echt falsche bilder: stuttgarts meisterfälscherin gabriele sauler

Kujau-Schülerin rettet Ehre des Meisterfälschers – Gabriele Sauler über Frauen, Männer und echte Fälschungen

Stilblüten und Meistermaler

„ Frauen brauchen Männer, die starke Frauen vertragen“, sagt Gabriele Sauler. Stuttgarts Meisterfälscherin und einzige Kujau-Schülerin weiß, wovon sie spricht – seit vielen Jahren trainiert sie Karate, ist begeisterte Leichtathletin und durch die Zusammenarbeit mit dem Hitler-Tagebuch-Fälscher ein bisschen berühmt. Gabriele Sauler ist eine von diesen starken Frauen, die unabhängig und mit eigenem Kopf Entscheidungen treffen. In Ihrem Atelier – bei der Wilhelma gleich ums Eck – hängen Portraits, eine Daimler-Stadion-Impression in Großformat und abstrakte Meisterwerke, Zeugen von Gabriele Saulers Allroundtalent, das sich mit Pinsel, Bleistift, Kohle, mit Öl- und Acrylfarbe auf Leinwand, Bananenfaser, Bütten-, Hanf-, Kahari-, Fabriano- oder Japanpapier entfaltet. Ob kubistisch, impressionistisch, realistisch oder surrealistisch: Auf Wunsch malt Gabriele Sauler hier echt falsche Cezannes, Klimts, Van Goghs oder Schieles fürs Büro, Schlaf- oder Wohnzimmer. Lediglich ihre eigene Signatur – die laut Gesetzt unbedingt mit aufs Bild muss – verrät den wahren Maler.

„Ich bin wirklich froh, dass niemand von mir ein Frauenbild von Renoir will, denn er hat Frauen und Mädchen besonders schwach und dümmlich dargestellt. Nur Degas war noch schlimmer“ sagt Gabriele Sauler, die sich selbst immer wieder emanzipatorischen Fragen stellen muss: Warum sie sich heute noch als Meisterschülerin Kujaus darstellen würde, wollen viele Leute wissen. Saulers Antwort ist einfach: „Wäre ich auf einer Kunstakademie gewesen, würde deren Name anstelle der Meisterschülerin stehen.“ Auch Jörg Immendorff habe sich bis zuletzt als Beuys-Schüler vorgestellt sagt die Malerin und kaufmännische Angestellte.

gabriele sauler
Foto: Gabriele Sauler

Dass Gabriele Sauler keineswegs ein verschüchtertes Kujaus-Mündel ist, bewies sie unter anderem mit ihrer Anzeige gegen Petra Kujau. Die selbst ernannte Großnichte Konrad Kujaus bot „echte“ Fälschungen auf ebay an, überschwemmte den deutschen Kunstmarkt mit Werken des verstorbenen Meisters. „Die Menge sowie Jahresangaben auf den Bildern machten mich aber irgendwann stutzig. So viel hätte Kujau zu Lebzeiten gar nicht malen können und außerdem hat er Fälschungen nie datiert“, sagt Sauler, die dadurch auch selbst unter Verdacht gerät – Sammler fragen, ob sie für die Kujau-Schwemme verantwortlich sei. Ein Besuch im 2005 eröffneten Kujau-Museum wandelt ihre Vermutung schließlich in einen begründeten Verdacht: Hier hängt kein einziger echter Kujau und Gabriele Sauler erstattet Anzeige. Wie sich heraus stellt, stammen die teuer verkauften Kopien aus Asien, der entstandene Schaden wurde auf 550 000 Euro geschätzt. Nach sechs Jahren Kujau-Schule hat Gabriele Sauler eine Art Röntgenblick für echte und falsche Fälschungen entwickelt.

Frisch aus dem Knast suchte Konrad Kujau 1988 ganz offiziell Schüler und auf Anraten ihrer Eltern stellt sich Gabriele Sauler mit vier Bildern im damaligen Atelier in der Schreiberstraße vor. Zwar habe sie schon im Kindergarten „alles abgemalt“, aber nie gedacht, dass sie wirklich Talent hat und vor dem Meister wird ihr richtig mulmig. Der zerstreut ihre Bedenken allerdings großzügig, bringt ihr alles bei, was sie für ihren weitere Lebensweg als Kunstmalerin brauchen kann, von der Pinseltechnik über kunst-ökonomische Lehrsätze – „Du musst so schnell sein wie Van Gogh“ – bis zu handfesten Lebensweisheiten: „Lass Dir ja nix von den Männern gefallen.“

Amüsant sei er gewesen und ein Frauenverehrer erzählt Gabriele Sauler, die mit der schlitzohrigen Vergangenheit ihres Lehrers überhaupt kein Problem hatte und noch heute von seinem Namen profitiert. Mittlerweile hat sie zudem einen ganz eigenen Stil entwickelt – farbstarke, plakative Malereien, oft sind es antike Kriegerinnen, frei nach Saulers Motto: „Es kann nicht schaden, wenn man sich wehren kann.“ Atelier Gabriele Sauler, Brückenstr. 41, Cannstatt, Tel. 0711.480 94 94 www.gabriele-sauler.com

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