gärtnern für selbstversorger

Selbstversorgung – was vor gar nicht mal so langer Zeit gerade in ländlichen Gegegenden völlig normal war, kommt vielen heute als leicht spinnerte Überspanntheit einiger Ökofreaks vor. Doch selbst in Städten gibt es immer mehr Gemeinschaftsgärten oder Selbstversorger-Projekte und auch Marie und Gustav Mandelmann – haben die nicht einen tollen Nachnamen? – schwören seit vielen Jahrzehnten auf selbst Erzeugtes für Tisch und Vorratskeller.

mandelmannIn ihrem neuen Buch „Gärtnern für Selbstversorger“ teilen die schwedischen Selbstversorger ihre Erkenntnissse und Erfahrungen, geben Tipps und Tricks für Anbau und Verwertung von Obst und Gemüse, für die Getreideernte, für die Schaf-, Kuh-, Schweine-, Geflügel- und Bienenhaltung und alles, was damit verbunden ist, zum Beispiel Schafschur, Käseherstellung oder Schlachtung sowie für die Reparatur des Hauses. Einige einfache und leckere Rezepte sind auch dabei.

Warum die Mandelmanns das alles selber machen wollen? „In einer modernen Gesellschaft zu leben, in der Nahrungsmittel, Gebrauchsgüter und Dienstleistungen gekauft werden können, hat Vor- und Nachteile. Kurzsichtig betrachtet, ist es bemerkenswerter Weise fast immer billiger, Dinge nachzukaufen, statt selbst zu reparieren. Aber Richtung Horizont wartet Mehrwert, der wirtschaftsmathematisch schwerer zu berechnen ist, der aber für mehr Befriedigung sorgt und dem Leben mehr Sinn verleiht – und mehr Würze“, schreiben die Mandelmanns im Vorwort.

Wer sich für die Selbstversorgung entscheidet, muss sich die meiste Zeit mit der Produktion verschiedener Rohstoffe auseinandersetzen. Am Beispiel Huhn geben die Mandelmanns einen tiefen Einblick in ihre Art zu leben: „Eigene Hühner bedeuten eigene Eier. Aber wie sieht es mit dem Hühnerfutter aus, woraus besteht es und wo wurde es angepflanzt? Wenn man das Futter beim benachbarten Landwirt kauft, kommt man zwar dem Ideal eines geschlossenen Kreislaufs recht nahe, bleibt aber trotzdem nur ein Glied in der Kette.

In der Praxis braucht man oft etwas Unterstützung. Aber mit allem, was man anpackt und entwickelt, wächst der Grad an Selbstversorgung und die Kontrolle darüber, was schließlich eine Schachtel eigene Eier ergibt. Eigene Eier sind immer teurer als gekaufte. Man denke nur an die Zeit, die Fürsorge sowie die Ausgaben für Futter, Hühnergehege und Hühnerstall. Außerdem muss man sich einen Hühner-Sitter organisieren, wenn man wegfahren will. Aber das ist die falsche Rechnung.

Der große Gewinn von ein paar Hühnern ist, dass man an der Entstehung der Eier teilhaftigt wird, dass man am Leben selbst teilhaftig wird – tatsächlich wird das abstrakte Wort ‚Leben‘ sehr gegenständlich und anschaulich, wenn man seinen Tag mit einem Huhn teilen darf.“ Nicht zuletzt ist Selbstversorgung wegen ständig neuer Schreckensmeldungen aus der Lebensmittelindustrie eine Überlung wert und ihr eigentlicher Wert in einer überökonomisierten Zeit unbezahlbar.

So herrlich umfassend die Mandelmanns in ihrem Buch auf alle Themen der Selbstversorgung eingehen: das wunderschön illustrierte Buch eignet sich für alle, die sich fürs Selbstversorgen interessieren, ganz unabhängig davon, wieviel Platz sie dafür zur Verfügung haben – egal ob Schrebergärtner, Stadtmenschen mit einer kleinen Ecke im Park oder im Gemeinschaftsgarten.

Gegliedert ist das Buch nach Jahreszeiten und es beginnt mit dem Spätherbst, in dem nicht nur Äpfel geerntet werden, sondern der ganze Reichtum der Selbstversorgung haltbar gemacht werden muss oder darf, um mit den Vorräten am besten bis zum nächsten Sommer über die Runden zu kommen. Im Frühwinter wird beispielsweise gebraut und geschlachtet und im Hochwinter werden schon die ersten Aussaaten fürs nächste Jahr ausgebracht.

Die Frühlingskapitel teilen sich in den „Aufwachenden Vor- oder Erstfrühling“ und in den „Intensiven Vollfrühling“, in dem die Schweine den Boden umgraben können und die Saatbeete angelegt werden, gefolgt vom Frühsommer, vom Warmen Hochsommer und dem „Ergiebigen Frühherbst“.

Trotz dieser Einteilung ist das luftig und sehr ansprechend gestaltete Buch als „Klobuch“ geplant, heißt: man sollte es einfach gut greifbar herum liegen lassen, so können Leser jederzeit irgendwo einsteigen, sich einfach nur die Bilder anschauen und tagträumen oder sich einem bestimmten Thema intensiver widmen. Einige Schwerpunkte kommen in verschiedenen Kapiteln vor.

Ein außergewöhnlich schönes und hilfreiches Buch für alle, die Dinge gern selber machen wollen, die es lieben, „mit den Händen zu arbeiten und das Ergebnis zu genießen“. Eventuelle Misserfolge als willkommene Lerneinheiten eingeschlossen.

Marie und Gustav Mandelmann „Gärtnern für Selbstversorger. Leben auf dem Lande mit Familie Mandelmann“, 272 Seiten, laminierter Pappband, zahlreiche, traumhaft schöne Illustrationen sowie viele Farbfotos, 29 Euro 99, Kosmos Verlag

Dieses Buch ist übrigens ab sofort Teil der Gartenbuchblogparade

blogparade-gartenbuecher

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s