuler „Die reine Lust der Margareta Ebner“, eine Chorschwester in Maria Medingen bei Dillingen an der Donau, die – unterstützt von einer Mitschwester – mysthische Offenbarungen und Gnadenerweise überlieferte, die sie von Gott erhielt.

Margareta Ebner verzichtete nach ihrem Eintritt ins Kloster auf Fleisch und Fisch, später auch auf Obst, badete nicht und benutzte keine Seife. Später zieht sie sich in selbst auferlegtes Schweigen zurück, ist oft schwer krank und nimmt kaum mehr am klösterlichen Leben teil, allein „das Kruzifix bekam eine überwältigende Bedeutung für sie…ständig trug sie ein Kreuz um den Hals“.

Da beugte sich Christus eines Tages im Traum zur Margareta hinunter „und bot mir sein geöffnet Herz zum Kuße und tränkte mich mit seinem Blut daraus, und da empfing ich also kraftvoll große Gnade und Süßigkeit, die lange nachhielt“, zitiert die Autorin aus den Aufzeichnungen der Mystikerin.

Insgesamt zehn Frauenportraits erzählen anschaulich vom klösterlichen Alltag und der Geschichte der Klöster im Südwesten Deutschlands bis zur Säkularisation, die für viele Schwestern den Sprung in ein völlig anderes Leben, aber keineswegs das Ende der Klöster bedeutete.

Ein außergewöhnliches Buch mit interessanten, tiefen Einblicken in „eine fremde, faszinierende Welt“.

Dorothea Keuler „Beherzte Schwestern. Südwestdeutsche Klosterfrauen aus sechs Jahrhunderten“, 200 Seiten, Hardcover, 19 Euro 90, Silberburg-Verlag