blech statt platin – schmuckdesigner setzen auf alternativen

Warum’s nicht immer Edelmetall sein muss – Designer setzen mehr denn je auf Alternativ-Materialien

Es ist nicht alles Gold was glänzt? Stimmt genau! Seit den 80ern gehört Modeschmuck bei vielen Outfits einfach dazu und immer mehr Schmuckdesigner entdecken ihre Liebe zu Glas, Filz, Holz, Papier & Co. wenn’s um Schmuckgestaltung geht.

Modeschmuck-Geschichte in Stuttgart fängt sogar viel früher an: 1952 gründete Anni Lang eine kleine Manufaktur, die sie findig „Langani“ nennt. Mit einfachen Materialien und viel Phantasie fertigt sie Schmuckstücke, erfindet spezielle Kunstperlen sowie die heute mehr denn je angesagte Luftfädeltechnik – durch einen Nylonfaden entsteht der Eindruck, Perlen und Steine tanzten in der Luft. „Die Materialauswahl lag nahe – nach dem Krieg waren Gold und Silber ja fast unerschwinglich“, erzählt Tochter Susanne Kiess-Schaad, die seit 1965 im Betrieb mitarbeitet und mittlerweile Inhabern ist. „Trotzdem hat Langani den Modeschmuck quasi gesellschaftsfähig gemacht.“

Tatsächlich sind die schmucken Stücke bald auf Pariser Laufstegen zu sehen und heute wird der hochpreisige Modeschmuck vom Stöckach auf der ganzen Welt getragen.

Foto: Langani

Auch Iris Merkle setzte von Anfang an gern auf Edelmetall-Alternativen. Unter ihrem Stuttgarter Label „Fingerglück“ vertreibt sie innovative Schmuckstücke, wie Tubenringe – Ringe aus leer gequetschten Weleda-Cremetuben – oder Ringe aus Bürogummis, die aus dem Kaugummi-Automaten gezogen werden können – die passen immer. „Die Leute lieben diesen Schmuck, auch wenn er nicht aus edlem Metall ist“, weiß Iris Merkle. Seit einiger Zeit presst sie Ringe aus Alufolie – so wurde manche Schokoladenasi-Verpackung zum bunten Unikat für den Ringfinger. Die Experimentierlust kam während des Studiums: „Was ich an Technik brauche, kann ich, aber ich habe nie im klassischen Sinn goldschmiedisch gearbeitet. Dafür lernte ich im Studium, möglichst viele Materialien auszuprobieren, daher auch meine eher künstlerische Herangehensweise“, so Iris Merkle, die es zudem spannend findet, wenn Schmuck einen persönlichen Bezug hat. Deshalb verarbeitet sie so ziemlich alles, was ihre Kunden ins Atelier mitbringen – Spielzeug, Erinnerungen oder Erbstücke.

Auf Recycling setzen auch die Schmuckhersteller von Rena Luxx in Waiblingen. Bereits mit zehn Jahren bastelte Junior-Chefin Carola Seifert Schmuck aus Glasperlen und gebleichten Hühnerknochen, verkaufte ihn in der Schule, auf Flohmärkten und Stadtfesten. Obwohl sich die Logistik im Lauf der Zeit deutlich verändert hat – die Vorliebe für natürliches Schmuckmaterial blieb und ist heute Firmen-Philosphie. Zum einen, weil der Edelmetall-Schmuckmarkt gesättigt sei, zum anderen aus ökologischen Gründen. An Materialauswahl und Ideen mangelt’s aber nicht. So liegen Seiferts im Urlaub nicht am Strand rum, sondern suchen Kieselsteine, die von Wellen und Brandung eine ganz spezielle Maserung erhalten haben.

Foto: Rena Luxx

Auch Pfandflaschen, Kronkorken oder Dupont-Seide werden so kunstvoll verarbeitet, dass Museen aus New York, Tokyo oder Chicago nach den Designer-Stücken fragen. Derzeit liebäugelt Carola Seifert mit elektrischen Bauteilchen: „Es reizt mich, mal mit Mikrochips oder elektrischen Widerständen arbeiten.“ Das Schmuckmaterial der Zukunft? www.langani.de, www.fingerglueck.de, www.rena-luxx.com

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