advent schnuppern bei pois…

…ich freu mich drauf und in meiner Weihnachtswerkstatt gehts seit Wochen hoch her! Seid Ihr am Wochenende mit dabei? Wir sehn uns im Pois Hofladen!

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„wenn es winter wird…

978-3-7995-1172-8…in meinem Garten“ heißt Rosemarie Doms neues Buch, in dem sie allen Gärtnern aus der Seele spricht, die derzeit leicht versonnen, leicht wehmütig die letzten Blüten betrachten und die Natur beim Rückzug in den Winterschlaf beobachten.

Die Chrysanthemen zeigen noch ihre schönste Blütenpracht und einige tapfere Ringelblumen leuchten sonnengelb zwischen immer brauner werdenden Stauden und immer blattloseren Büschen. Doch die ersten Frostnächte lassen keinen Zweifel: der Winter steht vor der Tür.

„Gerade dann, wenn der Herbst alle seine bunten Farben über das Land und den verlassenen Weinbergarten…ausgeschüttet hat, zieht mit leisen Schritten, wie ein Dieb in der Nacht, der Winter ein und hinterlässt seine ersten Spuren…“ beschreibt Rosemarie Doms den kalten Besucher so treffend auf der ersten Seite ihrer Erzählung für Gartenfreunde.

„Bereift und frostig versteckt er sie, noch ganz verstohlen, unter dem zusammengewehten Laub zu seinen Füßen. Staunend nimmt er wahr, wie verschwenderisch die Farben des Herbstes mit den Blättern spielten und wie willig die weißstämmige Birke ihre Lichter entzündete zum späten, zum letzten Fest.“

Hin und hergerissen, wie vom Herbstwind erfasst, bemerke auch ich diese Spuren, sowohl in Vorfreude auf gemütliche Abende mit tollen Büchern und kunsthandwerklichen Freuden, als auch mit Melancholie, in Vorausschau lichtärmerer, kalter Monate.

Doch Rosemarie Doms versteht es zu trösten. Mit oppulenten, berauschenden Bildern beschreibt sie die wildesten und gleichzeitig schönsten Herbststürme, vom geheimen Leben der Gartenskulpturen und anderer Gartenbewohner im Wandel der Jahreszeiten.

Öffne Deine Sinne, überredet die Autorin in jedem Satz – wer Herbstwind und Schneesturm genau zuhört, wer aufmerksam der Verwandlung der Natur folgt und sich einfühlt ins Werden und Vergehen, erfährt Faszinierendes vom alten und neuen Leben, spürt den Takt verschiedener Welten und wird staunend-ergriffener Zeuge eines immer wieder kehrenden Naturschauspiels, das sich jedes Jahr neu inszeniert.

Nicht nur Rosemarie Doms intensive Metaphorik macht „Wenn es Winter wird in meinem Garten“ zu einem ganz besonderen Lesebüchlein für diese Jahreszeit, sondern auch die wunderschönen Illustrationen von Früchten, Zweigen, Blüten und Blättern sowie die berührend poetischen Fotografien verschiedenster Gartenbewohner, die von Frost, Schnee und Kälte gezeichnet sind.

Ich hab mir fest vorgenommen, wenn die Sehnsucht nach dem Frühling in den kommenden Monaten all zu groß werden sollte, blättere ich ein bisschen in diesem liebevoll gestalteten Buch und lasse mich hoffentlich zu eigenen Erinnerungen, Beobachtungen, Fotografien und Gartengeschichten hinreißen…

Weil die wohltuende Erzählung zudem als Hardcover mit Leinenrücken gebunden ist, nehme ich als leidenschaftliche Freizeit-Buchbinderin den kleinen Band natürlich besonders gern zur Hand! Für alle, die noch ein außergewöhnliches Geschenk für Feingeister und Gartenliebhaber suchen: ihr habt es gefunden! 😉

Rosemarie Doms „Wenn es Winter wird in meinem Garten“, 64 Seiten mit Farbfotos und Illustrationen, gebunden mit Halbleinen, 8 Euro 99, Thorbecke Verlag

‚em charly sei tante

Studenten-Klamotte mit Kultur-Schock light:

„’Em Charley sei Tante“ in der Komödie im Marquardt

Die „Schwäbische Komödie“ zur Weihnachtszeit hat an den Schauspielbühnen Stuttgart bereits Tradition: dieses Jahr kündigt „’Em Charley sei Tante“ ihren Besuch in der Komödie im Marquardt an. Allein der Titel lässt vermuten, dass Brandon Thomas‘ Komödien-Klassiker aus dem 19. Jahrhundert eine nachhaltige Überarbeitung erfahren hat.

Die eigentliche Geschichte ist schnell erzählt und durch zahlreiche Verfilmungen bekannt: Charley und sein Studienfreund sind schwer verliebt. Doch um den Herzensdamen bei einem Treffen näher zu kommen, brauchen sie eine Anstandsdame. Eigentlich sollte Charleys Tante diesen Part übernehmen. Blöd, dass sie in letzter Minute absagt.

Dass das „Date“ trotzdem statt findet, ist einem Freund der beiden Studenten zu verdanken, der sich für die Rolle der Sittenwächterin in Frauenkleider wirft und beim Stelldichein anwesend ist. Die „Travestie-Notlösung“ als Dreh- und Angelpunkt der Komödie sorgt selbstverständlich für weitere Verwirrungen.

Damit „’Em Charley sei Tante“ auch in Zeiten von Speed-Dating und Twitter glaubwürdig ist, lässt Regisseur Stephan Bruckmeier einen Geschäftsmann aus dem arabischen Raum auftreten. Und so verwundert es nicht, dass dessen bildschöne, Kopftuch und Schleier tragende Nichten dem strengen Onkel wenig widersprechen und eine Verabredung mit zwei fremden Studenten geradezu eklatant wäre.

Gleichzeitig bringt diese „kulturelle Frischzellenkur“ elegant und zum Teil urkomisch ganz aktuelle Konflikte in die beliebte Studenten-Klamotte: „Die Tatsache, dass ein strenger muslimischer Geschäftsmann sich in eine verkleidete Frau verliebt und sie heiraten möchte, hat doch wirklich komödantisches Potential“, sagt Stephan Bruckmeier, der selbst zwischen Deutschland und Kenia pendelt.

Am Ende löst sich der Schwindel auf und nicht nur der Betrogene erkennt sich selbst als Opfer kultureller Dogmen: Auch die beiden Mädchen verbreiten Aufbruchstimmung, indem sie ihre Wünsche durchsetzen und das Leben in die eigenen Hände nehmen.

„Toleranz bedeutet ja, Verständnis für Dinge aufzubringen, die man nicht versteht. Deshalb versuche ich, fremde Kulturen zuerst einmal neutral zu betrachten und ich wünsche mir, dass wir mit dem Thema Menschenrechte insgesamt subtiler umgehen, nichts vorschnell in richtig und falsch einteilen“, sagt der Regisseur, bei dem sich das Thema Menschenrechte wie ein roter Faden durch alle Theaterprojekte zieht.

„Trotzdem erkenne ich zum Beispiel auch, wie aberwitzig es ist, dass Frauen in Arabien keinen Führerschein machen dürfen.“ Mit dem Finger auf andere zu zeigen, bringe allerdings keinen Schritt weiter. „Wir müssen erkennen, dass jedes Problem auf der Welt unser eigenes sein könnte“, ist Bruckmeier überzeugt.

Gleichzeitig müssten nachhaltige Veränderungen idealerweise aus dem eigenen Kulturkreis heraus erfolgen. „Wir behandeln nun diese Themen, soweit sie in einer Komödie möglich sind, und ich glaube, wir haben eine ganz gute moderne Spielfassung gefunden, die politisch und trotzdem lustig ist.“

Stephan Bruckmeiers Bühnenbild passt ebenfalls zur modern-schwäbischen Variante von Charleys Tante: Das Publikum erlebt die zum Teil grotesken Situationen im Wohnzimmer einer „besseren Stuttgarter Wohngegend“. Hier treffen sich nicht nur die Studenten bei Wein und Pizza, sondern im weiteren Verlauf der Verwirrungen auch Akteure, die besser nicht aufeinander treffen sollten.

Maßgeblich an der Neufassung beteiligt war Monika Hirschle, die am Ende nicht nur als Charleys „echte“ Tante auftritt, sondern dem Stück mit ihrer schwäbischen Übersetzung eine gute Portion Lokalkolorit verpasste.

„Ein Stück ins Schwäbische zu übersetzen ist im Grunde genau so viel Arbeit, wie in eine fremde Sprache“, sagt die Stuttgarter Schauspielerin, Sprecherin, Autorin und Theaterregisseurin und erklärt auch gleich wieso: „Wenn ich einen hochdeutschen Text Eins-zu-eins ins Schwäbische übersetze, stimmt der komplette Satzbau einfach nicht mehr, da sind die Schwaben eigen.“

Dafür bringe der Dialekt mehr Charme ins Stück und gerade bei Charleys Tante sei der Humor durch die schwäbische Adaption noch ein bisschen „knitzer“ geworden, verrät Monika Hirschle mit einem Augenzwinkern.

Vorstellungstermine und weitere Infos: www.schauspielbuehnen.de

bäume am blatt erkennen

9783440152645_600x600Für die neulich vorgestellte Wilde Waldküche ist es zwar sinnvoll bis lebenswichtig Kräuter, Sträucher und Bäume genau bestimmen zu können, grundsätzlich machts aber auch einfach großen Spaß, Gewächse vor der Haustüre näher kennen zu lernen. Wisst Ihr zum Beispiel ganz genau, welche Baumarten im nächsten Wald, in Parks und an Straßenrändern stehen und für frische Luft sorgen?

Mit dem neuen Kosmos-Führer „Bäume – am Blatt erkennen“ ist das Bestimmen kinderleicht! Wichtigstes Kriterium ist dabei die Blattgröße. Für eine erste Einteilung bringt der hübsch gestaltete Baumführer im ausklappbaren Umschlag zwei Lineale mit.

Ist die Blattlänge erst bestimmt, lässt sich der dazugehörige Laubbaum schnell finden: die Kapitel sind in drei verschiedene Zentimeter-Kagorien eingeteilt, Nadelbäume haben ein eigenes Kapitel bekommen.

Apropos Größe: so handlich der so genannte Life-Size-Naturführer daher kommt, so überraschend sind die weiteren Details, die darin Platz haben. Neben Artname, wichtigen Merkmalen wie Wuchsform, Wuchshöhe und Standortvorliebe, ist bei jeder der 64 vorgestellten Baumarten ein Blatt in Originalgröße abgebildet.

Auch wenn die Abbildung nur ein Durchschnittswert sein kann, macht sie die Bestimmung recht genau und das Seiten-Layout ganz nebenbei besonders reizvoll.

Eigentlich werden Bäume anhand ihrer Blüten bestimmt, weiß Autorin Meike Bosch – die geben Aufschluss darüber, zu welcher Familie und Gattung der Baum gehört und mit welchen anderen Pflanzen er näher oder entfernt verwandt ist.

Doch nicht immer trifft man einen interessanten Baum während der Blütezeit oder die Blüten sind –  wie bei manchen Nadelbäumen – so unscheinbar, dass sie von Laien kaum erkannt werden.

Weitere Bestimmungsmerkmale sind natürlich die Blattformen – ist das Blatt ei- oder herzförmig, ist sein Rand gezähnt, gelappt oder gesägt? Hält man eventuell ein zusammen gesetztes, zum Beispiel ein gefiedertes oder handförmiges Blatt in den Händen? Und wie sind die Blätter am Zweig angeordnet: stehen sie wechselständig oder gegenständig zueinander?

Aussehen und Beschaffenheit von Rinden, Borken, Früchten und Zapfen sind zudem hilfreiche Indikatoren, weshalb sie im Buch ebenfalls beschrieben oder abgebildet sind. Dieser umfassende „Blattkatalog“ mit vielen ansprechenden Zeichnungen, Farbfotos und aufschlussreichen Kurztexten ist ohne Frage ein idealer Begleiter beim nächsten (Wald-)Spaziergang!

Meike Bosch „Bäume – am Blatt erkennen. 64 Laub- und Nadelbäume“, 112 Seiten mit 152 Farbfotos und 100 Farbzeichnungen, Klappenbroschur, 9 Euro 99, Kosmos Verlag

den geschmack der natur neu entdecken

597_coverbigWir essen indisch, italienisch, japanisch und afrikanisch, Sterneköche servieren „Gerichte“ in Reagenzgläsern, doch wenn es um Zutaten aus Wald und Wiese geht, bekommt der Begriff „exotisch“ nochmal eine ganz andere Bedeutung. Den meisten sind Algen in der Küche vertrauter als Brennesseln und auf die Idee, Schoko-Aufstrich aus Haselnüssen und Schokolade selbst zu machen kommen die Wenigsten.

Mit ihren Rezepten im Buch „Wilde Waldküche“ lädt Linda Louis ein, immer wieder auf die „Pirsch“ zu gehen, den Lebensraum vor der Haustüre zu erkunden und dabei leckere Zutaten kennen zu lernen.

Und die meisten sind sogar gute alte Bekannte: Waldmeister, Esskastanien, Holunderblüten, Hagebutten, Brombeeren, Veilchen und Knoblauchsrauke hatte ich alle schon mal in Glas und Teller, aber Linda Louis‘ vegetarische Kreationen sind zum Teil völlig überraschend.

Nach einem motivierenden Vorwort, einigen Tipps und Regeln zum Sammeln, Aufbewahren und Konservieren gehts zuerst um Waldgemüse und Kräuter, die Linda Louis mal auf bekannte, mal auf ganz neue Art zubereitet. Bärlauchpesto zum Beispiel ist eine leckere Sache, einem Stockbrot am Lagerfeuer gibt die beliebte Frühjahrspflanze ebenfalls das gewisse Etwas.

Kleine Bärlauchröllchen mit Toastbrot und frischem Schafskäse sind mit Sicherheit eine willkommene Vorspeise und dass eingelegte Bärlauchknospen ein toller Kapernersatz sein können, werde ich nächstes Frühjahr auf jeden Fall ausprobieren. Und die letzten Brennesseln in diesem Jahr geben demnächst eine mild-würzige Suppe ab.

Da mein Nordwestgarten nah am Waldrand liegt, hab ich bei der Wilden Waldküche mal die Nase vorn. Meistens bin ich ein bisschen traurig, weil ich zum Beispiel einen Rosmarinstrauch oder zahlreiche Blumenstauden gar nicht erst zu setzen brauch – sie würden sich nach kurzer Zeit verabschieden, weils ihnen in meinem Garten schlicht zu kalt und feucht wäre.

In Sachen Waldküche ist mein Garten allerdings eine wahre Fundgrube: ich muss nur zur Terrassentür raus und kann ernten – Brennesseln, Waldmeister, Knoblauchsrauke, Holunderblüten, Waldsauerklee, Veilchen und sogar ein paar Walderdbeeren sind dabei. Manches esse ich einfach im vorbei gehen, manches wird zu Sirup verarbeitet oder kommt gemixt in Brot, Pesto und anderen Speisen vor.

Deshalb freu ich mich um so mehr über die neuen Ideen und Impulse aus der Wilden Waldküche. Erstaunt war ich ja, dass sogar Lungenkraut eine feine Küchenzutat abgibt. Dann hoffe ich mal, dass meine Aussaat dieses Mal auch aufgeht!

Jede Zutat im Buch hat einen praktischen Steckbrief bekommen, in dem neben ihrem Aussehen auch beschrieben wird, welche Teile der Pflanze essbar sind, welchen Standort sie bevorzugt, zu welcher Jahreszeit sie am besten geerntet wird und wie lange sie sich unverarbeitet hält.

Dem Kapitel mit Waldgemüse und Kräutern folgen Gerichte mit Zutaten von „Hecken und Sträuchern“, Hagebuttenkuchen, Waldketchup, Schlehengelee oder Rosa Reiskugeln etwa. Auch aromatisch Konfitüren und leckere Likörchen sind natürlich dabei.

Im dritten Kapitel kommen Bäume und ihre Früchte geschmackvoll zur Geltung, was man allein aus Esskastanien alles machen kann! Suppe, Schnitten, Milch, Likör und Kastaniencreme. Ein Traum. Auch Fichte, Walnuss, Wildapfel und Wildbirne sind tolle Rohstoff-Lieferanten. Dass die Wilde Waldküche auch elegant kann, zeigt Linda Louis beispielsweise mit den Rezepten zur Robinie, deren Blüten sie zu Meringen und Pannacotta verarbeitet.

Ich freu mich jetzt schon auf die nächste Saison: der Wein aus Wildkirschblättern steht ganz oben auf meiner ToDo-Liste! Neulich hab ich tatsächlich in einer bekannten Dorgeriemarktkette zum ersten Mal Birkenwasser entdeckt und gekostet – selbst eine Birke anzubohren um Birkenwasser zu gewinnen, trau ich mich allerdings nicht so richtig, obwohl die Autorin genau erklärt, wie es gemacht wird.

Vielleicht mach ich zuerst einen Brotaufstrich mit Semmelstoppelpilz, der mit zahlreichen „Kollegen“ im vierten und letzten Kapitel die Hauptrolle spielt. Auch Nudeln mit Schopftintling in Spinatsauce klingt sehr, sehr schmackhaft, ebenso die Steinpilzsuppe mit Esskastanien oder Dinkelrisotto mit Pfifferlingen…

Keine Frage: die wunderschön gestaltete „Wilde Waldküche“ wird mich ab sofort geschmackvoll durch alle vier Jahreszeiten begleiten, denn Genießen im Einklang mit den Jahreszeiten und der nächsten Umgebung, das ist schon ganz besonders lecker!

Linda Louis „Wilde Waldküche“, 320 Seiten, Hardcover, 29 Euro 90, Hädecke Verlag

wälder in baden-württemberg

3002_270x197_2038„Wenn man in den Wald eintritt, so ist es, als trete man in das Innere einer Seele“, sagte der Dichter Paul Claudel und für ihr Buch „Wälder in Baden-Württember“ betrat Fotografin und Waldbesitzerin Ulrike Klumpp viele Waldseelen im Ländle.

Der Schwarzwald charakterisiert ihre Heimat und auf ihrer Reise durch sechs weitere Wuchsgebiete entdeckte sie die vielfältige Schönheit baden-württembergischer Wälder – aber auch, wie sich Umwelt nicht zuletzt durch Eingriffe des Menschen verändert.

Auch Co-Autorin Gabriele Wicht-Lückge ist fest mit dem Wald verwurzelt. „Seit über 20 Jahren werden die meisten Wälder in Baden-Württemberg naturnah bewirtschaftet“, weiß die Forstwissenschaftlerin und Waldbauchefin von ForstBW.

„Der vorliegende Bildband zeigt, dass naturnah bewirtschafteter Wald fasziniert und dass die Produktion des begehrten und nachwachsenden Rohstoffes Holz mit hohen ökologischen Wertigkeiten zusammen gehen kann.“

Gemeinsam stellen die beiden Forstexpertinnen und Waldliebhaberinnen Waldschönheiten aus verschiedenen Gebieten vor. Großformatige Aufnahmen beleuchten Biotope unter dichten Waldkronen im Odenwald, in der nordbadischen Rheinebene, im Neckarland, im Schwarzwald und Baar-Wutach-Kreis, auf der Schwäbischen Alb sowie im Alpenvorland und Bodenseegebiet.

Mit von der Waldpartie war übrigens Sebastian Schreiber von ForstBW, der die Buchentstehung durch wichtige Impulse, Networking und begleitende Kommunikation möglich machte.

Jeder der genannten Landstriche hat seine besonderen Waldformen und gibt die Kapiteleinteilung des Bildbands vor: im Hochwasser des Rheins gedeihen Auenwälder, der Odenwald ist für seine „Mischsaat“ und seine Lärchenpopulation bekannt, die Weißtanne fühlt sich vor allem im Schwarzwald wohl und der Schönbuch im Neckarland ist Heimat von zahlreichen monumentalen Eichen-Naturdenkmalen.

Wegen seines kühl-feuchten Klimas gilt das Baar-Wutach-Gebiet als „Schwäbische Taiga“, hier dominieren Fichten, Tannen und Kiefern. Die Schwäbische Alb begeistert mit vielfältigen Buchenwäldern und Wachholderheiden, in Oberschwaben teilen sich die Bäume ihren Lebensraum mit charakteristischen Moorlandschaften und am Bodensee gedeihen strukturreiche Waldgebiete.

Zitate und kurze Infotexte begleiten die großartigen Aufnahmen der Waldlandschaften, Baumkronen- und Wipfelpanoramen, von Schneewäldern und vom besonderen Lebensraum Waldboden. Beim Durchblättern geht – zumindest mir – unwillkürlich das Herz auf, mit Spannung und Freude wird die nächste Seite erwartet.

Oder ums mit Kafka zu sagen (S. 186): „In den Wäldern sind Dinge, über die nachzudenken man jahrelang im Moos liegen könnte.“ Und weil die Wenigsten Zeit dazu haben, gibts dieses auffallend schöne Buch, das man immer wieder zum Genießen und Sinnieren in die Hand nehmen kann.

Urike Klumpp, Gabriele Wicht-Lückge „Wälder in Baden-Württemberg“, 192 Seiten mit 93 Farbfotos, Hardcover, 34 Euro 90, Silberburg-Verlag

 

wie pilze aus dem boden schießen…

023_08676_175605_xxlHeuer ist ein gutes Pilzjahr meldet die Presse landauf landab – so viele und vor allem so große Exemplare habe es lange nicht gegeben. Als Pilz des Jahres rückte der leckere Pfifferling in den Fokus der Medien. Dabei erfuhren wir, dass der Röhrenpilz neben seinem feinen Geschmack auch eine wichtige Funktion im Ökosystem hat. Nicht nur beim „Recycling“ spielen Pilze nämlich ganz vorne mit.

Robert Hofrichter erzählt in seinem Buch „Das geheimnisvolle Leben der Pilze“ zum Teil unglaubliche Pilz-Geschichten. Fast alle wissenschaftlich fundiert natürlich. Auf einer humorvollen Reise durch die Welt der Pilze kommt Erstaunliches zutage, denn das, was wir im allgemeinen als Pilz erkennen – in der Regel sind es Pilzhüte im Wald – ist nur die halbe Wahrheit. Der viel größere Teil des komplexen Pilznetzwerkes liegt für uns unsichtbar unter der Erde oder im Holz und funktioniert wie das Internet des Waldes.

Pilze sind kein Gemüse wie lange angenommen wurde. Sie haben viel mehr von Tieren und sind sogar unserem Erbgut ähnlicher als der Pflanzenwelt. Denn eines machen Pilze am allerliebsten: sie fressen! Diese Erkenntnis löste einen Paradigmenwechsel in der Pilzforschung aus und die Welt der Pilze hält sowohl für Wissenschaftler als auch für Sammler und Pilzliebhaber noch unzählige Erkenntnisse und Überraschungen bereit.

Samtfußrübling, Runzelwerpel, Frostschneckling, Nebelkappe, Herbstlorchel, Ritterling und Herkuleskeule, Flaschenstäubling, Frauentäubling oder Kahler Krempling – Pilze haben nicht nur kuriose Namen sondern ebensolche Eigenschaften. Und Pilze sind allgegenwärtig – sie leben auf unserer Haut, im Weltall und in den Tiefen des Ozeans und sie leisten Unglaubliches.

Sie können Wüsten beleben, Frost und Radioaktivität trotzen, heilende und tumorhemmende Stoffe bereit stellen und Rauschzustände verursachen. Der Zunderschwamm war wohl das erste „Feuerzeug“ der menschlichen Geschichte und lässt sich auch heute prima zum Feuermachen verwenden. Ohne Pilze gebe es kein Bier und keinen Hefeteig.

Fast 90 Prozent aller Pflanzen paktieren mit Pilzen, gehen wundersame Symbiosen mit einem oder mehreren Pilzen ein, weiß der Autor. Diese Partnerschaft kann eher äußerlich sein oder aber die Pflanze lässt den Pilz bis in ihre Zellinneres vordringen.

Durchs Networking zwischen Pflanzen und Pilzen – die so genannte Mykorrhizierung – erhalten Pflanzen ein besseres Wurzelsystem und damit eine höhere Zufuhr von Wasser, Phosphat und anderen Nährstoffen. Der Pilz bekommt als Gegenleistung Zucker – meist Glukose. Außerdem funktioniert das Pilznetzwerk wie ein Kommunikationssystem. „Keine Orchidee könnte ohne die Hilfe eines Pilzes das Licht der Welt erblicken“, so  Hofrichter zum teilweise überlebensnotwendigen Netzwerken mit Pilzen.

Doch es wird noch spannender: Ein ganz bestimmter Pilz, der Physarum, hilft Verkehrsplanern, den kürzesten Weg zwischen zwei Punkten zu finden. Auf ihrem Weg zu neuen Ufern wahren die Pilze außerdem ein optimales Gleichgewicht zwischen Redundanz und Effizienz. Japanische und englische Forscher entwickelten sogar einen Roboter, der von diesem Schleimpilz gesteuert wird.

Auch in Sachen Größe sorgen Pilze für Verblüffung: „Genau so viel wie vier ausgewachsene Blauwalweibchen von je 150 Tonnen wiegt ein im Jahr 2000 entdeckter Hallimasch im US-Bundesstaat Oregon“, weiß Hofrichter und schreibt dem Riesenpilz ein Alter von 2400 Jahren zu.

Nicht zuletzt sind essbare Pilze eine schmackhafte Bereicherung in unserer Küche. Selbst in dieser Rolle sorgen sie für Superlative -einem Bieter aus Hongkong waren zwei Trüffel eine stolze Summe wert: die beiden Feinschmeckerpilze kamen bei einer Auktion in Italien mit einem Gesamtgewicht von 950 Gramm für 90 000 Euro unter den Hammer.

Auch Ameisen und Termiten kooperieren beim Essen gerne mit Pilzen, die Insekten legen in ihren unterirdischen Höhlenbauten regelrechte Pilzfarmen an. Nicht alle Pilze sind unsere Freunde, einige richten in ihrem Fresswahn laut Robert Hofrichter Milliardenschäden an, sie produzieren gesundheitsgefährdende Gifte und können ganz Ernten vernichten.

Unterm Schnitt profitieren wir aber nach wie vor von unserer jahrtausende alten Beziehung zu unterschiedlichsten Pilzen und werden auch in den kommenden Jahren sicher noch viel Hilreiches und Erstaunliches über die fressenden Lebewesen erfahren. Gerade wenns um Recycling geht, aber vor allem in Sachen Kooperation können wir von den Vernetzungsweltmeistern noch einiges lernen…

Robert Hofrichter „Das geheimnisvolle Leben der Pilze. Die faszinierenden Wunder einer verborgenen Welt“, 240 Seiten mit Farbfotos, Hardcover, 19 Euro 99, Gütersloher Verlagshaus