die seele der pflanzen

stohrlNach den Pflanzengöttinnen und ihren Lieblings-Heilkräutern gehts heute noch tiefer in die Botanik, nämlich um „Die Seele der Pflanzen“, die Wolf-Dieter Stohrl in seinem gleichnamigen Buch beleuchtet. Genau wie Ursula Stumpf ist auch der Kulturanthropologe und Ehtnobotaniker davon überzeugt, dass jede Pflanze ein ganz eigenes Wesen besitzt, das wir entdecken können, wenn wir uns dafür öffnen.

„Pflanzen sind mehr als sie scheinen“ schreibt Wolf-Dieter Stohrl über die Lebewesen, die uns vordergründig vor allem als Nahrungsgrundlage dienen. Nach einer kurzen botanischen Entwicklungsgeschichte legt Stohrl seinen Lesern eine erste Spur zur Weisheit und Spiritualität der Pflanzen, erläutert ihr makrokosmisches Wesen, ihre Kommunikation über Düfte und Botenstoffe und zeigt, wie Schamanen sich mit Pflanzengeistern verbinden.

„Vielleicht braucht der Mensch ein erleuchtetes Bewusstsein, um Pflanzen zu verstehen“, schreibt Stohrl. „Vielleicht muss der wirklich Pflanzenkundige sich vom alltäglichen Verstand trennen und tief in die Versenkung gehen. Er müsste ein ein Schamane sein, um die tiefere Dimension des Pflanzenwesens zu schauen oder ein Mystiker, ein Dichter, um ihren Zauber zu erfassen.“

Für viele mag das etwas „abgedreht“ klingen, doch es lohnt sich und ist hochinteressant, dem Autor weiter ins Reich der geistig-seelischen Ebenen von Pflanzen zu folgen. Auch für Künstler sind Pflanzen „sichtbar gewordene Lebensprozesse. Er lehrt uns, neu zu sehen, tiefer und inniger. Er vermittelt uns etwas vom Mysterium der Pflanzen, an denen wir (meist) achtlos vorübergehen.“

Einer dieser Künstler ist Frank Brunke, dessen zauberhafte Fotografien jedes der 55 Pflanzenportraits begleiten. Ganz ohne zusätzliche Beleuchtung tastete er sich an Lerchensporn, Gefleckte Taubnessel, Gebirgshahnenfuß oder Alpenglöckchen heran, wartete geduldig auf das Leuchten der Blüte im Morgenlicht, den Tautropfen am Stängel und das zaghafte Öffnen der Knospe.

Tatsächlich wirken seine Pflanzenbilder teilweise mythisch und sollen den Betrachter anregen, in die „Meditation“ einzusteigen, die Wahrnehmung fließen zu lassen und kein Detail zu überspringen. „Wenn man das wirklich tut, wird man ein kleines Wunder erleben“, verspricht Stohrl. „Wenn man das nächste Mal hinaus auf die Flur, in den Wald oder einfach in den Garten hinter dem Haus geht, wird man sie (die Pflanzen) sehen, wie man sie nie zuvor gesehen hat.

Wer bis hierher noch interessiert dabei ist, ist wahrscheinlich auch bereit, selbst auf sinnliche Entdeckungsreise, denn „die Seele der Pflanzen spricht unmittelbar zu unserer Seele. Sie begegnet uns nicht im abstrakten Denken, sondern über das Tor der Sinne.“ Stohrls Buch ist ein erster Einstieg, um die „Botschaft und Heilkraft aus dem Reich der Kräuter“ verstehen zu lernen.

Den Anfang macht der Löwenzahn. Mit seinen gelben Blüten weckt er gerade jetzt unsere Lebensgeister. Weil er so häufig vorkommt und vielseitig nützlich ist, nennt Stohrl ihn „Das Kraut mit den 100 Namen“.  Auch das Scharbockskraut gilt als Frühlingsbote und Muntermacher, der Riesenschachtelhalm ist für den Autor gar Urwesen und Lichtträger.

Jedes Pflanzenportrait enthält Legenden, Gedichte und Überlieferungen zur vorgestellten Pflanze, der Autor beschreibt Persönlichkeit, Eigenschaften und Wirkung. Ein kleines Kapitel über Wolf-Dieter Stohrls ganz persönliche Verbindung zu „unseren grünen Verwandten“ rundet die Reise durch die Pflanzenwelt ab.

Geneigte Leser ahnen bereits: „das Buch nicht zum schnellen Durchblättern geeignet. Es soll ein sinnlich-ästhetischer Festschmaus für hungrige Seelen sein, kein Junk Food-Schnellimbiss. Es soll zur liebevollen Begegnung anregen, nicht zum hastigen Konsum“, so die Empfehlung vom Autor selbst. Trotz gehaltvollem Inhalt – Stohrls Buch macht Appetit auf mehr: auf die eigene Begegnung mit den Pflanzenwesen.

Wann, wenn nicht Jetzt?!

Wolf-Dieter Stohrl „Die Seele der Pflanzen. Botschaft und Heilkraft aus dem Reich der Kräuter“, 160 Seiten mit 80 Farbfotos, laminierter Pappband, 25 Euro, Kosmos Verlag

 

 

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