damenwahl – „mord“ statt tanztee

damenwahlBei Turnieren von Profitänzern geht es neben sportlicher Perfektion vor allem um eins: schweißtreibende körperliche Anstrengung und härteste Disziplin einfach wegzulächeln – auch im neuen Krimi „Damenwahl“ von Rebecca Michéle ist es nicht anders. Um so weniger passt der Mord an einer jungen Tänzerin zu dieser leichtfüßigen Glitzer-Illusion.

Die Tote wird auch noch just in der Dusche einer Rottweiler Tanzschule gefunden und Inhaber Harald Liebig hat offenbar gleich mehrere gute Gründe, dass der Fall so schnell und diskret wie möglich zu den Akten gelegt wird.

Doch Kommissar Riedlinger und seine Assistentin Regina Müller ermitteln gründlich und wie sich heraus stellt, war Angeline Schmid nicht nur Opfer eines Gewaltäters sondern auch von jahrelangem Medikamentenmissbrauch. Zwar ist herkömmliches Doping im Profitanzsport nicht verbreitet, doch wer seine Karriere nur noch mit hochdosiertem Schmerzmittel verfolgen kann, betreibt ebenso großen Raubbau an seinem Körper.

Wer wusste vom Medikamentenmissbrauch, wer war dafür verantwortlich? Wurde Angeline Schmid von ihren Eltern oder von ihrem Trainer dazu gezwungen? Liegt in der Vertuschung das Motiv für die Tat? Oder machte sich das Mädchen mit ihrer arroganten Art ernsthaft Feinde? Auch das klassiche Motiv Eifersucht könnte den Täter zur Raserei gebracht haben…

The show must go on und schnell haben Tanztrainer und der abgebrühte Verbandsfunktionär einen Ersatz für Angeline Schmid gefunden: sie wird vertreten von Evalina Adamek, deren Ehrgeiz ebenfalls größer als Pietät und Trauer ist, schließlich stehen die Deutschen Meisterschaften vor der Tür…

Da sich Jürgen Riedlinger in seiner Rostbraten-Vierteles-Manier kaum von den meisten Kommissaren aus der Baden-Württemberg-Krimireihe unterscheidet, muss Assistentin Regina Müller mit ihrem  Verlobten Klaus Schiller zum Tanzkurs in die imagegebeutelten Tanzschule und tatsächlich bringt der Undercover-Einsatz interessante Infos ans Licht.

Jürgen Riedlingers Stärken liegen woanders: er löst seine Fälle mit Geduld, Ausdauer und Einfühlungsvermögen und arbeitet sich systematisch durch die Akten. Er glaubt „seinen“ Verdächtigen erst mal nichts und hält dennoch alles für möglich. Auch scheinbar Unbeteiligte behält er im wachen Auge und wäre von daher auch ein guter Journalist.

Bei den Deutschen Meisterschaften werden schließlich erneut zwei Personen verletzt und die Fälle hängen unmissverständlich zusammen – der Reigen der Verdächtigen dreht sich immer schneller, fieberhaft suchen die Ermittler nach dem „Missing Link“ der zum Täter führt, bevor noch mehr passiert…

Wie schon beim Krimi „Entlarvt“, der in der Rottweiler Narrenszene spielt, fließt auch in Rebecca Michéles neuem Baden-Württembergkrimi Autobiographisches mit ein: ihre Erfahrungen aus der Zeit als Turniertänzerin und Tanzsporttrainerin machen  „Damenwahl“ sehr authentisch.

Solider Krimigenuss mit überraschenden Wendungen und interessanten Einblicken hinter die glitzernde Fassade des Tanzsports.

Rebecca Michéle „Damenwahl“, 288 Seiten, broschiert, 9 Euro 90, Silberburg-Verlag

 

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