schierlingstod – ein reformationskrimi

2927_270x171_2023Mitten in den Wäldern um Karlsruhe liegt das Kloster Frauenalb – heute nur mehr eine beeindruckende Klosterruine, beginnt in dieser badischen Idylle Simone Dorras Reformations-Krimi „Schierlingstod“ und für die Nonne Fidelitas von heute auf morgen ein völlig neues Leben…

Der Klostergarten ist Fidelitas Refugium – hier erwirbt sie fundierte Kenntnisse der Kräuterheilkunde. Ein Wissen, das auch Gräfin Johanna zu Gute kommt, denn die junge Nonne kennt ein wirksames Mittel gegen Gelenkschmerzen, unter denen die Gattin Wilhelms von Eberstein bisweilen leidet.

Als Gräfin von Eberstein nach Cannstatt reist und nicht auf die Behandlungen der heilkundigen Nonne verzichten will, verlässt Fidelitas das Kloster unter Tränen. In Cannstatt knetet sie am Vormittag die Gelenke der Gräfin, den Nachmittag kann sie weitgehend so verbringen, wie sie möchte.

Oft geht Fidelitas dann Kräuter sammeln, zum Beispiel Wasserschierling am Neckarufer, dessen Wurzeln sie für kühlende Umschläge verwendet. „Bald“, denkt Fidelitas auf dem Heimweg, „ist Bruno von Eberstein hier, die Gräfin kann mit ihm klären, was sie zu klären hat, und wieder abreisen“.

Doch statt einer schnellen Heimkehr ins Kloster kommt alles anders: tatsächlich taucht der Lieblingssohn der Gräfin einige Tage später in Cannstatt auf und das Entsetzen ist groß, als er eines Morgens tot in seiner Kammer liegt. Das ganze Haus ist in Aufruhr und Gräfin Johanna vergräbt sich schmerzerfüllt in ihrer Kammer. So sehr hat sie sich eine politisch profitable Heirat für ihren Sohn gewünscht. Nun ist er tot.

Zur gleichen Zeit weilt Valentin Schmieder in Cannstatt. Der protestantische Theologe aus Tübingen besucht seine Schwester und trägt einen Brief für Gräfin Johanna bei sich – ihr jüngster Sohn Otto studiert in Tübingen und bat den Magister, den Brief zu überbringen.

An der Tür trifft Valentin Schmieder auf Fidelitas – trotz Trauerfall geraten der Protestant und die couragierte katholische Ordensschwester in einen verbalen Schlagabtausch. Kein Wunder, die neue religiöse Strömung spaltete ganze Familien.

Als Otto von Eberstein vom Tod des Bruders erfährt, reitet er selbst nach Cannstatt und bittet Valentin Schmieder, zu ermitteln: Fidelitas hatte festgestellt, dass Bruno von Eberstein mit Schierling vergiftet worden ist. Dummerweise gerät die kluge Nonne damit selbst unter Verdacht…

Nicht gerade begeistert nimmt Valentin Schmieder den Auftrag an und auch die Gräfin ist nicht erfreut über die Ermittlungen – sie fürchtet, der Ruf ihrer Familie ist am Ende der Untersuchung ebenfalls vergiftet. So stochert der Magister in einem Nebel aus Schweigen und Geheimnissen.

Die Ergebnisse seiner Befragungen sind enttäuschend und schon in zwei Wochen reist die Gräfin mit ihrem Gefolge wieder ins Badische. So kommt er nicht weiter. Valentin Schmieder reist nach Tübingen zurück, wo sich ebenfalls unerfreuliche Dinge ereignen.

Dann taucht plötzlich Philipp von Eberstein, der älteste Sohn der Gräfin, in Cannstatt auf, Fidelitas verschwindet und als Valentin Schmieder einer heißen Spur folgt, gerät er selbst in Lebensgefahr…

Ein komplexer, intelligenter und fesselnder Krimi mit einem außergewöhnlichen Ermittlerduo, starken Haupt- und Nebenfiguren, abwechslungsreicher Dramaturgie, stimmiger Auflösung und authentisch historischem Hintergrund. Eine der besten Neuerscheinungen zum Reformationsjahr. Unbedingt lesenswert!

Simone Dorra liest übrigens am kommenden Montag, 16. Oktober, 19.30 Uhr, in der Gemeindebücherei Schwaikheim.

Simone Dorra „Schierlingstod“, 440 Seiten, kartoniert, 14 Euro 90, Silberburg-Verlag

 

 

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beherzte schwestern – südwestdeutsche klosterschwester aus sechs jahrhunderten

U_Keuler_BeherzteSchwestern_05.inddMissgunst und Intrigen, Machthunger und Vorteilsnahme, soziale Kontrolle, aufdringliche Kirchenväter und eindringliche Soldaten, aber auch Mystisches und Wundersames – allen, die glauben, dass das Leben im Kloster stets ruhig und friedlich verläuft, erzählt Dorothea Keuler in ihrem Buch „Beherzte Schwestern“ fundiert recherchierte Klostergeschichten, die zum Teil spannender als jeder Krimi sind!

Vor allem aber stellt sie südwestdeutsche Klosterfrauen in den Mittelpunkt, die ihr Schicksal ganz und gar nicht gottergeben jemand anderem überließen, sondern beherzt in die eigenen Hände nahmen.

Nachdem Klöster über Jahrhunderte wichtige und zum Teil machtvolle Institutionen waren, sind die meisten heute nur mehr schöne Baudenkmäler, die besichtigt werden. Über das Leben zwischen Kirche, Konvent, Refektorium, Klostergarten und Schlafsaal erfährt man meist nur bei Führungen. Tatsächlich war der Alltag in einem Kloster so komplex und vielschichtig wie vor den Klostertüren. Vor allem für Frauen:

„Es wurde nicht nur gebetet, gesunden und jubiliert“, schreibt die Autorin Vorwort. Vielmehr bot das Kloster für Frauen „über Jahrhunderte die einzige Möglichkeit, Bildung zu erlangen oder Macht auszuüben. Und seit es Klöster gab, standen sie im Spannungsverhältnis zwischen andächtiger Versenkung und Verweltlichung. Das sorgte für Konfliktstoff.

Auch die ‚Krisen und Katastrophen der Welt draußen‘ brachten Unruhe ins kontemplative, das heißt beschauliche Klosterleben.“ Wie sehr es auch gemenschelt haben mag: Klöster waren vor allem im Mittelalter eine fremde, faszinierende Welt und der Alltag bestimmt von – mehr oder weniger – strengen Regularien, aber auch von beachtlicher Frömmigkeit, von außergewöhnlichem Zusammenhalt und Mut der Ordensfrauen in schweren Zeiten.

Nach einer kleinen, aber sehr aufschlussreichen Einführung in die Geschichte der Frauenklöster, stellt Dorothea Keuler in lebendigen Portraits einige besonders tapfere Nonnen, Schwestern, Chorfrauen und Stiftsdamen vor. Darunter „Frauen, die sich in der Not zu helfen wussten“, wie Gertrud von Ortenberg, die erst als Witwe ein „Beginenleben“ begann.

Auch „Frauen, die den Mund aufmachten oder zur Feder griffen“ lernen wir kennen, wie die Chronistinnen Magdalena Kremer aus dem Dominikanerinnenkloster in Kirchheim oder die Villinger Klarisse Juliane Ernst, deren Kriegschronik packend die Bedrohung und Ereignisse während der Belagerung durch die Württemberger und Schweden beschreibt , die schließlich trotz aller Gegenwehr ein normales Klosterleben unmöglich machten.

Nicht immer beschrieben die Chronistinnen rein weltliche Bedrohungen  – gerade während der Reformation kam es auch in den Klöstern selbst zu heftigen Auseinandersetzungen und religiösen Spaltungen, weil nicht jede fromme Ordensfrau  die „Segnungen“ der neuen geistigen Strömung annehmen wollte.

Als die Obrigkeit im Frühjahr 1556 im Pforzheimer Dominkanerinnekloster sogar die Heilige Messe und den Besuch von katholischen Geistlichen verbot, den Schwestern Gesänge und Gebete in Latein untersagte und obendrein noch jede Woche einen evangelischen Pfarrer schickte, widersetzten sich die 46 Dominikanerinnen der „Umerziehung“ vehement und nahmen eine lange Leidenszeit auf sich, wie das „Tagebuch der Schikanen“, die Reformationschronik der Eva Magdalena Neyler schildert.

Und Maria Monika Hafner pranger Misstände im eigenen Kloster, dem Augustiner-Chorfrauenstift Inzigkofen, an: nach dem Tod der alten Pröbstin ist Hafners Welt ganz und gar nicht mehr in Ordnung, zu fremd sind ihr die Sitten unter der Nachfolgerin. Ihr 400 Seiten starker „Beschwerdebrief“ an den Klostervisitator beschreibt detailliert die Verfehlungen der neuen Pröbstin sowie die Sünden einiger Mitschwestern.

Von einem lauten „Schwätzmarkt“ ist die Rede, weil sich viele Schwestern nicht mehr an Gebetszeiten und Schweigegebot halten. Chorgesang und Messe seien schlecht aufeinander abgestimmt, so dass der Priester mit der Liturgie nicht weiter komme und warten muss, bis der lange „beschwerliche Gesang und das Orgelspiel ein Ende nehmen“.

Überhaupt verzögere das lange Musizieren den gesamten weiteren Tagesablauf und die Musikerinnen selbst seien oft kraftlos von den körperlichen Anstrenungen des Singens und Musik machens. Auch die Chorleiterin bekommt ihr Fett weg – Schwester Monika wirft ihr vor, dass sie allzu ungestüm die Orgel schlage, was zu fürchterlichem Geschrei und Durcheinander, und bei einigen Chorfrauen zu Lachen, Verdruß und Brechung des Stillschweigens führe.

Nicht zuletzt prangert die Beschwerdeführerin die „Hochleistungsfrömmigkeit“ an, die mit der neuen Pröbstin im Stift Einzug gehalten habe, weil plötzlich „alle möglichen Handreichungen und Gefälligkeiten nach Rosenkranz-Tarif abgegolten“ werden.

Doch auch wirklich Wundersames ist aus Klöstern zu hören: im zweiten Portrait beschreibt Dorothea Keuler „Die reine Lust der Margareta Ebner“, eine Chorschwester in Maria Medingen bei Dillingen an der Donau, die – unterstützt von einer Mitschwester – mysthische Offenbarungen und Gnadenerweise überlieferte, die sie von Gott erhielt.

Margareta Ebner verzichtete nach ihrem Eintritt ins Kloster auf Fleisch und Fisch, später auch auf Obst, badete nicht und benutzte keine Seife. Später zieht sie sich in selbst auferlegtes Schweigen zurück, ist oft schwer krank und nimmt kaum mehr am klösterlichen Leben teil, allein „das Kruzifix bekam eine überwältigende Bedeutung für sie…ständig trug sie ein Kreuz um den Hals“.

Da beugte sich Christus eines Tages im Traum zur Margareta hinunter „und bot mir sein geöffnet Herz zum Kuße und tränkte mich mit seinem Blut daraus, und da empfing ich also kraftvoll große Gnade und Süßigkeit, die lange nachhielt“, zitiert die Autorin aus den Aufzeichnungen der Mystikerin.

Insgesamt zehn Frauenportraits erzählen anschaulich vom klösterlichen Alltag und der Geschichte der Klöster im Südwesten Deutschlands bis zur Säkularisation, die für viele Schwestern den Sprung in ein völlig anderes Leben, aber keineswegs das Ende der Klöster bedeutete.

Ein außergewöhnliches Buch mit interessanten, tiefen Einblicken in „eine fremde, faszinierende Welt“.

Dorothea Keuler „Beherzte Schwestern. Südwestdeutsche Klosterfrauen aus sechs Jahrhunderten“, 200 Seiten, Hardcover, 19 Euro 90, Silberburg-Verlag

abschied leben lernen

das-letzte-tabu-ueber-das-sterben-reden-und-den-abschied-leben-lernen-978-3-451-34926-3-49782Über den Tod reden? Aber sicher! Das sagen zumindest Annelie Keil und Henning Scherf in ihrem Buch „Das letzte Tabu“, das im Herder Verlag erschienen ist. Auch wenn unsere westliche Gesellschaft Tod und Sterben weitgehend anonymisiert – in meinem Umfeld wird das Thema jedenfalls nicht tabuisiert, weshalb mir „Abschied leben lernen“ als Haupttitel besser gefallen würde.

Aber sei’s drum: mit dem Werbeslogan „Früher an später denken“ bringt eine Versicherungsgesellschaft den Tenor des Buches auf den Punkt. Die beiden Autoren beschreiben ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Tod, die erschreckenden wie die tröstlichen und setzen sich für eine möglichst angstfreien und selbstbestimmten Umgang mit dem Prozess des Sterbens ein.

„Die Hospizbewegung, die Entwicklung der Palliativmedizin, Veränderungen im Bestattungswesen, ehrenamtliche Hilfen aller Art – all das ist getragen von der Einsicht, dass eine Gesellschaft nicht auf eine Kultur der Menschlichkeit am Lebensende verzichten darf“, postulieren Annelie Keil und Henning Scherf zu Beginn.

Und sie machen auf den folgenden Seiten Mut, „nicht erst am Lebensende Abschied gemeinsam zu leben,  erträglicher zu machen und menschlicher zu gestalten, was wir zuletzt alle durchleben müssen. Gerade im Sterben, wenn wir unsere Verletzlichkeit besonders stark erfahren, brauchen wir Professionalität und Phantasie, Eigensinn und Respekt, vor allem aber menschliche Zuwendung.“

Die Angst vor dem Ende des Lebens hindert viele Menschen daran, schon mitten im Leben einen offenen und freien Dialog übers Sterben zu führen – dabei wäre das der erste Schritt auf dem Weg zum Ziel! Und mal ehrlich: ist nicht das gesamte Leben bereits vom Abschied nehmen durchzogen?

Liebespaare trennen sich, Kinder verlassen das Elternhaus, Arbeitsplätze werden gewechselt – der einzige Unterschied zum Sterben ist, dass diese Abschiede nicht so endgültig empfunden werden.

Nicht zuletzt hat eine Art Machbarkeitswahn der Medizin den Tod manipulierbar gemacht, beobachten die Autoren und fordern auf, gerade auch ganz bewusst das zu erkennen und anzuerkennen, was eben nicht mehr geht.

Ob man sterben wirklich lernen kann, darf natürlich bezweifelt werden – dass es sehr wertvoll, diesen Prozess so bewusst und liebevoll zu gestalten, zeigen die beiden Autoren, dass das „Verbliebene“ immer noch sehr bereichernd sein kann, wenn man sich darauf konzentriert, all das gehört zur Kunst des Sterbens dazu.

„Was man in der Lebenskunst nicht gelernt hat, lernt man auch nur schwer in der Sterbenkunst“, bemerkt Annelie Keil sehr treffend und nennt als Beispiel die Ungeduld, die unseren Alltag durchzieht und mit der wir nicht zuletzt auch auf den Sterbenden blicken.

Demut, als eine tief geistige, spirituelle Haltung ist hier der Schlüssel, denn Geduld und Demut gehören zusammen. Sie hilft nicht nur, „dem Tod zu begegnen und das Leben zu erfahren“, sondern sich auch der biografischen Herausforderung die das Abschied nehmen mit sich bringt, zu stellen.

Wieso sterben so viele Menschen ungewollt alleine, was kann Familien helfen, wenn sie mit dem Tod konfrontiert sind, wer hilft Sterbenden, ihre Selbstbestimmung und Rechte zu wahren und was können wir alle von Sterbenden neu lernen? Keil und Scherf geben ehrliche, kluge Antworten, überdenken den Status Quo und zeigen Möglichkeiten.

„Wenn wir Ängste und Sorgen gemeinsam annehmen, bleibt niemand ausgeschlossen; so kann eine Kultur der Menschlichkeit am Lebensende gelingen“, sind die Autoren überzeugt und wenden sich sowohl an Menschen, die gedanklich mit dem eigenen Tod umgehen wollen, sondern auch an Pfleger und Begleitende.

Dass Einsicht und Nachfrage bei vielen Menschen da sind, zeigt die Tatsache, dass „Das letzte Tabu“ ein Spiegel-Bestseller ist. Und tatsächlich profitieren wir alle davon, wenn wir einen – unseren – Teil zur Entwicklung einer menschlichen Sterbekultur beitragen.

Annelie Keil | Henning Scherf „Das letzte Tabu. Über das Sterben reden und den Abschied leben lernen“, 256 Seiten, Hardcover, 19 Euro 99, Herder Verlag

lena liest ums leben

MM-Lena-3d_600x600Es gibt Dinge im Leben, die sieht man nicht und spürt sie doch – Liebe zum Beispiel oder Strom. Und dann gibt es Dinge, die sehen auf den ersten Blick völlig anders aus, als sie in Wirklichkeit sind.

Um beide Phänomene geht es in Manfred Mais neuem Kinder-Roman „Lena liest ums Leben“. Wie immer versteht es der Autor, mit Leichtigkeit und klaren Worten die wirklich wichtigen Dinge im Leben in eine wunderbare Geschichte zu verpacken.

Denn Lena liest ums Leben. Und das sprichwörtlich: ihr Vater ist krank. Zwar glauben die meisten zu wissen, was er hat und tröten das auch laut in die Welt hinaus, tatsächlich wissen nicht mal die Ärzte, um welche lebensbedrohliche Krankheit es sich handelt.

Für die muntere Elfjährige und ihre Mutter ist es schrecklich mit anzusehen, wie schwach der Mann geworden ist und hilflos müssen sie mit ansehen, wie sich sein Zustand verschlechtert. Doch Lena sträubt sich mit aller Kraft dagegen, sich an diesen „neuen“ Papa zu gewöhnen, der nur mehr im Bett liegen und kaum etwas essen kann.

„Wir machen Papa wieder gesund“, sagt sie zu ihrer Mutter, „sag Du das auch!“ Und sie hat auch einen Plan, wie das gehen soll: sie liest ihm vor. Ja, sie liest die Geschichte vom geheimnisvollen Erfinder weiter, eine Aufgabe, die bisher eigentlich immer ihr Papa vor dem Einschlafen übernommen hat.

Und sie hat eine Absprache mit dem lieben Gott: er hat ihr im Traum gesagt, dass es ein Heilmittel gibt und sie hat es tatsächlich gefunden. Jetzt muss Gott sein Versprechen einhalten und Papa gesund machen! Von ihrer Abmachung erzählt Lena niemand. Nicht einmal ihrer Mutter. Sonst – so ist sie überzeugt – ist der ganze magische Plan gefährdet.

Manchmal kann sie nur ganz kurz lesen, weil ihr Papa sehr schwach ist und nicht lange zuhören kann. Aber Lena gibt nicht auf! Und so verflechten sich zwei Erzählstränge zu einem: der geheimnisvolle Erfinder und seine Geschichte werden zum festen Teil in Lenas Beziehung zu ihrem Papa, der sich tatsächlich zu erholen scheint und eines Tages sogar seinen ganzen Teller leer isst!

Wie der geheimnisvolle Erfinder siehst sich auch Lena plötzlich miesen Vorurteilen und all zu gedankenlosen, oft sogar gemeinen Mitmenschen gegenüber und „der Hexer“ Martin Maier – so nennen ihn angstvolle Nachbarn, nur weil er ein buntes Haus und wilde Kunstobjekt im Garten hat – tut Lena alles, um an das Gute zu glauben und sich weiterhin mit aller Kraft dafür einzusetzen.

Ein kluges und feinsinniges Buch für große und kleine Kinder, mit einer spannenden Geschichte mitten aus dem Leben.

Manfred Mai „Lena liest ums Leben“, 176 Seiten, Hardcover, 14 Euro 95, Fabulus-Verlag

 

homöopathie für tiere

Homoeopathie-fuer-Tiere-Francis-Hunter.14789Die einen schwören auf sie, die anderen lachen darüber – der Homöopathie kanns egal sein: Auch wenn Globuli und Potenzen in der öffentlichen Diskussion schwer umstritten sind, kann ich auf einige bemerkenswerte Erfolge zurück blicken und egal ob Salbe, Globuli oder Tinktur, ich greife immer wieder gerne zu homöopathischen Mitteln.

Auch bei meinem Kater wirken Silicea und Abrotanum und meist bespreche ich die Entscheidung fürs Mittel der Wahl mit der Tierärztin. Sehr hilfreich für den Einstieg zeigt sich auch Francis Hutters Buch „Homöopathie für Tiere“.

Der Untertitel zeigts schon: es geht um „Natürliche Hilfe bei den wichtigsten Beschwerden – für Hunde, Katzen, Pferde, Vögel, Hamster, Kaninchen, Ziegen, Schildkröten und viele weitere Tierarten“.

Das umfangreiche Werk deckt im ersten Teil grundlegende Probleme ab, die Besitzer von Klein-, Haus- und Nutztiere nur allzu gut kennen, zum Beispiel Unfälle, Notfälle und Erste Hilfe. Im zweiten Teil listet der englische Tierarzt spezifische Erkrankungen nach Tierarten geordnet und listet dazu die passenden Homöopathischen Mittel.

Bei aller Liebe zur Homöopathie kennt und nennt der Autor die Grenzen homöopathischer und anderer komplementärer Behandlungsmethoden und rät in vielen Fällen dringend einen Tierarzt – oder wie ich ergänze: einen Tierheilpraktiker – zu konsultieren, da man als medizinischer Laie meist zu wenig über sein geliebtes Tier und seine körperlichen Prozesse weiß, um bei allen Beschwerden angemessene Hilfe zu leisten.

Vielen erfahrenden Homöopathie-Anwendern wird das Buch nicht weit genung gehen, trotzdem ist das Buch ein interessantes Nachschlagewerk und Ratgeber im Alltag. Wer weiß beispielsweise, dass bei trauernden Hunden die Gabe von Natrium muriaticum hilfreich sein kann?

Der Schluss liegt zwar nahe, da das Mittel beim selben Sympton auch Menschen hilft, wer aber nicht einfach blind drauf los experimentieren möchte, findet bei Francis Hunter fundierte Tipps und Erfahrungen.

Auch für Selbstversorger, die ja oft viele verschiedene Tiere halten, ist das Buch empfehlenswert. Falls ich selbst einen Traum verwirkliche und eines Tages Ziegen und Hühner halte, wird mich Francis Hunters Buch bestimmt immer noch begleiten.

Francis Hunter „Homöopathie für Tiere. Natürliche Hilfe bei den wichtigsten Beschwerden – für Hunde, Katzen, Pferde, Vögel, Hamster, Kaninchen, Ziegen, Schildkröten und vielen weiteren Tierarten“, 432 Seiten, Hardcover, 34 Euro, Narayana Verlag

 

 

 

 

grün und smooth in ein gesünderes leben…

Simple-Green-Smoothies-Jen-Hansard-Jadah-Sellner.21272Trends kommen und gehen – und manche bleiben! Grüne Smoothies zum Beispiel: die gemüsig-fruchtigen Nährstoffbomben haben sich längst in vielen Küchen ihren festen Platz erobert. Kein Wunder: mehr als einen grünen Smoothie am Tag braucht es erstmal nicht, um voller Elan in denselbigen und in ein gesünderes Leben zu starten.

Das behaupten Jen Hansard und Jadah Sellner in ihrem neuen Buch „Simple Green Smoothies“. Und sie tun alles, um ihren Lesern den Einstieg so leicht und schmackhaft wie möglich zu machen. Wer bisher nicht so recht an die flüssige Portion Obst und Gemüse ranwollte, wird nach dieser Lektüre voll motiviert den Mixer anschmeißen!

Mich zumindest haben die beiden Smoothie-Enthusiastinnen voll erwischt, ich bin allerdings auch „vorgeprägt“: jeden Morgen rühre ich mir einen Löffel Gerstengraspulver in ein Glas Wasser und ich möchte wegen der tollen Wirkung nicht mehr darauf verzichten!

Im Garten rupfe ich gern mal einen Stengel Giersch aus und mampfe ihn vor Ort und ich kann nichts anderes sagen, als dass der Geschmack am Anfang ein klitzekleines bisschen gewöhnungsbedürftig und später herrlich vertraut ist. Ich fühle mich allerdings um einiges besser seit ich das mache! Doch keine Angst, in Jen Hansards und Jadah Sellners Rezepten kommt so weit ich gesehen habe, kein einziges Mal Giersch in den Mixer.

Statt dessen liefern sie jede Menge Tipps und Tricks rund ums Smoothie machen, erzählen von eigenen Erfolgsstories – die Flitterwochen-Jeans passt wieder, kaum mehr Erkältungen und Schlappheit und vieles mehr – und überreden mit Witz, tollen Fotos und charmantem Strahlen dazu, sich mit dieser einzigen gesunden Angewohnheit anzufreunden, die nicht nur super schmeckt sondern auch unglaubliche Effekte für Körper, Geist und Seele verspricht.

Was kommst zuerst in den Mixer, wo und wie lange kann ich meinen grünen Smoothie aufbewahren, welcher Mixer eignet sich, welche Gemüse- und Obstsorten passen besonders gut zusammen? Alles kein Problem mehr nach den ersten 31 Seiten!

Mit der ROHckstar-Smoothie-Formel – eine tolle, übersichtliche Zusammenstellung einiger Obst- und Gemüsesorten – gehen auch Anfänger auf Nummer sicher, dass die ersten Smoothie-Kreationen auch wirklich schmecken. Auch weiter hinten im Buch gibt es nochmal ein wirklich hilfreiche Tabelle, welche Früchte oder Gemüse durch genau so passende Sorte ersetzt werden können, zum Beispiel, wenn man eine Bananenallergie hat.

Für alle, die immer noch ein bisschen skeptisch sind, haben die Autorinnen einen Zehn-Tage-Kickstart zusammengestellt – zehn Rezepte, mit denen der Anfang so richtig schmackhaft wird! Oder klingt Pfirsich-Kokos-Traum nicht lecker? Dass der Smoothie trotzdem grün wird, dafür sorgen zwei Handvoll Spinat, die sich geschmacklich elegant in die Komposition einfügen.

Dann kommen über 100 Rezepte für Liebhaber und alle, die es werden wollen. Smoothie-Puristen werden zwar aufschreien, wenn hier Nüsse, Pflanzenmilch, Hanfsamen, Mandelmus, Öle und sogar Kakao mit in dem Mixer kommen, aber ich denke mir, warum denn nicht?

Wenn es sich um naturbelassene Produkte handelt, finde ich das völlig in Ordnung, um überraschende Geschmackserlebnisse und Abwechslung in den täglichen Smoothie zu bringen!

Im Kapitel „Hits für Kids“ finden Eltern jede Menge Rezepte, wie auch Knirpse mit Spaß auf den Smoothie-Geschmack kommen: viel Beeren und Bananen sorgen für tolle Farben und Gaumenfreuden, und das Smoothie-Eis am Stiel ist für heiße Tage genau das Richtige.

Ich jedenfalls bin voll inspiriert und wild entschlossen, künftig mehr als Bananen, Spinat und Äpfel zu trinken. Und mein geliebtes Gerstengraspulver kann ich ja ganz unauffälig dazu mixen…

Noch mehr aktuelle Tipps und Anregungen gibts übrigens auf der Homepage der Autorinnen.

Jen Hansard, Jadah Sellner „Simple Green Smoothies. Mehr als 100 Rezepte zum Abnehmen, Energietanken und Großartigfühlen“, 304 Seiten, kartoniert, Unimedica

eiskalte früchtchen

eislolliesSo wie es aussieht, wirds dieses Jahr mal wieder richtig Sommer – und was schmeckt da einfach am besten? Genau: Eis-Lollies! So nennen zumindest Karis und Dominic Gesua ihre farbenfrohen Fruchteis-Kreationen am Stiel, mit denen sie neue Trends setzen.

Was als eiskalte Überraschung für Freunde und Bekannte begann, wurde schnell zu einem echten Abenteuer: von Hobby-Tiefkühlern wurden die beiden zu professionellen Eis-Lollie-Machern – für ihre Firma „Lickalix“ haben die beiden unzählige Köstlichkeiten entworfen. Einige Rezepte verraten sie jetzt in ihrem Buch „Eis-Lollies – fruchtig, frisch & frech“.

In sechs Kapiteln überraschen die beiden mit ungewöhnlichen Leckereien für heiße Tage: Basis für die kühlen Köstlichkeiten sind ganze Früchte und frisch gepresste Säfte, die in verschiedenen Texturen und in raffinierten Zutaten-Kombis am Holzstiel festfrieren.

Ob Pfirsich-Brombeere, Ananas-Limette, Blaubeere-Bergamotte, Mango-Granatapfel, Herbe Papaya oder Erdbeer-Kokos – die Bandbreite an Aromen ist beeindruckend und für Erwachsene experimentieren die Autoren auch mit alkoholischen Kreationen.

Wie wärs bei der nächsten Party mit Radler am Stiel, Himbeer-Mojito, Kirsch-Martini,  Weisswein-Sangria-Eis oder Pfirsich-Bellini? Auch den Erdbeer-Käsekuchen oder Erdbeeren, Weiße Schokolade und Pistazien dürften die meisten Gäste sicher nich nie so serviert bekommen haben!

Selbst gemixte Gurken, Dill, Karotten oder Rote Beete finden bei Karis und Dominic Gesua den Weg ins Gefrierfach, um dort zu außergewöhnlichen Eis-Lollies zu reifen. Ihren ganz großen Auftritt haben Eis-Lollies natürlich bei Kindergeburtstagen und mit Kraken am Stiel, Regenbogeneis, einer Streuselparade oder Wassermelonen-Pizza dürften Eis-Mutties ganz groß punkten.

Die gefrorenen Obstspieße auf Seite 70 reduzieren die Idee wieder aufs Wesentliche: frisch Früchte und Phantasie sind und bleiben die Hauptzutaten für diese köstlichen Sommersnacks. Wie man Zucker schmelzen lässt und die Formen befüllt, wie der Stiel ans Eis kommt und wie Eis-Lollies am besten aufbewahrt werden, verraten die Eismacher kurz und übersichtlich auf den ersten Seiten des Buches.

Ich hab neulich sogar Kombucha-Eis gemacht, der Geschmack verflüchtigt sich allerdings auffallend schnell. Demnächst probiere ich mal ein Rezept aus, von dem ich mir nicht so richtig vorstellen kann, wie das Ergebnis schmeckt: für die Grüne Göttin kommen Ananas, Apfelsaft, Spinat, Minze und Zitronensaft ins Tiefkühlfach – falls es mir nicht schmeckt, hab ich mir immerhin jede Menge Nährstoffe und wenig Kalorien einverleibt!

Karis und Dominic Gesua „Eis-Lollies – fruchtig, frisch & frech“, 112 Seiten, mit zahlreichen erfrischenden Farbfotos, 14 Euro 99, Hardcover, Thorbecke Verlag