professionell polyglott – übersetzer in stuttgart

Stuttgarter Übersetzer und ihr vielseitiger Berufsalltag

Do you speak english? Habla Espanol? Sabrina Bäuerle antwortet beide Male glatt ja und könnte sich auch gleich noch auf Russisch unterhalten. Im Leben der Stuttgarter Übersetzerin dreht sich alles um Fremdsprachen – und es können nicht genug sein. „Außer Chinesisch, das liegt mir nicht so“, gesteht die 28-Jährige, die unter dem Label Spaenglishlab Sprachdienstleistungen in Deutsch, Spanisch und Englisch anbietet. Gleich nach dem Abi schnupperte Sabrina Bäuerle zwar in die Heilerziehungspflege, merkte aber schnell: Das passt nicht!

Ein Urlaub in Neuseeland weckte dann ihre Begeisterung für den Umgang mit fremden Sprachen und obwohl der Berufsberater von Fremdsprachenkorrespondenz dringend abriet, folgten zahlreiche Aus- und Fortbildungen in Sachen Sprache und viele Auslandsaufenthalte, darunter ein Job in einer spanischen Firma. Nebenher begann Sabrina Bäuerle auch zu unterrichten. 2009 machte sie sich als Übersetzerin selbständig und arbeitet in ausländischen Feriencamps oder verschiedenen Lernzentren auch mit Kindern: „Meine jüngsten Schüler sind zweieinhalb Jahre und manche lernen bei mir ihre dritte oder vierte Fremdsprache – unglaublich, was die alles leisten können und auch wollen, wenn man sie spielerisch motiviert“, erzählt Sabrina Bäuerle.

Auch der 29-jährige Gregor Karosi aus Budapest hat früh angefangen: Weil ihn der Sprachunterricht in der Schule unterforderte, nahm er zusätzlich Privatstunden, schaute Kabel 1, hörte übers Internet englische Sender und unterrichtete schon als Jugendlicher selbst.

Seit vier Jahren lebt er in Feuerbach und ist Inhaber eines Büros für deutsch-ungarische Übersetzungen, für die er hin und wieder ein Übersetzungs-Programm zu Hilfe nimmt. “Das ist eine Art Wörterbuch und sorgt dafür, dass technische Fachbegriffe konsequent verwendet werden“, erklärt er. Von Programmen, die ganze Texte übersetzen, hält er nicht viel: „Da kommt meistens viel Mist raus, den kein Mensch versteht. Als Übersetzer muss ich Sprache ja auch gestalten, ich brauche ein Gefühl für die jeweilige Sprache und Kultur.“

Albanien-Experte Joachim Röhm weiß genau, wovon sein Kollege spricht: „Als literarischer Übersetzer kann ich mir zwar vorstellen, was sich der Autor gedacht hat, aber wenn ich sein Land und seine Kultur nicht kenne, wird’s ziemlich schwierig. Zudem muss ich ein literarisches Kunstwerk auf dem gleichen Niveau in eine andere Sprache bringen – da brauche ich noch literarische Fähigkeiten dazu.“ Wörtliche Übersetzungen eigneten sich höchstens für Rohfassungen und die klängen meist schrecklich.

In vielen weiteren Durchläufen, bearbeitet Joachim Röhm deshalb vor allem die muttersprachlichen Formulierungen. „Ich ringe dabei um jedes einzelne Wort“, sagt der Übersetzer und schafft so zwei bis drei Seiten am Tag und drei Buchübersetzungen im Jahr. Da die albanische Literatur so übersichtlich sei wie das Land selbst, habe er mit rund 40 albanischen Autoren fast die gesamte albanische Schriftstellerschaft übersetzt.

Zwei Stipendien hat er bekommen und 2006 sogar den Jane Scatcherd-Preis der Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Stiftung. Dabei waren seine albanischen Sprachkenntnisse alles andere als berauschend, als er vor vielen Jahrzehnten in Tirana in einer Redaktion arbeitete und anfing zu übersetzen: „Ein Wörterbuch hatte ich damals nicht. Ich habe mal vor Ort einen Sprachkurs besucht, aber am meisten von Kollegen, durchs Redigieren und aus Zeitungen gelernt.“

Sein Sohn sollte allerdings in eine deutsche Schule gehen, also kehrte Joachim Röhm mit seiner Familie nach Deutschland zurück, arbeitet zunächst in einer Fabrik, übersetzt als Vorstand der Deutsch-Albanischen Freundschaftsgesellschaft nebenher. Mitte der 90er-Jahre, nach dem Kosovo-Krieg, kommen viele Albaner nach Deutschland.

Joachim Röhm übersetzt hunderte von Anklageschriften, dolmetscht bei Gerichtsverhandlungen, wird der zweite beeidigte albanische Übersetzer überhaupt in Baden-Württemberg und verlegt sich nach und nach immer mehr aufs Literarische. Noch heute fasziniert ihn die albanische Sprache: „Sie ist alt und gleichzeitig ganz jung. Wie bei vielen Völkern gab es lange keine Schrift – das erste albanische Alphabet entstand 1908, das erste Wörterbuch 1980“, weiß Joachim Röhm.

„Als Tourist bekommt man von einem Land ja leider wenig mit und selbst ich habe manchmal ein sehr beschränktes Verständnis, obwohl ich mich fast mein ganzes Leben lang mit diesem merkwürdigen Land beschäftige.“ In seinem Degerlocher Homeoffice der Übersetzer mit Blick auf Stuttgart wohl bald an einer eigenen Biographie schreiben – Anfragen von Verlagen gibt es jedenfalls bereits. www.spaenglishlab.de, www.ungarisch-uebersetzer.com, www.joachim-roehm.de

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