gestatten: bienzle, pensionär!

„Ich guck eigentlich bloß a bissle zu“, brummt Bienzle am Tatort einem uniformierten Kollegen zu, aber: so ganz stimmt das nicht! Denn obwohl Bienzle im wohlverdienten Ruhestand endlich machen kann, wozu er meist eh keine Lust hat, kommen ihm hier und da ein paar alte Fälle oder brandneue Verdachtsmomente gerade recht…

produktbild_978-3-7630-2704-0_U1_Bienzle >In Felix Hubys neuem Buch „Gestatten: Bienzle, Pensionär!“ stolpert Unruheständler Ernst Bienzle entweder selbst über die eine oder andere Leiche, über ungeklärte Fälle, die er dank unerschöpflicher Geduld, glücklichen Fügungen, viel Erfahrung und einem Quentchen Bauernschläue endlich abschließen kann, oder er wird von Ex-Kollege Gächter um Hilfe gebeten.

Mit Hut und Mantel ist der Tatort-Kriminalkommissar a.D. in zwölf kurzen Kriminalgeschichten zwischen Stuttgart und Bodensee unterwegs: Bienzle kurt auf der Mettnau, streift durch Schrebergärten oder schleicht durch dunkle Gassen in kleinen Städtchen auf der Schwäbischen Alb. Mal stellt er einen Bankräuber, mit dem er kurz zuvor noch am Esstisch sitzt, mal überführt er den Mörder bei einer Lesung und ein anderes Mal nutzt er seine gute Beziehung zu einem Häftling, mit dessen Hilfe er einem üblen Drogenhändler das Handwerk legt. Den einen Täter lässt er gleich von den Kollegen verhaften, beim anderen drückt Bienzle beide Augen zu. Auch Verbrechen können Würde besitzen. Oder einfach auch verjährt sein.

Es scheint fast so, dass Bienzle im Ruhestand und ganz ohne Ermittlungsdruck sein kriminalistisches Talent erst so richtig entfaltet. Fest steht: Bienzle ist einer wie keiner!

Entgegen aller Kritikern und Lästerzungen hab ich Bienzle-Tatorte immer gern gesehen. Mir gefiel eigentlich gerade, dass er weder politisch korrekt noch korrupt, weder schießwütig noch sonstwie (profil)neurotisch daher kam. Dass er und Hannelore manchmal ein bisschen vor sich hin biederten – geschenkt. Wenigstens hat Bienzle dem Stuttgarter Tatort ein kleines bisschen schwäbischen Flair verliehen. Diese „dialektische“ Lücke schließen Lannert & Bootz jetzt eben durch gutes Aussehen und manche sind gottfroh darüber.

Ich hab Bienzle all die Jahre insgeheim ein bisschen vermisst und mich um so mehr über seine „Rentner-Geschichten“ gefreut. Hoffentlich setzt sich E.B. nach diesem Band noch nicht ganz zur Ruhe…

 

Felix Huby „Gestatten: Bienzle, Pensionär!“, 228 Seiten mit 14 Illustrationen von Peter Ruge, gebunden, 19 Euro 95, belser verlag

 

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